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MotoGP - Ducati-Open-Deal sorgt für Einführung neuer Klasse

Start von Factory 2

Es war der große Knalleffekt vor der Saison. Ducati wechselt vollständig in die Open-Klasse. Motorsport-Magazin.com weiß, was das für die MotoGP bedeutet.
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Motorsport-Magazin.com - Ducati wechselt also mit allen seinen vier Fahrern, Andrea Dovizioso und Cal Crutchlow im Werksteam sowie Andrea Iannone und Yonny Hernandez bei Pramac, in die Open-Klasse. Die Ziele, die Ducati damit verfolgt sind klar: Man möchte sich wieder näher an die Spitzenteams von Honda und Yamaha heranarbeiten. Doch der Deal hat auch Auswirkungen auf die gesamte MotoGP und Bedeutung für die weiteren Teams in der Open-Klasse. Motorsport-Magazin.com verschafft einen Überblick.

Einführung von Factory 2

Wie Dorna-Präsident Carmelo Ezpeleta im Interview mit der spanischen Zeitung AS bekannt gab, entsteht am 11. März eine neue Klasse zusätzlich zu Factory und Open, die Factory 2. Kurios: Zu Saisonbeginn wird sich kein Team und kein Fahrer in dieser Klasse befinden. Sie können nur dorthin zwangsverschoben werden. Wenn Ducati beispielsweise drei dritte, zwei zweite oder einen ersten Platz einfährt, muss man in die Factory 2. Sie dient als Zwischenklasse zwischen Open und Factory, 22,5 Liter Sprit und neun Motoren sollen zur Verfügung stehen. Unklar ist, ob das auch für Nicht-Werksteams wie Forward-Racing gelten könnte.

Ducati, Yamaha und die gemeinsame ECU-Vergangenheit

Die letztjährige Ducati ECU war anders als die ECU von Yamaha und anders als die ECU die 2014 von allen verwendet werden kann.
Corrado Cecchinelli

Ducati muss nun jedenfalls neben der Magneti-Marelli-Hardware, die für alle Teams verpflichtend ist, auch die vom selben Hersteller für die Dorna respektive die Open-Teams entwickelte Software verwenden. Allerdings ist diese Zusammenarbeit nicht wie gemeinhin vermutet absolutes Neuland für Ducati. Bereits in den letzten Jahren hat man die ECU für die Desmosedici zusammen mit Magneti Marelli entwickelt, selbiges gilt übrigens auch für Yamaha. MotoGP-Technologiedirektor Corrado Cecchinelli erklärt, was sich nun an dieser Kooperation ändert: "Vor dieser Saison hatten Ducati und Yamaha bereits eine Magneti-Marelli-ECU-Hardware, aber das war nicht dieselbe als die Hardware die in diesem Jahr von allen in der MotoGP genutzt wird. Obwohl Magneti Marelli schon in den letzten Jahren Hersteller und Lieferant ihrer ECUs war, haben sie die ECUs auf Basis der individuellen Designs konstruiert, die sie von Ducati und Yamaha erhalten haben. Diese Informationen wurden streng vertraulich behandelt. Die letztjährige Ducati ECU war also anders als die ECU von Yamaha und anders als die ECU die 2014 von allen verwendet werden kann."

