Formel 1 - Großbritannien GP - Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Silverstone...

...hoffen Ferrari und Williams auf ein spektakuläres Rennen und Hamilton auf eine erneute Aufholjagd. Nur Rosberg wünscht sich ein stinknormales Rennen.
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1. S - wie Startaufstellung

Die Zutaten für eine bunt gemischte Startaufstellung sind in Silverstone schnell gefunden: Es genügen ein paar Regentropfen, die man zufällig über einen Zeitraum von 60 Minuten über der Strecke verteilt. Nun gut, Nico Rosberg auf der Pole Position, das ist nun wirklich keine Überraschung. Lewis Hamilton auf Platz sechs, Jules Bianchi als Zwölfter und die gescheiterten Williams und Ferrari im letzten Drittel des Feldes, damit hätte vor dem Zeittraining wohl niemand gerechnet.

Die Startaufstellung verspricht Spannung. - Foto: Sutton

"Für mich ist die größte Überraschung, dass Fernando Alonso so weit hinten steht. Das ist eine echte Überraschung. Damit hatte keiner gerechnet", sagte selbst der dreifache Champion Jackie Stewart. Was am Samstag entscheidend war, fasste Niki Lauda kurz und bündig zusammen: "Kämpfen bis zur letzten Kurve. Dann geht es sich aus. Man musste viel riskieren. Aber der Tüchtige hat eben das Glück."

2. S - wie Start

Beim letzten Grand Prix in Österreich zeigte Lewis Hamilton, wie man richtig startet. In der ersten Runde fuhr er vom neunten auf den vierten Rang nach vorne. Da sollte doch der Start vom sechsten Platz, noch dazu beim Heimspiel, kein Problem darstellen? Für Hamilton wird sich jedenfalls schon auf den ersten Metern entscheiden, ob er seinen Teamkollegen Nico Rosberg auf dem Weg zum Sieg aufhalten kann. "Es wird ihn einige Zeit kosten nach vorne zu kommen, auch wenn ich glaube, dass ihm das gelingen wird", sagt Rosberg.

Besonders interessant dürfte es auch im Mittelfeld werden. Schon auf den ersten Metern sollten Alonso, Massa oder Bottas nach vorne drücken, während Grosjean, Bianchi oder Sutil sich wohl eher nach hinten orientieren müssen. Hinzu kommt, dass es zunächst durch eine schnelle Kurve und direkt danach in zwei enge Ecken geht. Hier ist Ärger schon fast vorprogrammiert.

3. S - wie Strecke

Die Strecke trocknet sehr schnell ab.
Nico Hülkenberg

Es gibt nur wenige Strecken, die auf eine so lange Historie zurückblicken können wie der Silverstone Circuit. Im 'Home of British Motorracing' fand 1950 auch der erste Lauf der Formel 1 überhaupt statt. Seitdem hat sich die Streckenführung zwar stark verändert, die grundsätzliche Charakteristik ist allerdings geblieben. Maggots, Becketts und Chapel sind wohl die berühmtesten Kurven der Welt. Ultraschnell geht es aber auch in Copse oder Stowe zu, dazwischen erlauben längere Geraden wie die Hangar-Straight spannende Windschatten-Duelle.

Dank zweier DRS-Zonen, langen Geraden und auch einiger enger Kurven kann man in Silverstone Geschwindigkeitsvorteile sehr gut für Überholmanöver nutzen. Besonders interessant präsentierte sich der Kurs bei den wechselhaften Wetterbedingungen im Qualifying. "Die Strecke trocknet sehr schnell ab", durfte nicht nur Nico Hülkenberg feststellen. Das könnte, natürlich ein entsprechendes Wetter vorausgesetzt, auch im Rennen für Spannung sorgen.

