Formel 1 - Im Portrait: Ferrari-Teamchef Marco Mattiacci

Vom Business-Mann zum Teamchef

Marco Mattiacci heißt der Mann, der Ferrari als Teamchef auf die Erfolgsspur bringen soll. Er selbst hat sie bereits gefunden, allerdings nicht im Motorsport.
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Motorsport-Magazin.com - Es ist offiziell: Der Italiener Marco Mattiacci wird neuer Teamchef bei Ferrari. Doch wer ist der neue Mann bei der Scuderia, der das Rote Pferd endlich wieder zu neuen Erfolgssprüngen führen soll? Motorsport-Magazin.com hat sich auf die Suche gemacht und ist auf der gesamten Welt fündig geworden.

Der heute 44-Jährige Mattiacci wurde in Rom geboren und hatte - wie vermutlich jeder Italiener von Kindesbeinen an eine Enge Verbindung zu Ferrari. Dass er eines Tages die Geschicke des Rennstalls in der Formel 1 leiten würde, hätte sein anfänglicher Berufsweg aber nicht vermuten lassen. Er studierte in Rom an der Universität und machte schließlich seinen Abschluss im Bereich Volkswirtschaftslehre. Auch seine Spezialgebiete klingen nicht wie die eines zukünftigen Teamchefs der Formel 1. Große Leidenschaft und großes Verständnis von Marketing-Dynamik, aber mit Fokus auf ROI und alle Aspekte der Finanzen.

Marco Mattiacci ist kein Unbekannter - Foto: Ferrari

Der Ruf der Königin

Zunächst verschlug es den Italiener 1989 zu Jaguar, wofür er seine Heimat verließ und in London abheuerte. Zehn Jahre später erfüllte sich dann Mattiaccis größter Traum: Als er den Hörer des Telefons abnahm, hatte er Ferrari am anderen Ende. Ohne zu zögern unterschrieb er, eine Rückkehr nach Italien war aber nicht geplant.

Als Sales-Manager Süd-und Nordamerika sowie im Nahen Osten zeichnete er von 1999 bis 2001 verantwortlich für den Aufbau des Vertriebs und entwickelte entsprechende Strategien. Mit Zwischenstationen über Russland und Finnland ging es schließlich nach Nordamerika. Hier wurde er von Juni 2001 an für ein Jahr als Projektleiter des Maserati-Launches in Nord-Amerika eingesetzt. Danach folgte der nächste Sprung auf der Karriereleiter: Mattiacci wurde der Vizepräsident im Bereich Sales und Marketing bei Ferrari-Maserati Nordamerika.

Bei Ferrari brennt die Luft - Foto: Sutton

Weltenbummler mit Erfolg

Große Erfolge und gute Zahlen verleiteten Ferrari aber zu einer erneuten Versetzung des Italieners. Im Herbst 2006 wurden die Koffer für den Umzug nach Shanghai gepackt, wo er die Rolle des geschäftsführenden Vizepräsidenten bei Ferrari Asia Pacific übernahm. Im Bereich Business und Entwicklung war er für die Entwicklung des Marktes in China sowie dem gesamten pazifischen Raum sowie die Erholung des japanischen Marktes von privaten Importeuren zuständig. Schnell wurde er Geschäftsführer und Präsident. Rückwirkend spricht der Italiener von einer harten, herausfordernden, aber unglaublich spannenden Zeit.

Im Jahr 2010 schließlich der letzte Schritt bei Ferrari. Er kehrte China erneut den Rücken, denn der Weg führte über den Pazifik zurück nach Nordamerika. Dort übernahm er als Präsident und Geschäftsführer die Geschicke von Ferrari Nordamerika. 2012 erhielt Mattiacci eine große Auszeichnung für seinen wirtschaftlichen Erfolg: den Automotive Executive of the Year Award. Diesen widmete er selbstlos den Mittarbeitern, die seit 60 Jahren voller Enthusiasmus am Erfolg des Konzerns in Nordamerika arbeiten würden.

Marco Mattiacci beerbt Stefano Domenicali - Foto: Sutton

Leader-Qualitäten

Dass Mattiacci in der Lage ist, ein Team zu leiten und nach eigenem Anspruch "aus jedem Mitglied 120 Prozent herauszuholen", beweist sein großer Erfolg auf den Märkten dieser Welt. Mit dem Italiener zieht amerikanischer Management-Stil in die Formel 1 ein - aber nicht ohne die Liebe zum Sport, wie er in einem Interview mit Forza verriet. "Ferrari ist Racing - Racing und Wettkampf, um nah an unseren Enthusiasten dranzubleiben, ihr Feedback zu erhalten, ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl zu erreichen und ihnen etwas zu geben, was ihnen sonst niemand in der Autoindustrie geben kann. Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern heißt es nun Koffer packen und nach 15 Jahren wieder die Heimreise nach Italien antreten. Dort sind die Tore in Maranello weit für Mattiacci geöffnet. Wie lange sie es bleiben, hat er selbst in der Hand.


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