Formel 1 - Die Fahreranalyse

Ein Oldie in Topform

Beim Großen Preis von Großbritannien gab es einen Sieger, den man erwarten konnte. Die Highlights aber setzten andere.
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Motorsport-Magazin.com - Lewis Hamilton: Eine zentnerschwere Last muss Lewis Hamilton beim Heimspiel von den Schultern gefallen sein. Er holte sich den Heimsieg dank einer starken Anfangsphase und dem Ausfall von Nico Rosberg. Hätte es aus eigener Kraft gereicht? Schwer zu sagen. Die Ein-Stopp-Strategie war definitiv besser, doch Rosberg hatte einen nicht unerheblichen Vorsprung und Hamilton hätte das halbe Rennen auf hart durchfahren müssen. So blieb es Hamilton verwehrt, den Sieg auf der Strecke herauszufahren.

Note: 1-

Valtteri Bottas: Von Platz 14 auf Rang 2 nach vorne gefahren, dabei zwei McLaren außen überholt - Valtteri Bottas war elektrisiert und fuhr das Rennen seiner Karriere. Wir sind begeistert von dieser außerordentlichen Leistung - der Finne macht sich einen Namen und ist endgültig bei den Topfahrern angekommen. Dass er schnell ist, war bekannt, es fehlte einfach ein Highlight. Das hat er hiermit gesetzt.

Note: 1

Valtteri Bottas war der Mann des Rennens - Foto: Sutton

Daniel Ricciardo: Der Australier landete in der Endabrechnung wieder vor Sebastian Vettel. Nicht das erste Mal in dieser Saison schlug er den Teamkollegen dank einer besseren Strategie. Einen kleinen Abzug müssen wir machen, da Ricciardo zu Beginn des Rennens nicht an Nico Hülkenberg vorbeikam und dabei Bottas und Alonso ziehen lassen musste - die Strategie brachte ihm zumindest einen Platz wieder ein. Am Ende ließ er sich von Button nicht nervös machen und holte wieder einen Podiumsplatz.

Note: 2+

Jenson Button: Ja, der Oldie hat's noch drauf! Jenson Button zeigte eine fantastische Leistung in seinem 256. Grand Prix und verpasste mit seinem speziellen Trauer-Helm das Podium nur um 0,8 Sekunden. Hätte ihn McLaren doch nur früher zum Boxenstopp reingeholt...Hinterher ist man natürlich immer schlauer. Button jedenfalls verwies Kevin Magnussen heute deutlich in die Schranken und ließ seine frühere Brillanz noch einmal durchschimmern.

Note: 1-

Wheel-to-Wheel-Racing: Die Champions zeigten, wie man kämpft - Foto: Sutton

Sebastian Vettel: Man kann natürlich schnell anfangen, den vierfachen Weltmeister als kleines, jammerndes Kind hinzustellen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass während eines solchen Zweikampfes unheimlich viel Adrenalin im Spiel ist - doch erst dank des Teamradios wissen wir heute, was teilweise in den Funk geschrien wird. Wir nehmen dieses fantastische Duell und ein irres Überholmanöver mit - so kämpfen wahre Champions! Lediglich die Strategie war für die Mülltonne, eine Folge des katastrophalen Starts. Sonst hätte er Alonso gar nicht erst gesehen. Schlecht für ihn, gut für den Fan echten Racings.

Note: 2

Fernando Alonso: Auch der Spanier ist nach dieser Aufholjagd zu beglückwünschen. Mit sauberen Überholmanövern fuhr er sich in der Anfangsphase nach vorne - insbesondere das Manöver gegen Daniel Ricciardo war erste Sahne. Im Kampf mit Sebastian Vettel zeigte auch der Spanier viel Übersicht - andere Kandidaten hätten sich bei diesem Kampf die Autos zu Kernschrott gefahren. Letztlich musste er Vettel doch ziehen lassen; zu den Funkkommentaren verweisen wir hier auf die Vettel-Analyse oben. Im Fahrerlager konnten beide direkt nach dem Rennen schon wieder über ihr Boxenfunk-Duell lachen - so muss es sein.