4. S - wie Sonntagswetter

Wettertechnisch hatte der Samstag in Silverstone schon einiges zu bieten. Mit Regen am Vormittag und Mischbedingungen am Nachmittag wurden wohl sämtliche Großbritannien-Vorurteile erfüllt. Wenn es nach Fernando Alonso geht, dürfte es am Sonntag gerne so weitergehen. "Am liebsten wären mir Mischbedingungen. Viele Boxenstopps und wechselhaftes Wetter würden uns helfen, da kann man in einer Runde 30 Sekunden gewinnen, wenn man auf den richtigen Reifen unterwegs ist", so der Ferrari-Pilot.

Regen wird am Sonntag wohl keine Rolle spielen - Foto: Sutton

Seine Wünsche werden aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erfüllt werden. Die Schlechtwetterfront, die am Samstag für ein nasses Qualifying sorgte, zieht über Nacht ab. Waren heute Vormittag noch Gewitter für den Sonntag vorhergesagt, beträgt die Regenwahrscheinlichkeit in den Mittagsstunden nur noch weniger als fünf Prozent. "Laut Wetterbericht soll es morgen trocken sein und das ist gut so", sagt Niki Lauda. Insbesondere Pole-Sitter Rosberg wird sich über ein stinknormales Rennen nicht beschweren.

5. S - wie Strategie

Auch wenn man in Silverstone relativ gut überholen kann, werden die Köpfe der Strategen während des Rennens rauchen. Ganz so aufregend wie im Vorjahr, als die Pirelli-Pneus reihenweise platzten, wird es zwar nicht. Dennoch ergeben sich durch die zwei zu erwartenden Boxenstopps und den eher kurzen Zeitverlust durch die kurze Boxengasse einige wichtige Faktoren, auf die man in Silverstone achten muss. Die Reifenwechsel werden für die 14. und 33. Runde erwartet, wobei es einige Fahrer sicherlich etwas früher versuchen werden, um sich im Duell mit den direkten Konkurrenten einen Vorteil verschaffen zu können.

6. S - wie Spannung

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass es in Silverstone immer mal wieder drunter und drüber geht. Beim Klassiker in Großbritannien werden auch mal Rennen in der Boxengasse gewonnen, Schottenröcke von der Strecke gejagt oder eben Reifen zum Platzen gebracht. Und im Zweifel gibt es ja immer noch das bereits beleuchtete Wetter, das für einen spannende Startaufstellung gesorgt hat.

Gelingt Nico Rosberg die Flucht nach vorne? Kann Lewis Hamilton seinen Teamkollegen einholen? Und wie weit schaffen es Ferrari und Williams nach vorne? In den letzten 20 Jahren gewannen nur vier Piloten von der Pole Position aus. Das verspricht jedenfalls sehr viel Spannung. Besonders motiviert werden die Briten an den Start gehen - auch wenn es nur drei Lokalmatadoren gibt. "Nach den schwierigen 18 Monaten ist das ein Riesenergebnis, und das auch noch vor meinem Heimpublikum", freute sich Jenson Button, der für das Rennen besonders motiviert sein dürfte.

7. S - Wie Super-Deutschland

Gelingt Deutschland am Sonntag der nächste Treffer? - Foto: Sutton

An diesem Wochenende läuft es für Deutschland nach Plan. Gestern machte die Nationalelf den Einzug in das Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft perfekt, heute dominierte man im Qualifying. Rosberg auf Pole, Vettel auf Platz zwei und ein starker Hülkenberg auf Platz vier - so lautete das sehr positive Ergebnis aus deutscher Sicht. Warum sollte genau das nicht auch im Rennen klappen?

"Von der Eins loszufahren, macht es durchaus einfacher. Ich bin mit Sicherheit in der besten Position, um unseren Teammitgliedern mit einem Sieg für ihre harte Arbeit zu danken", steckt Rosberg die Ziele klar ab. Der zuletzt so arg gebeutelte Vettel hätte mit einem Rosberg-Sieg wohl keine Probleme, solange er seinen zweiten Platz verteidigt. Und dann wäre da ja noch Hülkenberg: In den bisherigen acht Saisonrennen holte er immer Punkte und verbesserte sich dabei im Schnitt um drei Positionen. Wohin der Weg am Sonntag führen kann, sollte klar sein...


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