Wünsch dir was

Ducati muss die Software der Dorna nutzen, das bedeutet aber nicht, dass es keine Möglichkeit zur Weiterentwicklung gibt. "In diesem Jahr haben alle dieselbe Hardware, aber Honda und Yamaha programmieren noch ihre eigene Software. Sie arbeiten mit Magneti Marelli zusammen, haben aber ganz andere Deals mit ihnen als die Open-Teams. Ducati wird nun, nach dem Wechsel in die Open-Klasse, auch unsere Software nutzen müssen. Unsere wird ihrer Software aber relativ ähnlich sein, wobei es davon abhängt, was sie von uns wollen. Alle Hersteller in der Open-Klasse können mit ihren Anliegen an uns herantreten", erklärte Cecchinelli gegenüber Crash.net. Was wäre also nun, wenn Ducati mit einem bestimmten Wunsch, also etwa der Einbindung ihrer bisher verwendeten Wheely-Kontrolle, an die Dorna beziehungsweise Magneti Marelli herantritt? "Dann würden wir sie darum bitten, uns das Prinzip ihrer Wheely-Kontrolle zu erklären und wenn wir der Meinung sind, dass sie besser ist als unsere, dann werden wir - in diesem Fall also die Magneti-Marelli-Ingenieure - den Code dafür in die Open-Software integrieren. Es würde also wie jede andere Performance-Anfrage behandelt werden", stellt der MotoGP-Technologiedirektor klar. Derartige Anfragen werden aus Richtung Ducati definitiv kommen, bestätigt General-Manager Gigi Dall'Igna: "Wir werden die Dorna sicherlich um einige Dinge fragen, denn ich glaube, dass wir die Software weiterentwickeln müssen, aber das ist normal. Wenn unsere Anfragen angemessen sind bin ich überzeugt davon, dass Magneti Marelli und die Dorna uns unterstützen werden."

Dorna gibt die Richtung vor

Die Open-Piloten dürfen nur Verbesserungsvorschläge machen, die Entscheidung liegt bei der Dorna - Foto: Ducati

Die neue Open-Klasse kann nur funktionieren, wenn sich Teams und Hersteller einbringen. Technologiedirektor Corrado Cecchinelli wird nicht müde, das zu betonen: "Ich möchte klarstellen, dass wir uns über jegliche Art von Vorschlägen freuen. Hoffentlich verstehen die Teams, dass eine Anfrage oder ein Vorschlag für gewisse Aspekte der Open-Software in erster Linie ein Vorteil für sie selbst ist. Natürlich gibt man den Konkurrenten in der Open-Klasse denselben Vorteil, aber man sollte annehmen, dass es für einen selbst ein bisschen besser ist, denn ist schließlich etwas um das man selbst gebeten hat und mit dem man vertrauter ist als der Rest." Mit sechs unterschiedlichen Motor-Chassis-Kombinationen und durch Honda, Yamaha, Ducati, Aprilia und Kawasaki fünf Herstellern sind Spannungen aber beinahe vorprogrammiert, auch wenn Cecchinelli derartigen Streitereien gleich einen Riegel vorschieben möchte. "Ich bitte die Teams auf uns zuzugehen. Ich möchte aber keine Beschwerden von Rennställen hören, dass wir etwas machen um das uns ein anderes Team gebeten hat, denn jeder hat dieselbe Möglichkeit Vorschläge zu machen."

Intensivierte Zusammenarbeit mit Herstellern

Im Grunde genommen ist die neu geschaffene Open-Klasse der Nachfolger der gescheiterten CRT-Klasse. Dort hat Magneti Marelli bereits im vergangenen Jahr Teams mit Hard- und Software beliefert. Der Zugang ist in der Open-Klasse aber ein völlig neuer. "Im vergangen Jahr haben wir am Ende jedes Rennwochenendes unsere Kunden, also die Claiming Rule Teams, gefragt, was sie sich wünschen. In diesem Jahr ist die Zusammenarbeit deutlich intensiver, weil wir mit Herstellern arbeiten. Es ist also ein ständiger Prozess, in dem sie mit ihren Anfragen auf uns zukommen können, wir geben sie auf unsere To-Do-Liste und ordnen sie nach ihrer Wichtigkeit", so Cecchinelli. Das setzen von Prioritäten liegt zu 100 Prozent bei der Dorna, hält der Technologiedirektor fest: "Es ist unsere Entscheidung, was mir machen oder nicht und in welcher Reihenfolge. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei natürlich auf Dingen, die für alle interessant sind. Unsere Open-Software wird sich ständig weiterentwickeln, aber so etwas dauert eben eine Zeit."

In einigen Jahren soll die Dorna-ECU dann so gut sein, dass sie für alle Teams und Hersteller eine ernsthafte Option darstellt, wagt Cecchinelli einen Blick in die Zukunft: "Unser Ziel ist es nach wie vor, die Software für alle in der MotoGP einheitlich zu gestalten. Deshalb wollen wir sie so gut machen, dass sie von allen akzeptiert wird."


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