Note: 1-

Kevin Magnussen: Angesichts der Position von Jenaon Button muss man sagen: Da war mehr drin für K-Mag. Während Jenson Button am Podium schnupperte, blieb Magnussen nicht mehr als Platz sieben. Auf den Option-Reifen hatte er nicht das Tempo seines Teamkollegen, als die harten Reifen dann drauf kamen, war es bereits zu spät.

Note: 3

Jenson Button beeindruckte bei seinem Heimspiel - Foto: Sutton

Nico Hülkenberg: Der starke vierte Startplatz war nicht zu halten, dafür fehlte Force India einfach der Speed. Nicht einmal die Ein-Stopp-Strategie brachte ihn weiter nach vorn, so dass am Ende nur vier Punkte für Rang acht heraussprangen. Besser als nichts, Hülkenberg machte das Beste aus seinen Möglichkeiten, hielt Daniel Ricciardo dank Mercedes-Power auf Distanz, mehr war einfach nicht drin.

Note: 2-

Daniil Kvyat: Nach drei Ausfällen in Folge gab es endlich wieder Punkte für den jungen Russen. Als Neunter nimmt er zwei Zähler aus einem Rennen mit, das dem traditionell auf wenig Abtrieb getrimmten Toro Rosso eigentlich wenig entgegen kommt. Ein Highlight hätte er setzen können, wenn er Hülkenberg am Ende noch überholt hätte, doch die Chance blieb ihm verwehrt.

Note: 2-

Jean-Eric Vergne: Startplatz zehn, Endrang zehn - doch das Rennen von Jean-Eric Vergne war spektakulärer als sich die nüchternen Zahlen lesen. Nach einer Kollision in der ersten Kurve mit Sergio Perez fiel er ans Ende des Feldes zurück, machte aber im Räikkönen-Chaos wieder etwas gut. Am Ende kämpfte er sich mit dem für diese Strecke ungeeigneten Toro Rosso bis auf Rang zehn wieder nach vorne - eine ordentliche Leistung.

Note: 2

Daniil Kvyat landete nach drei Ausfällen in Folge wieder in den Punkterängen - Foto: Sutton

Sergio Perez: Der Kontakt mit Vergne, der als Rennunfall gewertet wurde, warf auch den Mexikaner ans Ende des Feldes zurück. Von dort aus gab es nicht mehr viel zu reparieren, da Force India der Speed fehlte. Die Aufholjagd brachte ihm keine Punkte mehr ein.

Note: 3

Romain Grosjean: Auf Rang elf gestartet, auf Platz zwölf ins Ziel gekommen, das macht in Anbetracht des Ausfalls von Nico Rosberg einen Nettoverlust von zwei Plätzen. Damit kann man nicht zufrieden sein. Lotus hatte schlicht und einfach nicht die Pace und Grosjean hat auch schön stärkere Leistungen als diese gezeigt. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass er sich auf dem Fahrermarkt anbieten will, war dies eine eher schwache Leistung.

Note: 3-

Adrian Sutil: Wieder keine Punkte für Sauber - diesmal waren es die harten Reifen, die Adrian Sutil zum Verhängnis wurden. Zwischenzeitlich schnupperte er auch dank einer Ein-Stopp-Strategie an den Punkterängen, fiel dann aber doch auf dem Prime-Reifen auf Rang 13 zurück. Ein zwischenzeitlich vermutetes Bremsproblem bewahrheitete sich nicht.

Note: 4

Jules Bianchi: Die schöne Startposition konnte Bianchi nicht halten. Ja, es ist noch immer wirklich schwierig, in einem Marussia Highlights zu setzen. Das Team von John Booth landete hart auf dem Boden der Tatsachen. Bianchi musste einen Kontrahenten nach dem anderen durchlassen und konnte nur von Ausfällen profitieren. Ihm ist das sicher nicht anzulasten, dennoch ist es erstaunlich, wie schnell es für ihn zurückging.

Esteban Gutierrez und Pastor Maldonado fanden sich wieder - Foto: Sutton

Note: 3

Kamui Kobyashi: Unauffälliger Auftritt in einem nicht konkurrenzfähigen Auto. Ja, Kamui Kobayashi hat in der Formel 1 schon bessere Zeiten gesehen als diese. Selbst sein Teamkollege Marcus Ericsson fuhr zwischenzeitlich vor ihm. Am Ende wurde es Platz 15.

