Zum Abschluss der ersten A1GP-Saison erlebten wir in China noch einmal ein spannendes Rennen. Eine der Überraschungen des Wochenendes war Darren Manning, der anstelle von Robbie Kerr für Großbritannien an den Start ging.

Ohne Tests als Vorbereitung dominierte er das Qualifying und lag lange in Führung, bevor am Ende Alex Yoong ihm mit einer Superrunde die Pole weg schnappte. Trotzdem wusste Manning mit seiner Leistung zu überzeugen. Immerhin konnten die anderen Fahrer sich die gesamte Saison auf ihre Autos einstellen, während er aus dem Nichts ohne Tests ins Auto stieg und sofort vorne mitfuhr. Gekrönt wurde diese tolle Leistung durch seinen zweiten Platz im Sprintrennen.

Aber nicht nur Großbritannien setzte in China auf einen neuen Piloten, auch viele andere Nationen nutzten das letzte Rennwochenende der Saison dafür neue Fahrer auszutesten. Bei Deutschland nahm Sebastian Stahl anstelle von Timo Scheider im Auto Platz.

Da Sebastian schon über 10 Jahre nicht in einem Monoposto gesessen hatte, besaß er von Anfang an keine besonders gute Ausgangsposition. Überhaupt war die höchste Formel-Serie in der er angetreten ist die Formel König und die lässt sich natürlich nicht mit der A1GP vergleichen. Auch seine reichhaltige Tourenwagenerfahrung konnte ihm nur bedingt helfen. Unter diesen Gesichtspunkten hat er sich gut geschlagen. Er hat sich mit jeder Session gesteigert und das Auto nicht weg geschmissen. Punkte waren aber erwartungsgemäß nicht drin.

Die letzten beiden Sieger der Saison 2005/2006 hießen Alex Yoong im Sprint und Tomas Enge im Hauptrennen. Die Franzosen, die bereits als Meister feststanden, konnten an diesem Wochenende nicht überzeugen. Möglicherweise lag das daran, dass die beiden Piloten unter der Woche noch einen GP2-Test in Barcelona absolvierten und erst danach nach Shanghai geflogen sind. So etwas hinterlässt immer Spuren.

Die Saisonbilanz 2005/2006

Die erste Saison der A1GP-Serie bot spannende Rennen auf Rennstrecken, die man vorher noch nicht kannte, die deshalb aber noch lange nicht schlecht waren. Wir haben Nationen vorne gesehen, die man zu Beginn noch belächelte und die alles andere als eine große Motorsporttradition besitzen. Dennoch konnten sich Teams wie Mexiko oder der Iran immer wieder in den Vordergrund drängen.

Aber auch alte Haudegen wie Jos Verstappen wussten mit ihrer Erfahrung und ihrem Speed zu überzeugen - jedenfalls so lange er nicht wutentbrannt aus dem Auto stürmte...

Das deutsche Team hatte in diesem Jahr viel Pech. Am Ende reichte es immerhin zu einem versöhnlichen Saisonausklang und dem ersten Podestplatz durch Timo Scheider. Das lässt für die nächste Saison hoffen, die am 1. Oktober in Zandvoort eröffnet wird. Die Stimmung wird dort auf alle Fälle klasse sein - denn Jos Verstappen zog schon in diesem Jahr überall seine Fans an die Strecken. Das wird in den Niederlanden noch extremer sein.

Überhaupt fiel die Zuschauerresonanz erstaunlich gut aus. Daran merkt man, wie verwöhnt das Publikum in Europa ist, wo nur die Motorsportverrückten Engländer in Brands Hatch für ein volles Haus sorgten. In Deutschland blieben die Tribünen hingegen leer. Bei den Rennen in Motorsport-unerfahrenen Ländern wie Dubai, Südafrika oder Indonesien war das A1-Rennen teilweise das Highlight des Jahres. Entsprechend strömten die Fans an die Strecken.

Für die zweite Saison könnte man etwas am Qualifying-System feilen. Dieses ist an sich nicht schlecht, aber die viermal 15-Minuten sind einfach zu langatmig. Dreimal 15-Minuten aus denen die beiden besten Zeiten zählen würden auch genügen. Ansonsten gibt es nicht viel Verbesserungspotenzial: Die Rennen sind spannend und Überholmanöver sind möglich. Und das ist es ja was am Ende zählt.