MotoGP - MotoGP - Tops und Flops 2013

Tränen, Triumphe und Traktionskontrollen

Die MotoGP-Saison 2013 bot glorreiche Erfolge, schmerzvolle Niederlagen und zahlreiche Rekorde. Motorsport-Magazin.com blickt auf die Tops und Flops zurück.
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Top - Der Titelkampf

Nicht nur In Jerez wurden Zärtlichkeiten ausgetauscht - Foto: Milagro

Was Marc Marquez und Jorge Lorenzo in dieser Saison im Kampf um den Titel ablieferten war einfach nur Rennsport in Perfektion. Schon lange fand ein WM-Duell nicht mehr so oft in direkten Zweikämpfen auf der Rennstrecke statt. Zahlreiche atemberaubende Momente bleiben in Erinnerung, so zum Beispiel der Rammstoß von Marquez gegen Lorenzo in Jerez, der Fight bis zur Ziellinie in Silverstone, der Zweikampf in Sepang oder der heftige Kontakt auf Phillip Island. Zusätzliche Würze erhielt der Titelkampf durch die Gegensätzlichkeit der beiden Akteure, sowohl auf als auch abseits der Strecke. Während Lorenzo die Rennen wie ein Uhrwerk bestreitet und kaum Fehler macht, bolzt Marquez wie ein Besessener um den Kurz. In Interviews gibt sich der Yamaha-Pilot ruhig, überlegt, teilweise fast schüchtern, während sein Widersacher bei Honda ständig mit einem Lausbubengrinsen durch das Fahrerlager läuft und stets für einen frechen Spruch zu haben ist. Der Battle um den Weltmeistertitel gipfelte in einem Gänsehautfinale in Valencia. Vor heimischem Publikum auf den bis auf den letzten Platz gefüllten Rängen des Ricardo-Tormo-Circuit von Valencia fiel schließlich die Entscheidung zugunsten Marc Marquez. Doch der wahre Gewinner war der Motorradsport.

Flop - Bitte warten

Auch 2013 war nicht das Jahr des Dani Pedrosa - Foto: Repsol Honda

Der Weltmeistertitel in der MotoGP-Klasse scheint für Dani Pedrosa zur Mission Impossible zu werden. Zum sechsten Mal lag er zu Saisonende unter den Top-3 der Fahrerweltmeisterschaft, den Titel holte sich aber wie immer ein anderer Pilot. Eine weitere Parallele zu den Vorsaisonen ist erkennbar, das Pech an dem nur 1,60 Meter großen Pedrosa. Er leistete sich kaum Stürze, dennoch brach er sich am Sachsenring das Schlüsselbein. Sinnbildlich für den Unglücksraben war aber der Moment, an dem er sich endgültig aus dem Kampf um den Weltmeistertitel verabschieden musste. In Aragon durchtrennte Marc Marquez an Pedrosa Honda ein Kabel der Traktionskontrolle, das schon seit Jahren an dieser Stelle verbaut wurde. Nie hatte es Probleme geben, dieses Mal schon, natürlich für den Mann aus Sabadell. Die Traktionskontrolle arbeitete nicht mehr richtig, Pedrosa flog mit einem heftigen Highsider ab und war aus dem Rennen. Ergibt acht Jahre MotoGP ohne Titel, dafür mit unzähligen Verletzungen von Kopf bis Fuß. Bitter.

Top - Der CRT-Dominator

Die CRT-Klasse wurde nach zwei Jahren wieder abgeschafft. Das beste Image hatte sie ohnehin nie. Doch egal wie man nun zu dieser Klasse in der Klasse stand, eines musste jeder MotoGP-Beobachter anerkennen die beeindruckende Art und Weise, mit der Aleix Espargaro sie in den letzten beiden Jahren beherrschte. Besonders deutlich fiel diese Dominanz in der abgelaufenen Saison aus. Bei den 18 MotoGP-Rennen 2013 war der Aspar-Pilot 14 Mal bester CRT-Fahrer. In der Endabrechnung hatte er mit 93 Zählern 52 Punkte Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Colin Edwards - eine Welt. Espargaro konnte auch regelmäßig den ein oder anderen Prototypen-Piloten hinter sich lassen.

Flop - Rote Tristesse

Schon die letzten Jahre verliefen für Ducati alles andere als nach Wunsch. Nach dem Weltmeistertitel durch Casey Stoner 2007 konnte man nur noch vereinzelt Siege einfahren. 2011 und 2012 blieb dies verwehrt, man musste sich bei den Italienern mit insgesamt drei Podiumsplatzierungen zufrieden geben. In der abgelaufenen Saison gelang nicht einmal mehr das. Zum ersten Mal seit dem MotoGP-Einstieg 2003 blieb Ducati ohne eine einzige Top-3-Platzierung, ein vierter Platz durch Andrea Dovizioso im Regenrennen von Le Mans war das höchste Gefühle. Egal was man in Bologna versuchte und entwickelte, Nicky Hayden und Andrea Dovizioso kamen der Konkurrenz von Honda und Yamaha einfach nicht näher. Zu allem Überfluss kollidierten die Teamkollegen in Laguna Seca und Indianapolis auch noch, was ihnen eine Standpauke bei der Teamführung einbrachte.

