Sebastien Ogiers Weg zum vierfachen Weltmeister - WRC - Motorsport-Magazin.com
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WRC - Sebastien Ogiers Weg zum vierfachen Weltmeister

Vom Skilehrer zum Champion

Sebastien Ogier heißt der Rallye-Weltmeister 2016. Motorsport-Magazin.com erklärt, wie der Automechaniker aus Gap zum besten Rallye-Fahrer der Welt wurde.
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Motorsport-Magazin.com - Es ist ein sonniger Tag im August 2011, der die Rallye-Karriere von Sebastien Ogier vermutlich für immer verändern wird. Er ist der erste, der erste und für immer der einzige Pilot, der Sebastien Loeb bei der Rallye Deutschland schlägt. Es ist die Geburtsstunde eines künftigen Champions, eines Rekordjägers, eines Überfliegers - und der Anfang des Endes seiner Karriere bei Citroen.

Eintrag in die Geschichtsbücher

Seit diesem Tag sind mehr als fünf Jahre vergangen. Fünf Jahre, denen Sebastien Ogier seinen Stempel aufgedrückt hat. Seit der Saison 2013 ist der Franzose unschlagbar. Vier Weltmeistertitel sind nun auf seinem Konto. Eine Zahl, die vor ihm lediglich drei Piloten erzielt haben: Sebastien Loeb, Juha Kankkunen und Tommi Makinen. "Es bedeutet mir sehr viel und macht mich sehr stolz, mit meiner Anzahl an Titeln mit Juha und Tommi gleichzuziehen. Sie zählen beide zu den erfolgreichsten Fahrern in der Rallye-Geschichte. Und nur ein einziger Fahrer war besser", erklärte Ogier auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Es bedeutet mir sehr viel und macht mich sehr stolz, mit meiner Anzahl an Titeln mit Juha und Tommi gleichzuziehen.
Sebastien Ogier

Ogier zählt zu den vier erfolgreichsten Fahrern der WRC-Geschichte. Und sein Ziel ist klar: 2017 soll Titel Nummer fünf hinter seinem Namen auftauchen. "Mein Ziel ist, den Sport und das Fahren weiterhin zu genießen. Solange es einem Spaß macht, gibt es keinen Grund aufzuhören." Spaß steht im Vordergrund - Rekordjagd ist nebensächlich. Aus diesem Grund verwundert es auch nicht, dass der Franzose nicht im geringsten die neun Titel seines Landsmanns Loeb im Visier hat. "Um ganz ehrlich zu sein, sehe ich mich selbst nicht so lange im Rallye-Sport. Ich denke, dass ich zuvor etwas anderes tue. Ich schließe es nicht kategorisch aus, aber im Moment sagt mir mein Gefühl, dass ich nicht so lange dabei sein werde."

Der Bruch mit Citroen

Sebastien Ogier nach seinem ersten Sieg bei der Rallye Deutschland - Foto: Sutton

Es war die Bilderbuchkarriere, die sich jeder Fahrer in Frankreich wünscht. Loeb blickte langsam in Richtung WRC-Abschied, Ogier hatte bei Citroen unterschrieben - er war der neue 'Super-Seb.' Wenn Loeb seinen Hut nehmen würde, wäre der nächste talentierte Franzose da, um die Siegesserie von Citroen ungebrochen weiterzuführen. In dieser Kalkulation fehlte aber ein Parameter: Der Siegeswille von Ogier. Auch in seiner ersten Saison im Werksteam wollte er gewinnen, um die Meisterschaft fahren und vor allem: Loeb schlagen.

Und genau das sagte er laut und deutlich an besagtem sonnigen Tag bei der Rallye Deutschland 2011. Während sich Ogier über seinen Debütsieg in Deutschland freute, wollte bei Citroen niemand richtig mitfeiern. Loeb sollte diese Rallye gewinnen und wenn nicht auf normalem Weg, dann mit Hilfe von Teamorder. Zähneknirschend beugte sich Ogier diesem Urteil, bis Loeb durch einen Reifenschaden zurückfiel und das von seinem jungen Landsmann folgendermaßen kommentiert wurde: "Es gibt doch noch Gerechtigkeit in diesem Sport." Der wohl erste Riss in der französischen Traum-Konstellation. Am Ende der Saison war das Tischtuch entzwei und noch 2011 gaben Citroen und Ogier die Auflösung des Vertrages bekannt.

Der Franzose unterschrieb bei Volkswagen und war für ein Jahr in die WRC2 verbannt. Bis der Polo R WRC 2013 in Monte Carlo von der Startrampe schießen konnte, fristete Ogier seine Zeit in einem Skoda Fabia S2000 - nicht ohne Erfolg. Er war 2012 auf Sardinien der erste Pilot der Geschichte, der eine Wertungsprüfung mit einem S2000-Auto gewann und in der Gesamtwertung unter die Top-5 kam. Ein Kampf um die WM gegen Loeb war aber selbstverständlich nicht möglich.

Die Anfänge

Sebastien Ogier war ein Spätstarter mit schnellem Erfolg - Foto: Hardwick/Sutton

Dass er mit 32 Jahren nun bereits seinen vierten Weltmeistertitel feiern kann, muss für den gelernten Automechaniker wie ein Traum wirken. Seine Mutter ist Sekretärin, sein Vater Kohlenhändler, daher ist das große Geld für Motorsport nicht vorhanden. Die einzigen Berührungspunkte stellen die Freien Trainings der Formel 1 - natürlich als Zuschauer - in Monaco und sein Einsatz als Streckenposten beim Großen Preis von Monaco dar. Die Geschwindigkeit suchte der diplomierte Skilehrer auf zwei Brettern anstatt auf vier Reifen.

