In den letzten Wochen rückten aufgrund des Vertragspokers rund um Oscar Piastri die Nachwuchskader der Formel-1-Teams wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Motorsport-Magazin.com wirft deshalb in einer zweiteiligen Serie einen Blick auf den Talente-Pool auf welchen die F1-Rennställe jeweils zurückgreifen können.

Nachdem Alpine, Red Bull und Ferrari bereits im ersten Part dieses Talente-Überblicks abgehandelt wurden, folgt nun der zweite Teil. Mit welchen Nachwuchshoffnungen können die anderen Teams auf der Suche nach dem nächsten Formel 1 aufwarten?

Mercedes und sein italienisches Formel-4-Wunderkind

Mercedes vertrat in der Vergangenheit im Juniorprogramm eine eher passive Strategie. Während etwa Red Bull auf eine starke Rotation setzte, pickte sich das Mercedes-Förderprogramm nur einzelne Fahrer heraus. Mit George Russell, Pascal Wehrlein und Esteban Ocon schafften es alle bisherigen Mercedes-Junioren in die Königsklasse. Inzwischen stellte Mercedes aber sein Nachwuchsprogramm etwas um, und setzt auch auf Quantität. Mit Frederik Vesti befindet sich nur ein Mercedes-Junior im Unterhaus der Formel 1. Der Däne liefert dort eine passable Rookie-Saison, aber als Supertalent gilt er keineswegs, genauso wie in seinen beiden Formel-3-Jahren.

Das womöglich größte Talent des Mercedes-Juniorteams verbirgt sich ein paar Klassen tiefer in der Formel 4. Der Italiener Andrea Kimi Antonelli dominiert in seiner ersten vollen Formelsaison sowohl die italienische als auch die deutsche Formel-4-Serie nach Belieben. Die Zahlen sprechen für sich: In insgesamt 24 Rennen in den beiden bedeutendsten F4-Meisterschaften sicherte er sich 15 Siege. Bei 16 Qualifying-Sessions, belegte der 15-Jährige 14-mal den ersten Rang.

In der europaweiten Formula Regional ist der Mercedes-Juniorkader mit Paul Aron (P3 in der Meisterschaft) ebenfalls im Titelkampf vertreten. Abgesehen davon befinden sich sämtliche Nachwuchs-Silberpfeile noch in einem sehr frühen Stadium ihrer Karriere: Daniel Guinchard bestreitet mit mäßigem Erfolg seine erste Saison in der britischen Formel 4, Yuanpu Cui, Luna Fluxa und Alex Powell sind noch im Kartsport aktiv.

Mercedes Junior Programme
Andrea Kimi AntonelliF4 IT
Paul AronFREC
Yuanpu CuiKarting OK
Luna FluxaKarting OK Junior
Daniel GuinchardF4 UK
Alex PowellKarting OK
Frederik VestiF2

McLaren: Wie gut ist Ugochukwu

Das McLaren-Juniorprogramm ist hingegen um einiges überschaubarer: Es besteht lediglich aus einem Namen: Ugo Ugochukwu. Der US-Amerikaner ist derzeit alleiniges Mitglied im Nachwuchskader des britischen Traditionsteams und steht erst am Anfang seiner Formel-Laufbahn. 2022 bestreitet er die erste Saison in der britischen Formel 4 und liegt dort mit zwei Rennsiegen und drei Poles nach sechs Rennwochenenden auf der dritten Meisterschafts-Position.

McLaren Junior Programme
Ugo UgochukwuF4 UK

Alfa Romeo/Sauber: Kommt Pourchaire in die Formel 1?

Da die Sauber Academy auch nach der Umbenennung des Formel-1-Teams 2018 ihren ursprünglichen Namen behielt, rangiert die Nachwuchsgilde der Formel-1-Mannschaft aus Hinwil immer noch unter diesem Namen. Bei Sauber wählt man genauso wie bei McLaren seine Talente sorgfältig aus. Derzeit sind nur zwei Fahrer Teil der Academy.

Theo Pourchaire, der 2021 in Monaco als jüngster F2-Sieger überhaupt für Aufsehen sorgte, klopft auch schon an die Tür der Formel 1. Er befindet sich seit letztem Jahr im Gespräch über ein Formel-1-Cockpit, soll aber erst langsam durch Tests an die Königsklasse herangeführt werden. Der ehemalige Formel-4-Champion und F3-Vizemeister belegt im Moment Platz 2 in der Formel 2. Ein Aufstieg in die Formel 1 2023 liegt im Rahmen des Möglichen.

Das weniger prominente Mitglied der Academy ist der Brasilianer Roberto Faria, der in der GB3-Meisterschaft (ehemals britische F3) nur eine eher dürftige Erfolgsbilanz vorweisen kann. Neben seinem Formelkader betreibt Sauber außerdem noch ein Kart-Team mit den Fahrern Gustaw Wisniewski, Tiziano Monza und Miguel Costa.

Sauber Academy
Roberto FariaGB3
Theo PourchaireF2
Sauber Karting Team
Miguel CostaKart
Tiziano MonzaKart
Gustaw WisniewskiKart

Williams: Eine Alternative für Latifi

Unter den Nachwuchsfahrern von Williams sticht vor allem ein Name hervor: Logan Sargeant. Der US-Amerikaner beeindruckt derzeit in seiner Premieren-Saison in der Formel 2. Zwei Rennsiege konnte er schon einfahren - beide davon im Hauptrennen - dazu kommen noch zwei Pole Positionen und mehrere Podien.

Jost Capito prognostizierte dem Junior-Piloten bereits eine Formel-1-Zukunft voraus. Ob diese schon 2023 kommen wird, ist unklar. Das Cockpit neben Alex Albon ist bei Williams noch vakant, es gibt aber noch mehrere Optionen für diesen Startplatz. Jedenfalls wird der US-Amerikaner bei seinem Heim-GP ein Training für Williams bestreiten. Sargeant punktete in den Nachwuchsserien mit seiner sauberen Fahrweises, sowohl in der Formel-3-Saison 2021 als auch bislang in der F2 kassierte er keine einzige Strafe.

Zu den weiteren Piloten im Williams-Nachwuchsprogramm zählen der erfolgsarme F2-Fahrer Roy Nissany als auch W-Series-Meisterin Jamie Chadwick. Die Williams-Junioren runden F3-Pilot Zak O'Sullivan und der britische Formel-4-Fahrer Oliver Gray ab.

Williams Driver Academy
Jamie ChadwickW Series
Oliver GrayBritish F4
Roy NissanyF2
Zak O'SullivanF3
Logan SargeantF2