So richtig mag es für Mercedes in Kanada 2018 noch nicht laufen. Erst musste die Motorausbaustufe verschoben werden, weil es in der Produktion in Brixworth zu Qualitätsproblemen gekommen war, im Training folgte dann die nächste kleine Panne. Weder Lewis Hamilton noch Valtteri Bottas fuhren am Freitag auch nur eine einzige Runde auf dem Hypersoft-Reifen.

Der Grund ist einfach: Als einziges Team orderte Mercedes für den Kanada GP deutlich weniger der Hypersoft-Reifen. Von den insgesamt 13 Reifensätzen, die jedem Piloten pro Wochenende zur Verfügung stehen, können die Teams zehn Sätze frei aus den drei zu Verfügung stehenden Reifenmischungen wählen.

Mercedes: Schon vor Kanada Fehler gemacht

Mercedes orderte bei Pirelli für jeden Fahrer insgesamt nur je fünf Sätze Hypersoft. Ferrari orderte für Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen je acht Sätze, Red Bull für Max Verstappen und Daniel Ricciardo ebenfalls. Entsprechend musste Mercedes am Freitag mit den Hypersoft-Pneus haushalten.

Allerdings nicht freiwillig, wie Niki Lauda gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärte: "Es war ein Fehler. Wir haben im Frühjahr zu wenig Sätze Hypersoft bestellt." Bei Europa-Rennen haben die Teams bis neun Wochen vor dem Event Zeit, um ihre Reifenwahl zu treffen. Bei Übersee-Rennen ist die Deadline allerdings schon 15 Wochen vor dem Event.

Mercedes verzichtete bei den Testfahrten meist auf weichere Reifen, fuhr den Hypersoft gar nicht. Erst vor zwei Wochen in Monaco testete Mercedes dann den Hypersoft ausführlich, als Pirellis weichster Pneu erstmals etatmäßig zum Einsatz kam.

Lauda: Bei Mercedes ab morgen wieder alles normal

"Mit dem, was wir aus Monte Carlo gelernt haben, sind die Sätze zu wenig", gesteht Lauda. "Wir haben einen Satz zu wenig bestellt. Deswegen sind wir heute gar nicht damit gefahren. Aber morgen wird wieder alles normal."

Dass es sich möglicherweise sogar um einen Vorteil handelt, weil Mercedes den Hypersoft im Rennen gar nicht fahren könnte, sollte man auf Ultrasoft das Q2 überstehen, will Lauda nicht gelten lassen. "Ob das geht, kann man erst morgen entscheiden", so der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes Formel-1-Teams.

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Immerhin: An der Motorfront sieht es für den Österreicher nicht allzu schlecht aus: "Auch das werden wir erst final morgen sehen, wenn die Konkurrenz aufdreht. Aber ich hoffe, dass man es gar nicht merken wird. Bei der Standfestigkeit passt bei uns alles und deshalb wollten wir kein Risiko eingehen."

Auf dem Zeitentableau sah es für Mercedes ebenfalls nicht schlecht aus. Lewis Hamilton landete zwar als besserer der beiden Silberpfeil-Piloten mit knapp sechs Zehntel Rückstand auf die Tagesbestzeit von Max Verstappen 'nur' auf Rang vier, Reifen-bereinigt sieht die Welt aber ganz anders aus.

Während Hamilton seine Zeit auf Ultrasoft fuhr, war Verstappens schnellste Runde eine Hypersoft-Runde. "Sie sahen auf dem härteren Reifen schon sehr gut aus", musste auch Red Bulls Daniel Ricciardo zugeben. Der Sprung zwischen Hypersoft und Ultrasoft ist tendenziell größer als der Sprung zwischen anderen Reifenmischungen.