MotoGP - Interview - Hiroshi Yamada

Neue Reifen für CRT- und Werksmaschinen

Hiroshi Yamada, der Bridgestone Motorsport Department Manager, äußerte sich zur Entwicklungsarbeit des japanischen Reifenherstellers.

Motorsport-Magazin.com - In der letzten Saison stand Bridgestone vor der Herausforderung, Reifen zu produzieren, die den Ansprüchen der 1000ccm MotoGP Maschinen gerecht werden und gleichzeitig die Sicherheit der Fahrer verbessern sollten. Sind Sie zufrieden, dass die 2012er Reifen ihr Ziel erreicht haben?
Hiroshi Yamada: Auf jeden Fall. Unser Ziel war es, eine Reifenfamilie zu liefern, die sicherer und für die Fahrer leichter zu verstehen war sowie mit ihrer Leistung den Ansprüchen der neuen Generation von 1000ccm MotoGP Motorrädern gerecht wurde. Basierend auf den empirischen Daten und dem Feedback der Fahrer konnten wir dieses Ziel erreichen, also ja, ich bin sehr zufrieden.

Der Top-Speed, die Beschleunigung und das allgemeine Leistungsniveau der MotoGP-Maschinen verbesserten sich im letzten Jahr durch die zusätzliche Power der 1000ccm Motoren und dazu wurde das Minimalgewicht der Maschine angehoben, was für die Reifen noch schwerere Bedingungen schuf. Trotz dieser Herausforderungen und unserem Wechsel im Entwicklungsfokus, die Reifen sicherer zu machen, war die Leistung unserer 2012er Reifen ausgezeichnet mit neun neuen schnellsten Rennrunden und vielen Rennen, die in ihrer Gesamtzeit schneller gefahren wurden.

Da wir alleiniger Reifenlieferant in der MotoGP sind, bedeutete auch die Einführung der CRT-Maschinen, dass wir einen Reifen entwickeln mussten, der zu den Maschinen mit etwas anderer Kraftentfaltung und Leistung. Diese Herausforderung war besonders wichtig für uns, denn damit wurde unsere MotoGP-Reifenentwicklung wichtiger als je zuvor für unser Straßenrennprogramm. Die letzte Saison war sehr wertvoll dabei zu lernen, wie man einen Reifen entwickelt, der Sicherheit und Performance in einem weiten Bereich an Leistungsbedingungen bringt."

Dennoch müssen wir die Mischungen für diese Saison einigen Entwicklungen unterziehen und werden auch unsere momentanen Gummizusammenstellungen anders nutzen
Hiroshi Yamada

Welchen Entwicklungsweg hat Bridgestone für die 2013er MotoGP Reifen eingeschlagen?
Hiroshi Yamada: Wir werden weiterhin die gleichen Basis-Spezifikationen für unsere 2013er Reifen verwenden. Die Konstruktion der 2012er Reifen erhielt eine gute Bewertung von den Fahrern und es macht Sinn für Fahrer, Teams und Hersteller, auch in dieser Saison unter den gleichen Bedingungen zu arbeiten.

Dennoch müssen wir die Mischungen für diese Saison einigen Entwicklungen unterziehen und werden auch unsere momentanen Gummizusammenstellungen anders nutzen. Vielleicht ist die größte Herausforderung in diesem Jahr, dass wir unseren extra-weichen Gummi nutzen müssen, um eine Palette an weichen Hinterradslicks vorrangig für die CRT-Fahrer zu produzieren, um diesen in den Rennen eine passendere Hinterradmischung zu liefern. Wir haben auch die neue harte Mischung weiterentwickelt, die diese Option dichter an die Medium-Mischung heranbringen und den hinteren Slick zu einer angenehmeren Option für die Werksmaschinen machen soll.

Also wird Bridgestone wie im letzten Jahr die gleichen Reifenspezifikationen an alle Fahrer in der Startaufstellung liefern, dazu gibt es in dieser Saison aber noch die aber noch eine zusätzliche Mischung für die CRT- und Werksbikes?
Hiroshi Yamada: Ja, die Konstruktion aller Reifen für die Saison 2013 wir die gleiche bleiben, nur die auswählbaren Mischungen für jede spezifische Maschine wird anders. Für dieses Jahr wird es bis zu drei Hinterradoptionen in jedem Rennen geben, dabei können die CRTs zwischen einer weicheren und einer medium Hinterradoption wählen, während die Werksbikes aus einer medium und einer harten Option wählen können.

