Nach acht Wochen ohne Rennen ging es endlich wieder los. Der Norisring ist eines der Saisonhighlights, insbesondere weil hier immer eine super Stimmung herrscht; nirgends haben wir so viele Leute im Zelt wie hier. Es ist immer viel los und viele Fans bitten uns um Autogramme, besonders bei diesem Wetter ist die Atmosphäre einfach unvergleichlich schön. Trotz des schönen Wetters und der fantastischen Stimmung verlief der erste Teil des Wochenendes nicht nach Plan.

Mysteriöser Leistungsabfall

Das erste Rennen war fast schon katastrophal. Bereits im Freien Training und im Zeittraining hatten wir Probleme mit dem Auto. Der Motor hatte einen plötzlichen Leistungsabfall und das in unregelmäßigen Abständen. Die Fehleranalyse hatte uns auf zu geringe Benzindrücke aufmerksam gemacht und so hatten wir alle möglichen Teile die mit der Benzinversorgung zu tun haben ausgetauscht. Wir hofften das Problem damit gelöst zu haben, wurden jedoch leider eines besseren belehrt.

Ich bin von Startplatz 6 ins Rennen gegangen und lag nach der ersten Kurve schon auf dem dritten Platz. Danach konnte ich eine halbe Runde Vollgas fahren, bis der Leistungsabfall wieder auftrat und ich auf den letzten Platz zurückfiel - ich wurde sogar fast überrundet. Als letzte Hoffnung blieb mir nur noch eins: Ich fuhr etwas langsamer und ging mit dem Auto nicht ganz ans Limit, stattdessen blieb ich immer etwas untertourig und auf einmal hat es funktioniert!

Ich bin dann jede Kurve einen Gang höher gefahren, so dass der Motor nicht zu stark belastet wurde. Auf diese Weise war ich zwar nicht der Schnellste, aber ich konnte das Rennen durchfahren und habe sogar noch zwei, drei Leute überholt. Letztlich beendete ich das Rennen auf dem zehnten Platz, dafür gab es immerhin noch vier Punkte. Zum Glück ist mein schärfster Meisterschaftskonkurrent Florian Gruber nur Vierter geworden, dadurch hat er mir nicht ganz so viele Punkte abgenommen.

Nach diesem Rennen hat mein gesamtes Team, nachdem nun offensichtlich die Elektronik der Auslöser der Probleme war, die halbe Nacht Komponenten am Auto im Bereich der Elektrik ausgetauscht und wir hofften alle, nachdem nachts um 2:00 Uhr Ruhe im Zelt war, dass die Arbeit sich gelohnt hatte.

Harte Aufholjagd

So bin ich am Sonntag von Platz 10 ins Rennen gestartet. Ich hatte erneut einen guten Start und konnte gleich ein, zwei Plätze gutmachen; nach der ersten Runde war ich bereits Siebter. Ab dann ging es nur noch vorwärts - das Auto lief auf einmal super. Meine Mechaniker haben die ganze Nacht durchgearbeitet und es hatte sich richtig gelohnt. Ich war mit Abstand der Schnellste im Feld und konnte auch die schnellste Rennrunde für mich verbuchen.

So habe ich mich Runde für Runde vorgearbeitet, was leider ganz schön aufs Material ging. Besonders die Reifen wurden sehr beansprucht, aber auch der Motor überhitzte. Somit kam ich zwar noch an Florian Gruber heran, aber das Auto war so fertig, dass gar nichts mehr ging. Ich habe trotzdem ein, zwei Angriffe gestartet, hatte aber keine Chance an ihm vorbeizukommen. Mit dem dritten Platz bin ich trotzdem sehr zufrieden, zumal ich damit nicht gerechnet hatte. Deswegen gilt mein Dank dem Team, das von Donnerstagabend bis Sonntagfrüh durchgearbeitet und das gesamte Auto auseinander genommen hat. Das Wichtige ist jedoch, dass ich nun weiß, das mein Auto für das nächste Rennen am Nürburgring okay ist

Nichts als heiße Luft...

Eines der größten Probleme war die drückende Hitze. Aufgrund der hohen Temperaturen wurden die Reifen und Bremsen ziemlich heiß, was natürlich auch für den Motor galt - der sicherlich das größte Problem war. Wir hatten Wassertemperaturen von ungefähr 115 Grad; ab 110 Grad hat der Motor einen Leistungsabfall von ungefähr 20%. Sobald ich über diese Grenze kam, merkte ich sofort, dass Leistung fehlte. So musste ich immer wieder aus dem Windschatten herausfahren, damit Frischluft in den Kühler kam.

Mir selbst ging es im Cockpit genauso wie meinem Auto: Es war verdammt heiß. Um Abhilfe zu schaffen, haben wir eine kleine Lüftung ins Auto eingebaut, die aber leider nur heiße Luft ausspuckte. Die Fenster durften wir auch nicht aufmachen, da bei einem Unfall die Gefahr bestanden hätte, dass der Arm aus dem Fenster geschleudert würde. Aber im Rennen merkt man die Hitze eigentlich kaum, man merkt nur, dass man schlapp wird. Von der Hitze selbst bekommt man nicht viel mit.