WEC - Interview - Kazuki Nakajima: Toyotas Vollzeitjobber

Viel Spaß in drei Meisterschaften

Kazuki Nakajima trat 2013 in drei Meisterschaften an. Doch er genießt es und erklärt die Herausforderungen für einen Ex-Formel-1-Piloten auf der Langstrecke.

Motorsport-Magazin.com - Du warst dieses Jahr vielbeschäftigt?
Kazuki Nakajima: Ja, ich bin in drei verschiedenen Kategorien in diesem Jahr unterwegs gewesen. Also ja, ich war gut beschäftigt, aber ich habe alles genossen und gerade als professioneller Fahrer ist es wesentlich besser, gut beschäftigt zu sein statt zu viel Freizeit zu haben. Ich habe das WEC-Rennen in Shanghai verpasst, um das Saisonfinale der Super Formula in Japan zu fahren. Dieses Rennen habe ich gewonnen, also gab es schon einige Höhepunkte in diesem Jahr.

Ist dieser Mix von Racing mit der WEC, Monoposto in der Super Formula und der SuperGT die Art von Programm, die du genießt?
Kazuki Nakajima: Ja und nein. Ich liebe es, die Gelegenheit zu haben, in solch guten Autos in sehr kompetitiven Meisterschaften anzutreten, aber auf der anderen Seite wäre es gut, wenn man in der Lage wäre, gleichzeitig einen wirklichen Anlauf auf eine dieser Meisterschaften nehmen zu können.

Als professioneller Fahrer ist es wesentlich besser, gut beschäftigt zu sein statt zu viel Freizeit zu haben.
Kazuki Nakajima

Das Ziel in der WEC 2013 war es, Rennen zu gewinnen, aber es war schwierig...
Kazuki Nakajima: Ja und ja. Wir haben so eine Art Sieg in Fuji geholt. Das Team hatte eine großartige Chance auf den Sieg in China. Das bedeutet, dass sich das Team in den Stunden der bitteren Niederlagen neu formiert hat. Es ist hart, sich anzusehen, was dann in China geschehen ist, aber ein gutes Team zeichnet sich dadurch aus, wie es auf solche Enttäuschungen antwortet, und unsere Jungs haben sich aufgerappelt. Wir konnten in Bahrain mit hohen Erwartungen antreten. Als Team hatten wir eine riesige Menge Motivation, dieses eine Rennen zu gewinnen. Deshalb war ich glücklich, die Nummer 8 gewinnen zu sehen, obwohl es schon enttäuschend war, dass die Nummer 7 nicht zur Stelle war, um ihnen den Sieg streitig zu machen.

Wie bewertest du den Langstreckensport aus Fahrerperspektive?
Kazuki Nakajima: In diesem Auto steckt so viel neue Technologie, speziell im Hybridsystem, was es zu einer sehr andersartigen Erfahrung macht. Es ist schnell - alleine in Fuji waren wir fast fünf Sekunden schneller als mit dem SuperGT-Auto - und es hat sehr viel Abtrieb. Aber die wirklich Herausforderung ist die Rundumsicht in diesen Autos, was sowohl unsere Fahrzeuge als auch die unserer Rivalen betrifft. Das macht es wirklich schwierig im Verkehr. Es ist ein ehrenvoller Verdienst, dieses Auto fahren zu dürfen, aber sehr schwierig, damit Rad an Rad zu kämpfen. Den Verkehr zu managen ist ein großer Teil des ganzen, und das gilt auch für unseren Mitbewerber. Das bedeutet, man muss aggressiv, aber auch konservativ vorgehen. Physisch ist es anstrengend, weil man eine lange Zeit im Auto verbringt und schnell sein muss, und das konstant. Es ist eine echte Herausforderung für einen Fahrer.

