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Formel 1 - Auftaktsieg mit Ferrari = WM-Garantie für Vettel?

Gutes Omen für Super-Seb

In Melbourne war Sebastian Vettel für Ferrari zum 14. Mal in der Teamgeschichte beim Saisonauftakt siegreich. Aber was kam für Schumi, Alonso & Co. danach?
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Motorsport-Magazin.com - Die Erleichterung bei Sebastian Vettel und seiner Ferrari-Crew war groß, als er nach seinem Sieg beim Großen Preis von Australien ins Parc Ferme zurückkehrte. Ganze 553 Tage mussten die Italiener auf diesen Triumph warten und sich bis dahin bei jeder verpassten Chance vor der Weltöffentlichkeit erklären. Jetzt ist der Knoten gleich beim ersten Rennen des Jahres geplatzt - zum 14. Mal in der Geschichte der Formel 1 stand ein Fahrer der Scuderia beim Saisonauftakt ganz oben auf dem Podium. Ein gutes Vorzeichen für Vettel, denn zu 61,41 % holten Michael Schumacher & Co. den WM-Titel in der Folge nach Maranello.

Acht erfüllte Titelträume für Ferrari

1952 - Alberto Ascari

Ascari gewann 1952 zwar nicht die Saisoneröffnung, holte aber dennoch den WM-Titel - Foto: Sutton

Die dritte Saison in der Geschichte der Königsklasse begann mit einem Sieg von Ferrari beim Großen Preis der Schweiz - und das obwohl Maranellos Speerspitze Alberto Ascari gar nicht am Start war: Er weilte für die 500 Meilen von Indianapolis in den USA. Stattdessen traten Giuseppe Farina, Piero Taruffi und André Simon für die Italiener an - und Taruffi war es, der beim Saisonauftakt auf der Bremgarten-Rundstrecke für Ferrari triumphierte. Die Scuderia dominierte daraufhin das Jahr 1952 und belegte am Ende in der Weltmeisterschaft die ersten drei Plätze. Weltmeister wurde jedoch nicht Taruffi, sondern Ascari, der ab dem zweiten Saisonrennen wieder ins Lenkrad griff und mit sechs Siegen ungefährdet zum Titel fuhr.

1953 - Alberto Ascari

Alberto Ascari fuhr 1953 beim Auftakrennen in Argentinien einen tragischen Sieg ein - Foto: Sutton

Ein Jahr später begann die Formel-1-Saison mit dem ersten Überseerennen in der Geschichte des Sports. Bei kostenlosem Eintritt versammelten sich geschätzte 500.000 Zuschauer entlang der Rennstrecke in Buenos Aires, um dem Großen Preis von Argentinien beizuwohnen. Weltmeister Ascari fuhr im Ferrari von der Pole Position einen ungefährdeten Sieg vor Teamkollege Luigi Villoresi ein. Überschattet wurde das Rennen vom Unfall Giuseppe Farinas im dritten Werks-Ferrari, der die Kontrolle über seinen Boliden verlor und dabei laut offiziellen Angaben mindestens zehn Menschen tödlich verletzte. Sportlich war das Jahr 1953 für Ferrari dennoch ein Erfolg: Ascari gewann nach vier weiteren Triumphen erneut die Weltmeisterschaft.

1956 - Juan Manuel Fangio

Juan Manuel Fangio teilte sich den Auftaktsieg 1956 mit seinem Teamkollegen Luigi Musso - Foto: Sutton

Nachdem Juan Manuel Fangio zwei Jahre lang mit Maserati und Mercedes die Formel 1 dominiert hatte, ging er nach dem Rücktritt des deutschen Automobilherstellers in der Saison 1956 für Ferrari an den Start. Gleich beim Start für die Scuderia war 'il Maestro' in seiner Heimat beim Großen Preis von Argentinien siegreich - allerdings unter ungewöhnlichen Umständen: Nachdem Fangio in Runde 22 mit einer defekten Benzinzufuhr stehengeblieben war, übernahm er auf Anordnung des Teams das Auto seines Teamkollegen Luigi Musso, so dass der Sieg beiden Piloten zugeordnet wurde. Im weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft gewann Fangio zwei weitere Rennen und krönte sich am Ende vor Stirling Moss im Maserati zum Weltmeister.

