Formel 1 - Streckenvorschau: Silverstone

Aerodynamik wieder Trumpf

Tradition, Vollgas, Highspeed-Kurven, Mensch und Maschine am Limit: Die Formel 1 gastiert in Silverstone. Wir stellen euch die Kultstrecke umfassend vor.
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Motorsport-Magazin.com - Ab dem kommenden Freitag kehrt in der Formel 1 einmal mehr der Kultfaktor ein. Mit dem Großbritannien GP auf der mythischen Strecke Silverstone steht unbestritten eines der Saisonhighlights an. Bereits zum fünften Mal seit dem großen Umbau 2010 fungiert der Kurs um einen alten Militärflughafen als Gastgeber für die Motorsport-Königsklasse. 52 Runden à knapp 5,9 Kilometer legen die Piloten am Sonntag bei normalem Rennverlauf für die Gesamtdistanz von etwas über 306 Kilometern zurück. In unserer Streckenvorschau stellen wir euch Silverstone kompakt vor, erklären die speziellen Anforderungen an Mensch und Maschine und nennen die äußeren Faktoren, die nicht selten für Durcheinander sorgen.

Das ist Silverstone: 220 km/h im Durchschnitt

Der Circuit zählt mit einem Vollgasanteil von über 60% und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu 220 km/h zu den Schnellsten in der gesamten Saison. Insgesamt sechs Geraden bzw. Vollgaspassagen werden von 18 Kurven komplementiert, die den Kurs zu einem Gesamtpaket an Anforderungen zusammenschnüren. Zwischen Kurve 7 (Luffield) und Kurve 15 (Stowe) fahren die Piloten bis zu 40 Sekunden annährend permanent Vollgas. Fünf sehr langsame Knicke fordern auf der anderen Seite eine starke Traktion und Beschleunigung der Boliden. Jedoch spielt im Gegensatz zu den vergangenen drei Rennen in Monaco, Kanada und Spielberg die aerodynamische Komponente wieder einmal die Hauptrolle.

Die britischen Piloten können in Silverstone stets auf eine gigantische Unterstützung bauen - Foto: Sutton

Neun sehr schnelle und vier Mittelschnelle Kurven verlangen ein Setup mit viel Flügel, da eine zu geringe Downforce über den Verlauf der Runde nicht nur in den Kurven massiv Zeit kostet, sondern ebenfalls der Schwungverlust auf dem sehr flüssigen Design in den jeweils folgenden Abschnitten zu deutlichen Einbußen führt. Da die neuen Turboboliden ohnehin 20% weniger Abtrieb generieren als die Rennwagen des Vorjahres, stehen die Teams vor einer kniffligen Aufgabe: Zwar soll das Setup so viel Downforce wie möglich generieren, allerdings behindert der hohe Abtrieb das Fahren auf den langen Geradeausstücken. Hierbei profitieren somit einmal mehr die Teams mit starkem Vortrieb.

Da in den Highspeed-Kurven extrem große Mengen an Energie durch die Reifen geleitet werden und diese sehr stark belasten, könnte der Reifenverschleiß trotz relativ sanftem Belag durchaus zu einem Thema im Verlauf des Rennens werden. Zusätzlich verschärft wird diese Herausforderung häufig durch unbeständige Witterungsbedingungen im englischen Sommer. Um für diese Herausforderungen gewappnet zu sein und ein 'Massaker' wie im Vorjahr zu vermeiden, nominierte Pirelli die beiden härtesten Mischungen aus der Formel 1-Reifenkollektion 2014, den harten P Zero Orange und den Medium-Slick P Zero White. Die Piloten selbst müssen in Silverstone mental und physisch ans Limit gehen. Vor allem die Highspeedkurven mit extremen Fliehkräften verzeihen nicht einmal den kleinsten Fehler.

Das Safety Car ist bei Rennen in Silverstone eher selten in Action anzutreffen - Foto: Sutton

Weitere Einflüsse

Traditionell ist der englische Sommer für seine Wetterlotterie bekannt. Kühle Temperaturen und Regen sind ebenso wahrscheinlich wie Sonnenschein und Wärme. Meist ist über den Verlauf eines Wochenendes in Silverstone jedoch von allem etwas geboten, was in Qualifying und Rennen für Brisanz und Spannung sorgen könnte. Ebenfalls müssen die mitunter starken Winde auf dem flachen und ungeschützten Areal rund um den ehemaligen Militärflughafen von den Piloten beachtet und sehr ernst genommen werden. In den vielen schnellen Kurven sind die Boliden für 'Windangriffe' äußerst anfällig, weswegen kleinste Fehler und Unachtsamkeiten bei der Fahrzeugbeherrschung leicht zu zeitspieligen Ausritten führen können. Aufgrund von großzügigen Auslaufzonen und der Weite des Streckenumfeldes mit einfachen Bergungsmöglichkeiten für 'gestrandete' Fahrzeuge ist die Wahrscheinlichkeit eines Safety Cars in Silverstone traditionell sehr gering.

Anforderungen an die Technik

Von 1 (niedrig) bis 5 (hoch)

Verbrennungsmotor 4
MGU-K 3
MGU-H 4
Batterie 3
Benzinverbrauch 4
Energierückgewinnung 4
Bremsen 2

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