Formel 1 - Nasen 2015: Optik erneut nur zweitrangig

Hoffen auf schöne Lösungsansätze

Die Nasen der Turbo-Boliden standen 2014 im Kreuzfeuer vieler Diskussionen. Das kommende Jahr bringt Änderungen, der Fokus liegt dabei jedoch auf der Sicherheit
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Motorsport-Magazin.com - Safety first, beauty second! Auch hinsichtlich der neuen Nasen für das Jahr 2015 bleibt die FIA einmal mehr ihren Grundsätzen treu - und das trotz heftiger Diskussion rund um die gewöhnungsbedürftige Fahrzeugfront dieses Jahres. Bei einem Treffen des FIA-Weltrats in der vergangenen Woche wurde der Beschluss verabschiedet, dass die Nasen für die kommende Saison technischen und optischen Änderungen unterworfen werden. Anstoß dafür sei jedoch der Sicherheitsaspekt, der sich bei der aktuellen Front trotz langer Überlegungen bei der Entwicklung des Reglements noch nicht als 'wasserfest' erwies.

Wir sind eindeutig der Meinung, dass durch die neuen Vorgaben auch eine optische Steigerung gelingen kann
Charlie Whiting

So bieten die Versionen der Teams mit der aktuell vorgeschriebenen Mindesthöhe und dem geforderten Querschnitt von mehr als 9000 Quadratzentimeter an entsprechender Stelle zwar guten Schutz vor 'Aufsteigen' an anderen Boliden im Falle einer Kollision. Jedoch stellten die Teams und Verantwortlichen erst später fest, dass die Spitzen der Nasen in keinem Fall mit einer Crashstruktur gleichgesetzt werden können. Diese würde im Falle eines Aufpralls bereits Energie aufnehmen und diesen so abschwächen. Da die FIA für die Platzierung der Crashstrukturen keine genauen Vorgaben gemacht hatte, sondern lediglich für die Nasen an sich, sind viele Front-Versionen der Teams hinsichtlich eines Aufprallschutzes bis zum Beginn der eigentlichen Crashstruktur nicht mehr als eine 'Attrappe'.

Bereits zu Beginn des Jahres äußerte Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey zudem eine weitere Sorge. So könnten die neuen Fahrzeugfronten ein Auto zwar vor dem Aufsteigen bewahren, gleichzeitig würden sie bei einem Aufprall in einen Reifenstapel aufgrund ihrer Physionomie jedoch ein Untergraben desselbigen fördern. FIA-Renndirektor Charlie Whiting ist sich zwar der großen Kritik an der Optik der nicht selten als 'hässlich' beschimpften Boliden der aktuellen Generation bewusst, macht jedoch deutlich, was für die FIA und ihn wichtig ist: "Wir haben Änderungen an der Fahrzeugfront beschlossen, denn wir wollen näher dahin kommen, was wir ursprünglich geplant hatten, und das ist primär, die Autos sicherer zu machen."

Sebastian Vettels 'Suzie' wartet mit einer der schöneren Lösungen für die Nase auf - Foto: Sutton

Jedoch macht er auch den Ästheten noch ein wenig Mut. "Wir sind eindeutig der Meinung, dass durch die neuen Vorgaben auch eine optische Steigerung gelingen kann." Aus Sicherheitsgründen wird für das kommende Jahr nun beispielsweise der Querschnitt der Nase auf der festgelegten Höhe vergrößert, was einer höheren Stabilität dienen soll. Jedoch bietet es den Teams ebenfalls die Option, von den 'Rüsselversionen' der Nasen zumindest etwas Abzurücken. "Wir werden nicht versuchen, Schönheit zu definieren. Das geht auch gar nicht. Wir können nur versuchen, einen Rahmen vorzugeben, innerhalb dessen sich die Teams mit dem Design frei bewegen können - aber primär wegen der Sicherheit", macht Whiting im Rahmen des Formel-1-Wochenendes in Silverstone unmissverständlich klar.

Weitere Vorgaben für die neuen Nasen beziehen sich zudem auf Größe, Gewicht und auch die Form. Zudem müssen sie zwingend symmetrisch zur Fahrzeugmitte angebracht werden. "Die Nase muss höher ist, damit sie bei einem Unfall und Kontakt mit den Rädern eines anderen Autos mehr Druck absorbiert und besser standhält." Dass die neuen Ansätze den Teams die Chance geben, optisch ansprechendere Fahrzeugfronten zu entwickeln, ist jedoch mehr als nur ein angenehmer Nebeneffekt. Denn bereits zu Beginn des Jahres bekam die FIA hinsichtlich der neuen Kreationen Gegenwind aus den eigenen Reihen. "In dieser Saison müssen wir wohl noch mit den hässlichen Nasen leben", sagte etwas Jo Bauer, der Technische Delegierte der FIA zu Motorsport-Magazin.com.

In dieser Saison müssen wir wohl noch mit den hässlichen Nasen leben
Jo Bauer

Zunächst waren alle davon ausgegangen, dass es keine bessere Lösung gäbe und Kompromisse die einzige Chance wären. Jedoch war schnell klar, dass die aktuelle Variante deutliche Missstände mit sich herumträgt. "Wir bedauern, dass wir das Reglement nicht wasserdicht formuliert haben und die neuen Nasen nicht in jeder Situation zu 100% den Sicherheitsstandards entspricht", hatte Bauer weiter betont. Mit dem neuen Beschluss räumt die FIA nun einige ihrer Fehler rigoros aus - ob dies auch den Faux-Pas der Hässlichkeit mit einbezieht, bleibt abzuwarten...


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