Note: 4

Max Chilton: Wenn man schon mit einer Runde Rückstand in das Rennen reinstartet, geht natürlich nichts mehr. Trotzdem war es ein dicker Fehler Chiltons, bei rot an die Box zu kommen. Ein guter Fahrer sollte die Regeln kennen und darf sich nicht so einen Fauxpas leisten. Zyniker mögen sagen, dass es an seiner Position sowieso nicht geändert hätte, dabei waren die Rundenzeiten gar nicht mal so schlecht, was ihm noch eine Notenstufe einbringt.

Note: 5

Pastor Maldonado: Dass er nach dem Rammstoß von Gutierrez überhaupt noch fahren konnte war bereits ein kleines Wunder und spricht für die Haltbarkeit des Lotus. Wie auch Grosjean konnte er mit dem E22 nichts reißen, das Auto war einfach viel zu langsam. Dazu kamen noch die Aufhängungsprobleme und am Ende der technisch bedingte Ausfall. Schlecht ist Maldonado sicher nicht gefahren, in Szene setzen konnte er sich aber nicht.

Note: 4+

Felipe Massa gab alles, um das Rennen noch fortzusetzen - Foto: Sutton

Nico Rosberg: Der tragische Held des Rennens. In der Anfangsphase hatte er Hamilton klar im Griff, dann fing der Abstand an, einzubrechen. Von außen ist es schwer zu sagen, wann genau die Probleme angefangen haben. Die Nullrunde tut weh, viel dafür konnte nicht. Die Leistung war gut, glänzen konnte er in diesem Rennen einfach nicht, da er erst vorne lag und dann Probleme hatte.

Note: 2

Marcus Ericsson: Der Schwede musste frühzeitig wegen eines Aufhängungsschadens Feierabend machen. Er beschädigte sich die Aufhängung durch einen Fahrfehler, der ihn aus dem Rennen riss. Ein bisschen Pech war es sicher auch, wenn man sich ansieht, dass Maldonado nach einer Flugeinlage weiterfahren konnte. Bis dahin setzte er sich gut in Szene und fuhr dank eines starken Starts vor Teamkollege Kobayashi.

Note: 4-

Esteban Gutierrez: Wieder einmal ist außer Spesen nichts gewesen. Esteban Gutierrez fand seinen Lieblingsgegner Pastor Maldonado wieder und fuhr ihm ins Auto. Maldonado zog bei einem eigenen Angriff nach innen rein, Gutierrez aber bremste zu spät und bolzte den Venezolaner von der Strecke. Die Revanche für Bahrain gelang nicht ganz, weil der Lotus die Rolle verweigerte, sein eigenes Rennen hat er damit aber besiegelt.

Note: 5

Räikkönen kam mit leichten Blessuren davon, doch es war ein übler Fehler - Foto: Sutton

Felipe Massa: Wir verleihen Felipe Massa gleich zwei Awards: Erstens für die Vermeidung eines Horrorcrashs, und zum zweiten für seine Kämpferqualität: Nicht wenige hätte die Courage gehabt, nach diesem Crash das zerstörte Auto noch in die Startaufstellung zu schleppen in der Hoffnung weiterfahren zu können. Leider war es umsonst - das Auto war zu schwer beschädigt. Natürlich ist seine Rennleistung nicht zu bewerten, aber für uns ist er Mann des Tages.

Note: -

Kimi Räikkönen: Krasser Fehler oder einfach Pech? Die Meinungen über Räikkönens Unfall gehen auseinander. Fakt ist aber, dass Kimi Räikkönen mit seiner Rückkehr über den Rasen gegen eine Richtlinie verstoßen hat, die in der Fahrerbesprechung kommuniziert wurde. Der Grund dafür ist offensichtlich: So konnte er in der Auslaufzone voll auf dem Gas stehen bleiben, andernfalls hätte er lupfen müssen. So hat er die Sicherheit der anderen Piloten seinem eigenen Vorteil untergeordnet. Gewiss ist es mit ein wahrlich heftiger Effekt für ein vergleichsweise geringes Vergehen, trotzdem bleibt festzuhalten: Räikkönen ist selbst Schuld und hat sich und andere Fahrer durch Missachtung der Order in Gefahr gebracht. Natürlich gehen die Genesungswünsche der gesamten Redaktion an ihn.

Note: 6


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