Top - Der Mann aus Stahl

Dieser fünfte Platz bedeutet mir mehr als einige meiner Siege.
Jorge Lorenzo

Assen, 27. Juni 2013.Die zweite Trainingssession der MotoGP läuft. Nach starken Regenfällen ist die Strecke noch nass, Jorge Lorenzo bewegt seine Yamaha M1 dennoch am Limit um den TT Circuit. Im neunten Umlauf passiert der verhängnisvolle Fehler. Zwischen den Kurven "Meeuwenmeer" und "Hoge Heide" kommt der amtierende Weltmeister auf eine Fahrbahnmarkierung, verliert die Kontrolle über sein Motorrad und wird per Highsider abgeworfen. Er hält sich sofort die linke Hand, kurz darauf folgt die ernüchternde Diagnose. Lorenzo hat sich das Schlüsselbein gebrochen, eine Operation ist nötig. Er wird umgehend nach Barcelona geflogen, wo der Eingriff vorgenommen wird. Zu dieser Zeit glaub eigentlich niemand daran, dass er am Samstag zum Grand Prix einsatzbereit sein könnte. Doch schon am Freitag geisterten erste Gerüchte durch das Fahrerlager, die das Gegenteil verhießen und tatsächlich stand Lorenzo im Rennen am Start. Mit starken Schmerzen fuhr er auf den fünften Rang. Nach Rennende musste ihm unter Tränen in der Box der Helm abgenommen werden, dennoch war der Stolz im Gesicht des 26-Jährigen mehr als deutlich zu sehen. Diesem Stolz verlieh er auch verbal Ausdruck: "Dieser fünfte Platz bedeutet mir mehr als einige meiner Siege."

Flop - Verletzter Elbowz

Dieser Sturz beendete Spies' Karriere wohl endgültig - Foto: Milagro

Was für eine Horrorsaison für Ben Spies. Bereits angeschlagen in das Jahr gestartet, musste er nach zwei Einsätzen zu Saisonbeginn erneut aussetzten und trat erst wieder in Mugello an. Nach dem Italien-Grand-Prix musste er aber einmal mehr eine Zwangspause einlegen und wagte erst im August in Indianapolis wieder ein Comeback. Doch seine Rückkehr dauerte nur drei Trainingssitzungen lang. Nach einem üblen Highsider verletzte sich Spies erneut an seiner lädierten Schulter und die Saison war für ihn gelaufen. Der Superbike-Weltmeister von 2009 und ehemalige Grand-Prix-Sieger entschloss sich schließlich für einen schweren, aber weitsichtigen und wahrscheinlich den intelligentesten Schritt. Er beendete im Alter von nur 29 Jahren seine Karriere und zieht körperliche Gesundheit sportlichen Erfolgen vor.

Top - Der Überflieger

Kein Saisonrückblich 2013 wäre komplett ohne eine ausreichende Huldigung von Marc Marquez. Dass er ein unglaublich schneller Pilot ist, war schon vor dem ersten Saisonrennen jedem klar und kaum jemand bezweifelte, dass der Newcomer den einen oder anderen Podiumsplatz einfahren würde, vielleicht sogar einen Sieg holen könnte. Doch was sowohl für sein eigenes Team als auch die Konkurrenz überraschend kam, war die sensationelle Konstanz mit der Marquez seine Rookiesaison bestritt. Nur ein einziger Sturz im Rennen, sechs Siege und 16 Podiums in 18 Grands Prix. Auf ein Nervenflattern des erst 20-Jährigen mussten seine Gegner vergebens warten, er leistete sich auch im Saisonfinale keine Fehler. Umso beeindruckender, bedenkt man den teils starken Gegenwind aus Richtung der Medien, Fans und Konkurrenz, der Marquez aufgrund seiner aggressiven Fahrweise entgegen blies.

Flop - Schweizer Käse Down Under

Die Bridgestone-Slicks lösten sich in ihre Bestandteile auf - Foto: Milagro

Zu Beginn des Rennwochenendes auf Phillip Island sorgte der neue Streckenbelag auf dem Grand-Prix-Kurs noch für strahlende Gesichter. Deutlich ebener war die Strecke nun und der Grip um ein vielfaches besser. Doch genau hier lag in weiterer Folge das Problem. Der neue Asphalt fraß die Bridgestone-Reifen regelrecht auf und riss zentimetergroße Löcher in den Gummi. Der exklusive Reifenlieferant sah sich nicht in der Lage, die Sicherheit der Fahrer für mehr als zehn Runden auf einem Reifensatz zu garantieren. Die Folge war eine Rennverkürzung auf 19 Runden und ein verpflichtender Boxenstopp nach neun oder zehn Umläufen. Ein kurioses Szenario, in dem Marc Marquez und seine Crew die Übersicht verloren und schließlich disqualifiziert wurden. Ein Ausschluss, der dem Repsol-Honda-Piloten am Ende um ein Haar noch die Weltmeisterschaft hätte kosten können. Auch wenn die Disqualifikation natürlich gerechtfertigt war, wäre es ein unwürdiger Abschluss dieser großartigen Saison gewesen, wäre dadurch die Titelentscheidung gefallen.


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