2000 - 2002, 2004 - Michael Schumacher

Michael Schumacher leitete vier WM-Titel mit Auftaktsiegen in Australien ein - Foto: Sutton

Ferrari erlebte zwischen 2000 und 2004 seine erfolgreichste Ära in der Formel 1. Schon in den Jahren 1997 bis 1999 kämpfte das Team jeweils um die Weltmeisterschaft, doch der große Erfolg blieb der Truppe rund um Teamchef Jean Todt, Design-Genie Rory Byrne, Chef-Stratege Ross Brawn sowie den Fahrern Michael Schumacher und Eddie Irvine zunächst verwehrt. Erst nachdem Schumacher in der Saison 2000 den Auftakt in Melbourne gewann, holte er nach acht weiteren Siegen endlich auch den Weltmeistertitel für die Scuderia. In den vier darauffolgenden Jahren sollte die WM jedes Mal nach Maranello gehen - und sowohl 2001 als auch 2002 und 2004 legte Schumacher mit einem Triumph beim Auftaktrennen in Australien den Grundstein für den späteren Erfolg.

2007 - Kimi Räikkönen

Räikkönen legte mit dem Sieg beim Australien-GP den Grundstein für seinen WM-Titel - Foto: Sutton

Das letzte Mal, dass Ferrari ein Triumph beim Saisonauftakt den Weg zur Weltmeisterschaft ebnete, datiert auf das Jahr 2007 zurück. Kimi Räikkönen war es, der bei seinem Einstand für den italienischen Traditionsrennstall gleich die oberste Stufe des Podiums stürmte. Der Iceman lieferte sich in der Folge mit dem McLaren-Mercedes-Duo Fernando Alonso und Lewis Hamilton sowie seinem Teamkollegen Felipe Massa einen Kampf um die WM-Krone. Noch fünf Mal war er im Saisonverlauf siegreich und ging daraufhin nach dem Showdown in Interlagos überraschend als Weltmeister hervor.

Fünf Mal 'leider nein'

1971 - Mario Andretti

Mario Andretti gewann 1971 für Ferrari beim Auftaktrennen in Kyalami - Foto: Sutton

Acht Mal konnte Ferrari nach einem Sieg beim Eröffnungsrennen einer Formel-1-Saison also auch die Fahrerweltmeisterschaft gewinnen. Doch beinahe genauso häufig wurde es am Ende nichts mit dem WM-Titel für die Automarke mit dem weltbekannten Cavallino Rampante. Zunächst war es Mario Andretti, der 1971 im Ferrari 312B den Saisonauftakt im südafrikanischen Kyalami triumphierte. Zwar gewann Jackie Ickx in Zandvoort noch ein weiteres Rennen für das Team, doch für den Kampf um die WM waren die Autos zu langsam und zu unzuverlässig. Jackie Stewart fuhr im Tyrrell Ford dominant zum Titel, während Ickx als bester Ferrari-Pilot mit 43 Zählern Rückstand nur Vierter wurde.

1976 - Niki Lauda

Ferrari und Niki Lauda gingen 1976 als Titelfavoriten in die Saison - Foto: Sutton

Ferrari ging als amtierendes Weltmeister-Team mit Speerspitze Niki Lauda ganz klar als Favorit in die Saison 1976 - und erfüllte die Erwartungen vom ersten Saisonrennen an. Lauda gewann den Auftakt in Interlagos und bis zum Sommer vier weitere Rennen. Beim Großen Preis von Deutschland hatte er jedoch seinen fatalen Feuerunfall, bei dem er nur um ein Haar dem Tod von der Schippe sprang. Zwar ließ der Österreicher nur zwei Grands Prix aus, doch McLaren-Pilot James Hunt nutzte seine Abwesenheit, um die Lücke in der WM zu schließen. Lauda ging dennoch mit Titelchancen ins WM-Finale in Japan. Angesichts des dort herrschenden monsunartigen Regens zog er es jedoch vor, keinen weiteren schweren Unfall zu riskieren und sein Rennen aufzugeben. Die Konsequenz war, dass er den WM-Titel um nur einen Punkt verpasste.