Erst das französische Nachwuchsprogramm Rallye Jeunes brachte die Wende. Ogier kam, sah und siegte und der Weg nach oben war besiegelt. Erst 2006 startete er ernsthaft mit dem Rallye-Sport und gewann 2007 den französischen Peugeot-206-Cup. Schon ein Jahr später war er in der WRC unterwegs und gewann in der Junior-Kategorie den WM-Titel. Bereits zu diesem Zeitpunkt überzeugte er und bekam als Belohnung seinen ersten Einsatz in der WRC - mit einem Ausrufezeichen. Bei der Rallye Wales 2008 führte Ogier ab der zweiten Prüfung das Klassement an und holte zudem noch eine Bestzeit; ein technischer Defekt ließ die Sensation platzen.

Der Aufstieg in der WRC

Sebastien Ogier 2010 bei Citroen - Foto: Andre Lavadinho

Nur ein Jahr später stieg er ins Citroen Junior Team auf, wo er in Griechenland seinen ersten Podestplatz erzielte. 2010 folgte der bis dahin größte Erfolg: In Portugal ließ der damals 26-Jährige das gesamte Feld hinter sich und gewann seine erste Rallye. Am Ende des Jahres wurde er sogar ins Werksteam berufen, um den auf Schotter schwächelnden Daniel Sordo zu ersetzen.

Alles verlief wie im Bilderbuch. Ab 2011 war er der zweite Werksfahrer neben Sebastien Loeb bei Citroen und zahlte alle Vorschusslorbeeren zurück. Schon bei der Rallye Mexiko zeigte er Loeb auf, welche Konkurrenz im eigenen Lager heranwächst. Bis zum finalen Tag führte er die Rallye an, schied dann aber nach einem Unfall aus. Doch es sollte wieder klappen: Am Ort seines ersten Erfolges holte Ogier zwei Jahre später den ersten Sieg der Saison 2011 - vier weitere Erfolge folgten, bis Citroen zur Teamorder griff und sich die Wege am Saisonende trennten.

Der Triumphzug mit Volkswagen

Sebastien Ogier siegte bereits bei seiner zweiten Rallye mit dem Polo R WRC - Foto: Sutton

Ogier versuchte sein Glück bei Neueinsteiger Volkswagen - die große Unbekannte. Erfolg oder peinlicher Untergang? Spätestens bei seinem ersten Sieg bei der Rallye Schweden gab Ogier die Antwort auf diese Frage, nach Erfolgen in Mexiko und Portugal zweifelte kaum jemand mehr daran, dass Ogier der kommende Weltmeister sein würde. Die finale Entscheidung gelang ihm ausgerechnet bei seiner Heimrallye in Frankreich - mit einem Eintrag in die Geschichtsbücher. Ogier war der erste und bisher einzige Pilot, der sich an einem Donnerstag nach bereits einer Prüfung zum Weltmeister kürte. Die Powerstage wurde als erste WP der Rallye ausgetragen und Ogier holte den einen einzigen Punkt, der ihm noch zum Titel fehlte. Er drückte der Saison mit neun Siegen bei 13 Rallyes seinen Stempel auf und war bereits drei Läufe vor Ende nicht mehr von der Spitze zu verdrängen.

Damit hieß es 2014: Voller Angriff auf die Titelverteidigung. Mit seinem heiß ersehnten Heimsieg in Monte Carlo übernahm er die WM-Führung. Über die Saison entwickelte sich ein hartes Duell mit Teamkollege Jari-Matti Latvala, der ihm den Spitzenrang in der WM sogar zeitweise abnahm. Davon ließ sich Ogier aber nicht aus der Ruhe bringen. Mit sechs weiteren Saisonsiegen gab es keinen Zweifel an seinen Ambitionen und er sicherte sich schließlich bei der Rallye Spanien seinen zweiten Weltmeistertitel.

2015 folgte - wenig überraschend - Titel Nummer drei. Noch dominanter als zuvor. Acht Siege in 13 Rallyes und insgesamt zehn Podiumsplatzierungen. Schon vier Rallyes vor dem Saisonende in Australien verwandelte Ogier seinen Matchball. 2015 klappte es zudem mit einem ganz besonderen Erfolg: Er holte beim dritten Anlauf den so herbeigesehnten Heimsieg für Volkswagen in Deutschland.

Das private Glück mit Andrea Kaiser und Sohn Tim

Kraft und Stärke für seine Erfolge zieht der Franzose aus seiner Familie. Seit dem Sommer 2014 ist Ogier mit der deutschen TV-Moderatorin Andrea Kaiser verheiratet. Im Juni 2016 folgte die Krönung ihrer Liebe: Sohn Tim wurde geboren. Wann immer es geht, begleitet sich das Paar auf Reisen, um trotz Job viel Zeit miteinander zu verbringen.

"Es ist sehr wichtig, ein Zuhause zu haben und so auch die nötige Balance zu finden. Es erlaubt mir, mit der richtigen Einstellung und in guter mentaler Verfassung in die Rennen zu gehen. So kann ich Leistung abliefern und das ist definitiv wichtig", sagte Ogier unlängst im Interview mit Motorsport-Magazin.com. "Meine Frau erinnert mich auch immer wieder daran, dass ich nur wegen ihr Weltmeister bin, da ich erst Champion wurde, als ich sie kannte."


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