Wir glauben, dass es keinen Bedarf gibt, einen spezifischen Reifen für die CRTs zu entwickeln, denn unser Feedback der Fahrer auf diesen Bikes zeigt, dass das Gefühl und das Handling der Reifen ausgezeichnet ist. Dennoch hatten wir ein paar CRT-Fahrer, die um eine weichere Hinterradoption baten, also werden wir unsere weiche Gummimischung nutzen, um einen hinteren Slick herzustellen, der besser zu den etwas weniger kraftvollen Maschinen passt.

Diese Entscheidung wurde auch von den Datenaufzeichnungen des letzten Jahres gerechtfertigt, denn sie zeigten, dass die CRT-Fahrer die härtere Hinterradoption sehr selten im Rennen nutzten, also war nach einem Gespräch mit der Dorna und der FIM klar, dass es die logischste Lösung war, eine separate Reifenwahl für die Werks- und die CRT-Bikes bereitzustellen.

Für 2013 stehen den Piloten noch mehr Mischungen zur Verfügung - Foto: Milagro

Gibt es in der Reifenlieferung weitere Änderungen für die MotoGP 2013?
Hiroshi Yamada: Aus der Entwicklungsperspektive wird es keine weiteren Änderungen geben, dennoch werden Front- und Hinterradverteilung überarbeitet, um den Fahrern eine größere Flexibilität zu liefern, wenn diese ihre Reifen für das Rennwochenende aussuchen.

Als Antwort auf die steigenden Trainings- und Qualifikationsminuten in dieser Saison wird jeder Fahrer einen zusätzlichen Hinterreifen zugeteilt bekommen, was die Gesamtzahl pro Fahrer auf elf Hinterreifen erhöht. Auch in der Verteilung der Vorderreifen wurde mit einer extra weichen Font-Option eine kleine Änderung vorgenommen, die zwar auch zuvor schon ausgesucht werden konnte, aber nicht verwendet wurde. Damit wird en Fahrern neben den regulären weichen und harten Optionen für jedes Rennen nun auch eine größere Anzahl an Vorderreifen geboten.

Diese Überarbeitung der Lieferung an Vorderreifen wurde nach dem folgenden Feedback einiger Fahrer aus dem letzten Jahr vorgenommen - sie sind sehr glücklich mit unserer aktuellen Generation der Vorderrad-Slicks, aber wollen die Möglichkeit, aus einer größeren Anzahl von Reifen zu wählen, die etwas besser zu ihren Renneinstellungen passen.

Was erwarten Sie persönlich von der kommenden Saison?
Hiroshi Yamada: Es gibt so Vieles in dieser Saison, worauf man sich freuen kann! Wir haben talentierte Fahrer, die in die MotoGP kommen und viele etablierte Stars, die das Team wechselten. Jorge wird seinen Titel verteidigen wollen, aber Dani hat schon in der letzten Saison gezeigt, dass er schwer zu schlagen ist, während Valentino zu einem Team zurückgeht, mit dem er schon zwei WM-Titel gewinnen konnte. Ducati hat ebenso ein extrem starkes Team mit vier ausgezeichneten Fahrern zusammengestellt, also erwarte ich einige fantastische Rennen in diesem Jahr.

Natürlich werden die Fans mit Interesse beobachten, wie sich die CR Teams in ihrer zweiten Saison entwickeln. Letztes Jahr hatten wir neue Bikes, Teams und Fahrer zum ersten Mal beisammen und mit einem Jahr Erfahrung sollten diese Teams nun beginnen, ihr wahres Potential zu zeigen. Auch das neue Trainings- und Qualifikationsformat sollte ein gute Konkurrenz der Fahrer in diesen Sessions schaffen, also denke ich, dass die MotoGP-Fans sich auf eine spannende Saison vorbereiten sollten.


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