1989 - Nigel Mansell

Beim Saisonauftakt 1989 in Brasilien gewann Nigel Mansell entgegen seiner eigenen Erwartungen - Foto: Sutton

Zur Saison 1989 hatte sich Ferrari mit Großbritanniens Star-Fahrer Nigel Mansell zusammengetan, um gegen die McLaren-Honda-Übermacht mit Ayrton Senna und Alain Prost zu kämpfen. Bei den Testfahrten erwies sich der Ferrari 640 jedoch als äußerst unzuverlässig. Mansell qualifizierte sich für den Saisonauftakt in Rio de Janeiro als Sechster und scherzte, dass er wegen der geringen Aussichten auf eine Zielankunft einen frühen Heimflug gebucht hatte. Entgegen aller Erwartungen gelang dem Briten beim ersten Auftritt für die Roten jedoch ein überraschender Sieg. Im weiteren Saisonverlauf bestätigten sich jedoch die Befürchtungen des Teams. Der Bolide war schnell, sah jedoch nur selten die Zielflagge. Sowohl Mansell als auch sein Teamkollege Gerhard Berger gewannen noch jeweils einen Grand Prix, doch in der Weltmeisterschaft fehlten dem viertplatzierten Mansell 38 Punkte auf Weltmeister Prost.

1999 - Eddie Irvine

Eddie Irvine durfte sich beim Saisonauftakt 1999 in Melbourne über einen unerwarteten Sieg freuen - Foto: Sutton

Zehn Jahre sollte es danach dauern, bis die Scuderia beim ersten Saisonrennen erneut zuschlug. Eddie Irvine war es, der 1999 für Ferrari beim Großen Preis von Australien im Albert Park siegreich war. Der Ire profitierte dabei von den technischen Problemen bei Teamkollege Michael Schumacher sowie dem McLaren-Mercedes-Duo Mika Häkkinen und David Coulthard, bekam später in der Saison nach Schumachers Beinbruch in Silverstone von Ferrari jedoch die Rolle als Speerspitze im WM-Kampf zugeschustert. Irvine gewann unter anderem mit Hilfe von Schumacher-Ersatz Mika Salo noch drei weitere Rennen, verlor jedoch beim WM-Finale in Suzuka den Titelkampf gegen Häkkinen.

2010 - Fernando Alonso

Fernando Alonso gewann 2010 in Bahrain gleich beim ersten Auftritt für Ferrari - Foto: Sutton

Wie Räikkönen wenige Jahre zuvor, konnte auch Fernando Alonso bei seinem Einstand für Ferrari gleich das erste Rennen gewinnen. Beim Saisonauftakt 2010 in Bahrain siegte der Spanier vor seinem Teamkollegen Felipe Massa. Im weiteren Saisonverlauf stellte sich jedoch heraus, dass der Ferrari F10 der Konkurrenz von Red Bull und McLaren unterlegen war. Das Team zog alle Register, inklusive Stallorder, um Alonso im WM-Kampf zu halten. Nach einer starken zweiten Saisonhälfte reiste Alonso als WM-Führender zum Finale nach Abu Dhabi. Dort vergeigte Ferrari jedoch die Strategie, als die Boxenmauer sich bei Alonsos Taktik lediglich auf Mark Webber, nicht aber auf Sebastian Vettel konzentrierte. Die Scuderia verschenkte den WM-Titel somit auf den letzten Metern des Jahres an Red Bull.


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