Mehr Rallyes - Jännerrallye: Kopecky führt vor Baumschlager

Blankes Eis sorgt für blankes Entsetzen

Die Jännerrallye 2013 fordert den Piloten alles ab. Zu Eis und Schnee gesellt sich starker Wind, trotzdem stürmen die Fans die Zuschauerzonen.

Motorsport-Magazin.com - Vom Tourismuswetter war die Region rund um Freistadt heute in der Früh weit entfernt. Aber die Teilnehmer an der 30. Jännerrallye waren auch nicht ins Mühlviertel gekommen, um mit der Seele zu baumeln, sondern um mit ihren Autos an die Grenzen zu gehen. Auf Sonderprüfungen, die so jede Tücke in sich geborgen hatten. "Schnee, Matsch ,schwarzes Eis‘, das so genannt wird, weil es fast unsichtbar ist, und zum Drüberstreuen auch noch Sturmböen bis zu 90 km/h", meldete Rallyeleiter-Stellvertreter Walter Lumetzberger unmittelbar vor dem Start zum ersten Europameisterschaftslauf der Saison 2013. Den Fans ist es egal, sie stürmen die Zuschauerzonen, um die Stars bei der harten Arbeit zu sehen.

Winterliche Verhältnisse im Mühlviertel - Foto: FIA ERC

Auf SP 1 im vereisten Pierbach fand sich Vorjahrssieger Jan Kopecky am besten zurecht. Der Tscheche im Skoda S2000 ließ Bryan Bouffier (Peugeot S2000) und den dreifachen Jännerrallye-Triumphator Vaclav Pech im Mini S2000 knapp hinter sich. Für Österreichs Starter blieb da nicht viel Platz im Vorderfeld, hier überraschte einzig der Mühlviertler David Glachs als Gesamtzehnter und noch vor den heimischen Assen Raimund Baumschlager und Beppo Harrach. Diese schlugen jedoch auf SP 2 bei Liebenau eindrucksvoll zurück. Baumschlager holte sich den SP-Sieg vor Harrach und wieder einem einheimischen Piloten – Ernst Haneder katapultierte sich auf Platz drei und ließ sämtliche Asse der europäischen Rallye-Landschaft hinter sich. Baumschlager, der sich zu Beginn noch über eine falsche Reifenwahl geärgert hatte, ortete plötzlich mehr Grip. "Es ist verrückt, am Morgen war´s ein Horror, jetzt arbeiten die Pneus perfekt."

Es ist noch mehr für uns möglich, doch wir riskieren absolut nichts
Raimund Baumschlager

Den dritten Teilabschnitt der Jännerrallye im völlig vereisten St. Oswald holte sich dann der Tscheche Jaroslav Orsak vor Beppo Harrach. Baumschlager, hinter Jan Cerny auf Platz vier, arbeitete sich jedoch immer näher an den Gesamtführenden Jan Kopecky heran. Momentan beträgt der Rückstand des österreichischen Meisters auf den tschechischen nur noch 2,3 Sekunden. Allerdings liegt auch Vaclav Pech nur vier Zehntelsekunden hinter Baumschlager, der meinte: "Es ist noch mehr für uns möglich, doch wir riskieren absolut nichts." Geheimfavorit Bryan Bouffier, der am zwischenzeitlichen sechsten Platz liegt, brachte die Straßenverhältnisse auf den Punkt. "Einfach irre. Ich bin froh, dass ich erstmal im Ziel bin. Wie ich den zweiten Umlauf am Nachmittag, in dem die drei Sonderprüfungen noch einmal gefahren werden, bewältigen werde, weiß ich noch nicht." Und damit spricht der Franzose das aus, was alle anderen Piloten denken. David Glachs braucht sich darüber den Kopf nicht mehr zu zerbrechen. Er ist nach einem Unfall out.

Nicht mehr im Rennen ist auch Michael Böhm. Der Niederösterreicher, der in der 2WD-Wertung punkten wollte, musste seinen Suzuki 1600 in SP 2 abstellen. "Komisch, der Motor ist aus, Öldruck aber vorhanden. Es dürfte sich um ein Elektronikproblem handeln." In der 2WD-Wertung führt Hermann Neubauer mit 0,8 Sekunden Vorsprung auf Hannes Danzinger.

Blomqvist beim Zahnarzt

Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk gab es für einen Herrn abseits des Rallyesports. Die Geschichte dazu: Weil Stig Blomqvist im Vorfeld der Rallye heftige Zahnschmerzen quälten, wurde er in die Freistädter Praxis von Dr. Udo Gradenegger gebracht und dort kurzerhand von seinem Leiden befreit. Zum Dank dafür und praktisch als schwedische "Revanche für die Furcht auf dem Dentistenstuhl" durfte der Arzt auf dem Beifahrersitz im Auto des Ex-Weltmeisters Platz nehmen und mit dem keineswegs zahnlosen Blomqvist über eine Test-Sonderprüfung rasen. "Ich bin ein absoluter Motorsportfan", strahlte der Arzt nach dem nicht alltäglichen Lohn der Angst. "Das war für mich ein absolut unglaubliches und unvergessliches Erlebnis."

Weit weniger strahlende Gesichter sah man hingegen im Lager von Hermann Gassner. Dem vierfachen deutschen Rallye-Meister und dreifachen Mitropacupsieger wurde nach Überprüfung seines Mitsubishi Evo X durch den Technischen Kommissär die Starterlaubnis verweigert.


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