MotoGP - Rossi: WM-Führung Revanche für Schande von 2015

Yamaha-Star erstmals seit Sepang 2015 wieder an der Spitze

Valentino Rossi hat erstmals seit dem dramatischem WM-Finale 2015 den Platz an der Sonne inne. Eine unglaubliche Genugtuung für den Superstar der MotoGP.
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Motorsport-Magazin.com - Hinter Valentino Rossi liegen harte eineinhalb Jahre. 2015 verspielte er im letzten Rennen der Saison den MotoGP-Titel noch gegen Jorge Lorenzo. Die Umstände mit dem persönlichen Kleinkrieg gegen Marc Marquez sind hinreichend bekannt. Im Vorjahr hatte Rossi wieder die Chance auf den Gewinn der Weltmeisterschaft, musste sich nach technischen Defekten und Eigenfehlern am Ende aber Marquez deutlich geschlagen geben. Nach dem Amerika-GP am vergangenen Wochenende liegt Rossi nun erstmals seit Oktober 2015 wieder an der Spitze der MotoGP-Gesamtwertung.

Das ist eine große Genugtuung. Nach der Schande im Finale 2015 wieder WM-Leader zu sein, ist wie eine kleine Revanche für mich. Es ist schön, diese schwierige Phase hinter mir zu lassen.
Valentino Rossi

"Das ist eine große Genugtuung. Nach der Schande im Finale 2015 wieder WM-Leader zu sein, ist wie eine kleine Revanche für mich. Es ist schön, diese schwierige Phase hinter mir zu lassen. Darüber bin ich sehr glücklich", erklärte ein sichtlich erleichterter Rossi am Sonntag in Austin. Vor allem nach seiner desaströsen Wintertestsaison ist die WM-Führung für ihn ein Zwischenerfolg, mit dem nicht zu rechnen war. "Dass ich nach drei Rennen die Weltmeisterschaft anführe, hätte ich nicht erwartet."

Rossi baut auf Europarennen

Überbewerten will Rossi mit all seiner Erfahrung aus 351 WM-Starts die WM-Führung aber nicht. "Wir sind erst drei Rennen gefahren, also ist das noch nicht allzu viel Wert. Es wird sehr schwer werden diese Position zu halten, denn Marc und Maverick sind sehr stark", weiß der Routinier. Ein Blick auf die kommenden Grands Prix gibt Rossi aber weiteren Auftrieb: "Für mich beginnt mit den ersten Europarennen jetzt ein sehr guter Abschnitt der Weltmeisterschaft. Jerez, Mugello, Barcelona, Assen - das sind alles Strecken, an die ich fantastische Erinnerungen habe und es ist immer großartig, dort Rennen zu fahren. Diese Kurse machen mir sehr viel Spaß und die Atmosphäre ist genau so, wie sie in der MotoGP sein muss."

In Barcelona 2016 feierte Rossi seinen bislang letzten Sieg - Foto: Repsol

Tatsächlich waren die ersten Europarennen im Vorjahr die Phase der Weltmeisterschaft, in der Rossi sich am stärksten präsentierte. In Jerez und Barcelona gewann er, wurde in Le Mans Zweiter und hätte in Mugello und Assen gewinnen könnte, hätte ihn nicht einmal der Motor seiner Yamaha im Stich gelassen und das andere Mal er seine Maschine im niederländischen Kies begraben. Rossis generelle Erfolgsbilanz auf den kommenden Strecken ist beeindruckend: Zehn Mal gewann er bereits in Barcelona, je neun Siege konnte er in Mugello, Jerez und Assen erringen. Nur in Le Mans stand er bisher erst drei Mal auf dem obersten Treppchen.

Marquez und Vinales für Rossi härteste Rivalen

Mit Marc Marquez und Maverick Vinales gibt es aber zumindest zwei Piloten, die eine weitere Aufstockung von Rossis Siegeskonto verhindern können. "Bei der Form, in der Marc und Maverick sind, wird es sicher schwer, diese Grands Prix dann wirklich zu 'Rossi-Land' zu machen", weiß Rossi. "Aber ich freue mich einfach, zurück in Europa zu sein und bis Oktober auch hier zu bleiben, denn die Reisen zu den Überseerennen sind immer ein bisschen stressig."

Ich habe 23 Punkte mehr als vor einem Jahr und fühle mich gut auf dem Motorrad. Wir arbeiten sehr gut im Team und die Atmosphäre ist super.
Valentino Rossi

Nach dem zweiten Platz in Austin und der damit verbundenen Übernahme der WM-Führung war deutlich zu sehen, wie von Rossi nicht nur die Reisestrapazen, sondern auch der Frust der Wintermonate endgültig abfiel. "Ich habe 23 Punkte mehr als vor einem Jahr und fühle mich gut auf dem Motorrad. Wir arbeiten sehr gut im Team und die Atmosphäre ist super. Nach den Wintertests waren wir aber wirklich verzweifelt. Wir haben sogar überlegt, auf das Vorjahresmotorrad zurückzuwechseln", verrät Rossi.

Bei den Wintertestfahrten lief es für Rossi gar nicht nach Wunsch - Foto: MotoGP

"Das Problem war, dass wir das Bike nicht verstanden haben. Ich wusste nicht wie ich es fahren muss und meine Crew wusste nicht, wie sie es abstimmen müssen. Das hat eine Weile gedauert, aber es war die richtige Entscheidung, auf das neue Motorrad zu setzen. Damit sind wir in der Schlussphase der Rennen viel stärker, wie man in Argentinien gegen Cal und hier gegen Dani deutlich gesehen hat." Im Vorjahr machten er und sein damaliger Teamkollege Jorge Lorenzo die Pace der Yamaha gegen Rennende ja noch als große Schwachstelle aus. Die M1 hatte mit deutlich größere Reifenverschleiß als andere Motorräder zu kämpfen.


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