Formel 1 - Ricciardo in Malaysia: Ein Drama in fünf Akten

Tief drinnen bin ich wirklich enttäuscht

Daniel Riccardo kann Malaysia abheften unter: schlimmer hätte es kaum kommen können. Motorsport-Magazin.com blickt auf ein Rennen zum Vergessen.
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Motorsport-Magazin.com - Als um kurz nach 16 Uhr Ortszeit in Malaysia die Lichter der Startampel ausgingen, schlug die Stunde des Daniel Ricciardo. Sofort setzte er seinen Red Bull vor den Ferrari von Fernando Alonso und schnappte sich im Anschluss sofort Teamkollege Sebastian Vettel. Nach seiner Disqualifikation in Australien hätte es das Comeback werden können, doch es wurde ein neuerlicher Alptraum. "In kürzester Zeit wendete sich das Blatt von gut auf schlecht", fasste Ricciardo sein Rennen zusammen.

Vettel schlägt zurück

Sobald das DRS freigegeben war, ging bei Vettel der Flügel auf und Ricciardo zog den Kürzeren. "Der Start war eigentlich gut und nachdem mich Sebastian passiert hatte, lagen wir beide sicher in den Top-4", ärgerte sich der Australier. Der Red-Bull-Mann setzte auf zwei Stints mit Medium-Reifen und wechselte bei seinem zweiten Stopp auf die harte Mischung. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte er mit Alonso um Rang vier und schien die besseren Karten zu haben - bis der letzte Stopp kam. "Ich bin enttäuscht. Es sah nach guten Punkten aus und ich mischte an der Spitze mit. Aber beim letzten Boxenstopp traten all diese Probleme auf und mein Rennen war recht schnell beendet."

Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel lieferten sich ein Rad-an-Rad-Duell - Foto: Sutton

Boxenstopp zum Vergessen

In Runde 40 bog Ricciardo zum dritten und - geplant - letzten Stopp in die Box ein. Es wurden für die letzten 17 Runden die Medium-Reifen montiert und der Australier fuhr los. Doch sofort war ihm klar: hier stimmt etwas nicht. "Als ich losfuhr bemerkte ich sofort, dass es im Auto rüttelte und dann sah ich, dass der Reifen nicht richtig montiert war", schilderte Ricciardo.

Als ich losfuhr bemerkte ich sofort, dass es im Auto rüttelte und dann sah ich, dass der Reifen nicht richtig montiert war.
Daniel Ricciardo

Sofort stoppte er seinen Red Bull und wartete einige Meter hinter der Box auf sein Team. Hektisch wurde der RB10 zurückgeschoben und der Reifen final montiert. Das Rennen war zu diesem Zeitpunkt aber bereits gelaufen, denn Ricciardo verlor bei diesem Stopp 1:49.329 Minuten. Schuld am Schlammassel war ein Fehler eines Mechanikers. "Das Rad war nicht korrekt drauf", erklärte Teamchef Christian Horner. Zwar funktionierte die Montage dennoch fehlerfrei, der Mechaniker wollte aber sichergehen. "Er wollte es prüfen und noch ein paar Mal nachdrehen. Aber der Riegel des Schlagschraubers hatte sich wieder zurückgestellt und so löste er effektiv das Rad wieder." Von Horner gab es aber keinerlei Vorwürfe. Solche Dinge würden passieren.

Der defekte Frontflügel

Gerade wieder auf der Strecke der nächste Rückschlag. Der rechte Vorderreifen zeigte eine deutliche Rillenbildung und entwickelte schließlich einen Plattfuß. Grund: Ricciardos Frontflügel war gebrochen und nach und nach brachen Teile ab. "Ich glaube, der Wagenheber wurde nicht richtig eingeschoben und dabei ging der Frontflügel kaputt", erklärte Dr. Helmut Marko später.

Wir denken, dass das Problem mit dem Flügel vom Wagenheber herrührt.
Christian Horner

Diese Annahme vertrat auch Horner, der aber zur Sicherheit noch die Videoaufnahmen analysieren wollte. "Es sah so aus, als sei das Auto nicht richtig auf den Wagenheber gekommen und vorne links konnte nicht richtig befestigt werden. Wir denken, dass das Problem mit dem Flügel vom Wagenheber herrührt, aber es kann auch ein Kerb gewesen sein", so der Teamchef.

Strafen über Strafen

Ob kaputter Flügel oder nicht, das Rennen um Punkte war für Ricciardo aussichtslos. Bereits zu diesem Zeitpunkt ahnte Red Bull, dass sich die Stewards den Boxenstopp genau ansehen würden und die Strafe folgte auf dem Fuße: 10-Sekunden-Stopp-and-go-Strafe für den Australier. "Die Strafe ist fair", gab Horner offen zu. "Wir haben das Auto losfahren lassen, ohne dass der Reifen richtig befestigt war. Das ist die einzig mögliche Strafe, die wir kriegen konnten."

Mühsam wurde Daniel Ricciardo wieder an die Box geschoben - Foto: Sutton

Damit aber nicht genug. Da die FIA in dieser Saison härter bei Vergehen beim Boxenstopp vorgeht, reist Ricciardo mit einer zusätzlichen Bürde nach Bahrain. Für das Unsafe-Release bekommt er für den nächsten Grand Prix zehn Startplätze Strafe aufgebrummt.

Sensor defekt

Das Pünktchen auf dem i war zu guter Letzt der erneut problematische Fuel-Flow-Sensor. Nachdem Ricciardo in Australien aufgrund von Problemen disqualifiziert wurde, fiel die Technik nun offenbar komplett aus. "Anders als in Australien ist er sofort ausgefallen und war kaputt", erklärte Teamchef Horner nach dem Rennen. Ricciardo erfuhr von den neuerlichen Schwierigkeiten erst nach dem Rennen. "Ich habe es gerade erst erfahren. Offensichtlich gab es schon wieder Probleme, die wir aussortieren müssen", resümierte er.

Das Lächeln bleibt

Damit fällt die erste Bilanz seiner Red-Bull-Zeit ernüchternd aus. Disqualifikation in Australien, Strafe und vorzeitige Aufgabe in Malaysia und Strafversetzung in Bahrain. Dennoch findet der immer lachende Australier in dieser Misere noch etwas Positives. "Tief drinnen bin ich wirklich enttäuscht, aber ein kleiner Teil von mir ist auch glücklich, denn ich habe in den ersten beiden Rennen meine gesteckten Ziele erreicht", sprach Ricciardo seine reine Leistung an. "Weil ich immer lache und fröhlich bin, denken die Leute, ich bin zu nett, aber ich bin hier, um Rennen zu fahren. Ich will an der Spitze fahren und ihr werdet noch eine Menge mehr von mir sehen."

Ich will an der Spitze fahren und ihr werdet noch eine Menge mehr von mir sehen.
Daniel Ricciardo

Auftrieb wird dem Australier auch geben, dass sein Team fest hinter ihm steht und Mitgefühl zeigt. "Es ist für Daniel unglaublich schade, denn er hat heute alles richtig gemacht", gab es Lob von Teamchef Horner. "Ein großartiger Start, eine großartige erste Runde und ein beeindruckender erster Teil des Rennens."


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