Formel 1 - Ungarn: 7 Fragen geklärt

Sperren und Rätsel

Der Große Preis von Ungarn stand im Zeichen des Unfalls von Felipe Massa. Nach dem Rennen beherrschten Sperren und Reifenrätsel die Diskussionen.
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1. - Wie geht es Felipe Massa?

Es ist die wichtigste Nachricht des Wochenendes: Felipe Massas Gesundheitszustand ist nach seinem schweren Unfall vom Samstag stabil. Der Brasilianer bekam im Qualifying eine Feder aus der Hinterradaufhängung von Rubens Barrichellos Brawn-Boliden an den Helm und raste danach in die Reifenstapel. Massa wurde mit einem Hubschrauber ins AEK Klinikum in Budapest geflogen und dort operiert. Bei der Operation wurde ihm ein Knochensplitter entfernt. Zusätzlich trug er eine Gehirnerschütterung und eine Wunde an der Stirn davon.

Zur besseren Heilung versetzten die Ärzte Massa in ein künstliches Koma, daraus wurde er am Sonntagvormittag für ein weiteres CT erweckt. Die Untersuchungsergebnisse waren laut Ferrari positiv. Um den Heilprozess zu beschleunigen, wurde er danach erneut für 48 Stunden in ein künstliches Koma versetzt. Über Nacht seien keine Komplikationen aufgetreten. Laut seinem brasilianischen Hausarzt erreicht Massa auf einer Verletzungsskala von 3 bis 15 den Wert 14, wobei 15 der beste Wert ist.

2. - Warum wurde Renault für ein Rennen gesperrt?

Fernando Alonso humpelte mit drei Rädern an die Box zurück. - Foto: Sutton

In Runde 12 kam Fernando Alonso zu seinem ersten Boxenstopp herein. Bereits als er wieder losfuhr, merkten die Mechaniker, dass das rechte Vorderrad nicht korrekt befestigt war. Kurz darauf verlor Alonso zunächst die Radkappe, dann das komplette Rad, das in hohem Bogen durch die Luft segelte - nach dem tödlichen Unfall von Herny Surtees eine Woche zuvor beim F2-Rennen in Brands Hatch sowie dem Unfall von Massa am Samstag kein erwünschter Anblick.

"Bei meinem ersten Stopp gab es Probleme mit der Befestigung des rechten Vorderreifens", so Alonso. "Als ich die Boxengasse verließ, spürte ich Vibrationen. Ich dachte an eine Reifenpanne, doch dann flog das ganze Rad weg." Nach einer Untersuchung und Anhörung aller Beteiligten suspendierten die Rennkommissare des Ungarn GP das Renault Team für ein Rennen. Fernando Alonso wird somit sein Heimrennen in Valencia verpassen.

Aus dem Funkverkehr des Teams und Bildern soll hervorgegangen sein, dass das Team Alonso weiterfahren ließ, obwohl es wusste, dass eine Halterung einer Radmutter nicht korrekt saß. Alonso soll auch nicht gewarnt worden sein, als sich dieser per Funk meldete und vermutete, dass er einen Platten habe. Das Team ließ die Möglichkeit offen, gegen die Strafe in Berufung zu gehen.

3. Warum fiel Vettel aus?

Ich war innen, dann kam sein Auto rein und wir berührten uns. Er fuhr in mein Auto.
Sebastian Vettel

Erst rauchte es verdächtig, dann musste Sebastian Vettel endgültig aufgeben. Als Auslöser für jenen Aufhängungsdefekt, der den Deutschen aus dem Rennen riss, gab er eine Startkollision mit Kimi Räikkönen an. "In der ersten Kurve hatte ich eine Berührung mit Kimi", erklärte Vettel. "Ich war innen, dann kam sein Auto rein und wir berührten uns. Er fuhr in mein Auto."

Vettel hakte die Situation als Rennunfall ab, nannte sie aber als Grund für seinen Ausfall. "An irgendeinem Punkt brach dann die linke Radaufhängung und ich musste das Rennen beenden." Sein Teamchef Christian Horner beurteilte Räikkönens Start als ziemlich aggressiv. "In der ersten Kurve war es ein Rennunfall mit Sebastian, aber auf dem Weg in Kurve 1 ist Kimi ähnlich gefahren wie Mark [Webber] am Nürburgring." Dort erhielt Webber eine Durchfahrtsstrafe.

4. Was untersuchten die Rennkommissare nach dem Rennen?

Neben dem verlorenen Rad von Alonso hatten die Rennkommissare noch mit zwei Fällen zu tun. Nummer 1 war die Startkollision zwischen Räikkönen und Vettel. Die Stewards sahen jedoch keinen Schuldigen, weswegen sie keine Strafe aussprachen. In Fall Nummer 2 griffen die Stewards zu einer Verwarnung: Red Bull wurde für die zu frühe Loslassen von Mark Webber bei dessen Boxenstopp verwarnt. Der Brite wäre beinahe in Räikkönen gefahren. In dieser Saison erhielt Red Bull für ein ähnliches Vergehen bereits eine Geldstrafe.