Teamleistung immer im Vordergrund

Bei Dunkelheit braucht Nakajima mehr Erfahrung - Foto: Toyota

Und dann ist da der notwendige Kompromiss, um mit den anderen beiden Fahrern zusammenzuarbeiten?
Kazuki Nakajima: Der Kompromiss ist schwierig, aber lebensnotwendig. Es geht nicht nur um meinen eigenen Speed, sondern um die Pace des Fahrzeugs über das gesamte Rennen hinweg. Wenn man von den Monoposto kommt, erfordert das einige große Veränderungen in der Arbeitsweise mit dem Team, und im Besonderen mit den Teamkollegen. Man muss sehr, sehr schnell sein, aber gleichzeitig auch auf das Fahrzeug achtgeben, insbesondere bei den Reifen. Das war zu meiner Formel-1-Zeit nicht so wichtig, aber vermutlich spielt es jetzt dort auch eine größere Rolle.

Endurance Racing ist eine große Teamleistung und weit mehr Teamsport als die Formel 1.Wir teilen uns das Fahrzeug und die Daten und insgesamt muss man weitaus tiefer in seinem Repertoire wühlen, um sich an ein Auto zu gewöhnen, das auf die Bedürfnisse der anderen Fahrer ebenso eingestellt ist wie auf die eigenen. Ich würde sagen, dass es speziell für einen jungen Fahrer eine großartige Möglichkeit ist, sich selbst zu verbessern.

Kannst du uns einen Eindruck vermitteln, wie groß die physische und mentale Herausforderung ist?
Kazuki Nakajima: Es ist eine riesige Herausforderung: Verkehr, Sicht, sehr starke Gegner, das Wetter und auch die Dunkelheit. Für mich ist, obwohl man physisch in Topform sein muss, die mentale Herausforderung die größere: Mögliche Frustration im Verkehr kontrollieren, Entscheidungen fällen und das Risiko managen, speziell wenn man die Audis jagt, gute Autos mit guten Fahrern.

Kein allzu schwerer Umstieg

Es ist definitiv ein Fahrerauto, mit dem das Rennen Fahren viel Spaß macht.
Nakajima über den TS030 Hybrid

In Le Mans und Bahrain ging es in die Dunkelheit. Ist das ein Teil des Langstreckensports, den du genießt?
Kazuki Nakajima: Rennen Fahren im Dunkeln ist immer spaßig, weil die Tiefenwahrnehmung geringer ausfällt und sich das Fahrzeug schneller anfühlt. Scheitelpunkte sind schwieriger anzuvisieren, da sie oft außerhalb der Lichtkegel liegen. Es ist insgesamt mental eine andere Herausforderung. Man muss darauf hin üben, sich schnell auf die Verhältnisse einzuschießen, aber ich genieße das. Ich merke schon, dass ich mehr Erfahrung darin benötigte, denn bislang hatte ich nur in Le Mans und bei den Wintertests die Gelegenheit dazu. Ganz klar gibt es da Jungs in unserem Team und bei unseren Mitbewerbern, die mehr Erfahrung bei Dunkelheit haben als ich.

Wir haben gesehen, dass einige Fahrer, die aus der Formel 1 in den Langstreckensport umgestiegen sind, dort Schwierigkeiten hatten. Aber für dich und andere jüngst hinzugestoßene Fahrer scheint das weniger ein Problem zu sein...
Kazuki Nakajima: Das mag stimmen, vielleicht liegt es daran, dass die neueren Prototypen in Sachen Performance, und vielleicht wichtiger: in Sachen Aero, relativem Gewicht und der generellen Dynamik näher dran sind als zuvor. Das ist, gemeinsam mit der Notwendigkeit zu Kompromissen, der kritische Punkt für jeden, der herüberwechselt. Ich persönlich fand die Erfahrung, wie es ist, das Auto zu fahren und wie es reagiert, relativ ähnlich [zur Formel 1]. Natürlich ist dieses Fahrzeug schwerer, aber die Gesamtperformance hat es mir leicht gemacht, mich drauf einzuschießen.

Macht es nach der Formel 1 denn generell Spaß, dieses Auto zu fahren?
Kazuki Nakajima: Oh ja, natürlich, speziell mit dem High-Downforce-Package gibt es eine Menge Grip. Man kann richtig spät bremsen und mit den neuen Reifen auch richtig attackieren und mit dem Auto spielen. Es ist definitiv ein Fahrerauto, mit dem das Rennen Fahren viel Spaß macht.


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