Formel 1 - Longrun-Analyse: Vorteil Vettel

Der weiche Reifen hält

Mercedes dominierte den Trainings-Freitag in Ungarn. Dahinter witterte Sebastian Vettel seine Chance, doch noch warnt der Champion vor zu hohen Erwartungen.
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Motorsport-Magazin.com - Mercedes und dann lange nichts. Am Hungaroring in Budapest bot sich am Freitag das gewohnte Bild. Sechs Zehntel betrug der Vorsprung von Lewis Hamilton im 1. Training auf den ersten Nicht-Mercedes, im 2. Training wurde dieser Abstand sogar noch um ein paar Tausendstel größer. Doch wie sah das Kräfteverhältnis auf den Longruns aus? Motorsport-Magazin.com mit einer Analyse.

Starker Freitag für Vettel

Den besten Vergleich kann man im 2. Training führen. In der zweiten Hälfte dieser Session waren alle Spitzenpiloten zum mehr oder weniger selben Zeitpunkt auf Soft-Reifen auf der Strecke. Die Frage nach dem ersten Mercedes-Verfolger scheint eindeutig geklärt: Sebastian Vettel. Zwar weiß man nie, mit wieviel Sprit alle Piloten tatsächlich unterwegs waren, doch Vettels Zeiten auf dem 17 Runden langen Outing (das längste des Tages) beeindruckte.

Zwar fehlten dem Weltmeister stets zwei bis sechs Zehntelsekunden auf die Mercedes-Zeiten, aber Vettel war dennoch deutlich schneller als der Rest des Feldes. Er fuhr konstant unter 1:30 und zeigte damit auch auf, dass der Soft-Reifen (an diesem Wochenende die weichere der beiden Auswahlen) auvh bei über 50 Grad Streckentemperatur ohne Probleme 17 Runden am Stück durchhält. In der letzten Runde seines Longruns war er nur vier Zehntel langsamer als in der ersten und nicht einmal sechs Zehntel langsamer als in seiner schnellsten Runde dieses Stints - und da hatte dieser Pirelli bereits 20 Runden auf dem Buckel.

Wo liegt Williams?

Williams war zuletzt erster Verfolger von Mercedes und schaffte es dank Valtteri Bottas dreimal in Folge auf das Podium. Vor dem Ungarn-Wochenende hatte man beim britischen Rennstall aber Bedenken. Die Strecken-Charakteristik des Hungarorings mit seinen vielen langsamen Kurven und kaum Geraden sei nicht unbedingt der beste Boden für Williams, so die Befürchtung.

Ein Longrun-Vergleich im 2. Training war nur mit Bottas möglich, da Felipe Massa nie mehr als fünf fliegende Runden am Stück fahren konnte. Bottas bekam gegen Mitte der Session über Funk die Anweisung den Reifen (Soft) "tot zu fahren", also bis zum völligen Leistungsabfall auszureizen. Daraus resultierte ein Longrun über 15 Runden gefolgt von einem Sprint über fünf schnelle Runden, in denen Bottas seine Rundenzeit sogar dreimal unter 1:30 drücken konnte.

Bottas' Longrun zeigte, dass sich die Befürchtungen von Williams bestätigen dürften, allerdings keinesfalls in einem besorgniserregenden Maß. So konnte Bottas etwa Daniel Ricciardo im Zeiten-Vergleich die Stirn bieten. Allerdings war Vettel deutlich und Kevin Magnussen etwas schneller unterwegs als Bottas. Mit 15 Runden lieferte der Finne aber den zweitlängsten Stint der Topfahrer ab.

Fazit

Die Williams stehen bislang nur auf den Plätzen acht und zehn, aber ich bin sehr skeptisch, was ihre Position betrifft.
Sebastian Vettel

Mercedes gibt auch in Ungarn den Ton an. Dahinter dürfte Sebastian Vettel die besten Karten auf den freien Podestplatz haben. Da es an diesem Wochenende aufgrund der Streckencharakteristik weniger auf die Kraft der Power Units ankommt, ist Red Bulls Nachteil geringer und der Vorteil der Mercedes-Teams, wie etwa Williams, geringer. Vettel wollte den Tag allerdings nicht vor dem Abend loben: "Die Williams stehen bislang nur auf den Plätzen acht und zehn, aber ich bin sehr skeptisch, was ihre Position betrifft. Wir haben bei den letzten drei Rennen gesehen, zu was sie in der Lage sind, und das erwarte ich auch hier wieder."

Interessant könnte der strategische Part des Rennens am Sonntag werden, da der Soft-Reifen hier am Freitag gut funktionierte und auch bis zu 24 Runden (Spitzenwert von Vettel) aushielt, ohne merklich abzubauen. "Der weiche Reifen ist schneller und nutzt sich nicht ab. Der Medium wird erst nach vielen, vielen Runden auf dem Niveau des Soft ankommen", analysierte Pirelli-Sportchef Paul Hembery. "Wir rechnen mit zwei Stopps. Aber es könnten einige Piloten sogar eine Einstopp-Strategie wagen."


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