5. Ist McLaren Mercedes zurück?

Lewis Hamilton durfte endlich wieder jubeln. - Foto: Sutton

Sieg für Lewis Hamilton, und zwar deutlich und unumstritten. Ist das die Rückkehr von McLaren Mercedes in die Weltspitze? "Wenn die Reifen weich sind und die Strecken winkliger, würde ich sagen: ja, das war der Durchbruch, aber wenn die ganz harten Reifen wieder kommen, mag es anders sein", drückte Norbert Haug auf die Euphoriebremse.

In Ungarn war McLaren dennoch das Maß der Dinge. "Sie waren so schnell", betonte Christian Klien. "Auf engen Strecken war der McLaren in diesem Jahr immer schnell", bestätigte Marc Surer. An eine Trendwende glaubt er aber noch nicht so recht. "In diesem Jahr gibt es auf jeder Strecke einen neuen Favoriten. Man darf den Sieg nicht überbewerten. Aber man kann grundsätzlich wohl sagen, dass McLaren zurück ist."

Einen der Gründe nannte Sebastian Vettel: "KERS hat ihnen definitiv einen Vorteil gebracht." Das sah auch Christian Horner so: "Die Kombination aus KERS und Auto war auf dieser Strecke ein großer Vorteil." Haug freute das besonders. "Ich dachte schon, dass wir das schöne Ding gebaut hätten und nie damit gewonnen würde." Trotzdem bleibt Teamchef Martin Whitmarsh vorsichtig: "Unser Auto hat noch Schwächen, wir müssen sicherstellen, dass wir uns auf diese Weise weiterentwickeln."

6. Warum war Brawn so viel langsamer?

Die Kombination aus KERS und Auto war auf dieser Strecke ein großer Vorteil.
Christian Horner

"Bei Brawn herrscht ein bisschen Ratlosigkeit", stellte Surer nach dem Rennen fest. "Wenn Ross Brawn nicht mehr weiter weiß und Jenson Button einen Hilfeschrei aus dem Cockpit funkt, dann liegt ein Problem vor." Erklären können es die Seriensieger der ersten Saisonhälfte nicht. "Für sie ist es das dritte Wochenende in Folge, an dem sie nicht so konkurrenzfähig waren", sagte Horner über den Titelrivalen.

"Ich weiß nicht, woran es gelegen hat, aber wir können sicher nicht das Wetter dafür verantwortlich machen", ließ Jenson Button die Ausreden der letzten beiden Rennwochenenden nicht gelten. "Wir hatten hier zwei verschiedene Updates am Auto, aber die sollten das Auto nicht aus der Balance bringen." Man könne natürlich sagen, dass die anderen Teams schneller und besser geworden seien, das gelte für Red Bull ebenso wie für McLaren, Ferrari und Williams. "Aber unser Auto war nicht so zu fahren wie vor ein paar Rennen."

Button fragte sein Team via Funk, wie das Auto auf einmal so schlecht sein konnte? - Foto: Sutton

Vor allem die Reifen gaben dem Team Rätsel auf. Am Freitag sei man noch schnell gewesen, habe die Reifen verstanden und kein Graining gehabt. Am Sonntag waren Buttons Reifen nach vier Runden komplett zerstört, er hatte an den Hinterreifen Graining ohne Ende. Horner vergleicht das Kräfteverhältnis mit einem Jojo. "Es ist streckenabhängig", so der Red Bull Teamchef. "Sobald wir auf klassische Strecken zurückkommen, werden wir hoffentlich unser Auto wieder ähnlich schnell erleben wie vorher." Denn auch Red Bull konnte in Ungarn nicht an die Leistungen der Vorrennen anknüpfen.

7. - Warum fiel im Qualifying der Zeitenmonitor aus?

Plötzlich waren die Zeitenmonitore schwarz. Fahrer, Teams und Fans tappten im Dunkeln. Wer hatte die Pole? Wer startete im Rennen wo? Martin Whitmarsh bezeichnete den Totalausfall zum Ende des Qualifyings als Desaster, Norbert Haug fand sogar noch drastischere Worte. Das Formula One Management und der offizielle Zeitnehmer LG erklärten den Ausfall so: Der Sensor in der Ziellinie sei wegen eines Kabelschadens defekt gewesen. Es sei allerdings zu keinem Datenverlust gekommen. Nach einigen Minuten des Datendurchsuchens präsentierte die FOM das korrekte Ergebnis - auf Basis des Ersatzsensors.


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