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Formel 1 - Lenkrad 2014: Display-Revolution durch McLaren

Kommandostand im Kleinformat

Turbo-Revolution in der Formel 1 - auch die Lenkräder warten mit neuer Technik auf. Ein kompliziertes Display stellt die Fahrer vor noch größere Aufgaben.
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Motorsport-Magazin.com - Einst diente das Lenkrad eines Formel-1-Autos dazu, die Fahrrichtung zu steuern. Die Einführung des Hupknopfes - schon fast eine kleine Revolution, von Schaltwippen erst gar nicht zu sprechen. Und heute? Willkommen im Turbo-Jahr 2014; die heutigen Lenkräder gleichen eher einer Hightech-Kommandozentrale, die dem Fahrer eine schiere Unmenge an Bedienmöglichkeiten liefert. Spätestens seit der Einführung von KERS und DRS sind die Lenkräder geradezu überladen mit Schaltern und Knöpfen, dank des umwälzenden neuen Motoren-Reglements wird die Angelegenheit aber sogar noch eine Spur kniffliger.

2014 hält ein spezielles LCD-Display Einzug in die meisten Lenkräder der Turbo-Autos. So setzen bislang die Teams von Ferrari, McLaren, Mercedes, Sauber und Toro Rosso auf ein so genanntes Dashboard aus dem Hause McLaren Technologies. Der Hintergrund: Dank der neuen ERS-Energiequellen MGU-H und MGU-K generiert ein F1-Auto nun noch mehr Daten und Informationen bezüglich des Antriebs, die die Teams und Fahrer steuern und zu ihrem Vorteil nutzen können.

Mit den alten Displays hatten wir nicht mehr genügend Informationen.
Luca Furbatto

Displays sind nichts Neues in der Formel 1, doch mit dem McLaren-Dashboard hat quasi ein eigener Bordcomputer den Weg ins Auto gefunden. Das Display, meist mittig im Lenkrad integriert, ist 4,3 Zoll groß und trägt den schmucklosen Namen PCU-8D. Das Teil wiegt rund 230 Gramm und damit knapp 100 Gramm mehr als sein Vorgänger, kann dafür aber verschiedene Einstellungen anzeigen. Bis zu 100 Seiten mit unterschiedlichen Infos können erzeugt werden, um die Fahrer über so ziemlich alle Vorgänge im Auto zu informieren.

"Mit den alten Displays hatten wir nicht mehr genügend Informationen", erklärte Toro Rossos Designchef Luca Furbatto am Rande der Testfahrten in Jerez. "Den Fahrern stehen nun potenziell mehr Infos zur Verfügung - die Jungs haben heute beim Rennfahren mehr zu tun als früher..."

Zu den üblichen Informationen, auf die die Fahrer bislang zurückgreifen konnten, gehörten traditionell die Ganganzeige, Drehzahlen, Rundenanzahl, Deltazeiten und Daten zur Bremsbalance. Die Piloten haben mittels des neuen Displays nun die Möglichkeit, sich die Anzeigen individuell zusammenstellen und auch grafisch mittels Kurven anzeigen zu lassen. Sie können - wenn auch nicht mit Touchscreen-Funktion - durch verschiedene Anzeigen schalten und Infos zu Batterieladungen, diversen Drücken und Temperaturen einholen - effektiv ein Kommandostand im Kleinformat.

Red Bull noch ohne neues Display am Lenkrad - Foto: Sutton

Die neuen McLaren-Displays sind allerdings nicht verpflichtend. Beispielsweise Red Bull und Williams setzten in Jerez noch auf die kleineren LED-Anzeigen aus dem Vorjahr. Gut möglich, dass einige Fahrer im Verlauf der weiteren Testfahrten doch noch auf die neue Variante wechseln. Fraglich bleibt allerdings, inwieweit sie die neu gewonnene Masse an Daten während eines Rennens überhaupt nutzen - am Ende interessiert die Fahrer meist nur, wie schnell sie sind...

"Wir haben diese neuen Dashboards im Auto und versuchen, sie noch weiter zu verfeinern", sagte Lewis Hamilton nach seinen ersten Runden im neuen Mercedes-Silberpfeil. Im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com machte Teamkollege Nico Rosberg noch einmal deutlich, dass die neuen Regeln auch die Fahrer vor eine völlig neue Herausforderung stellen: "Vom Fahrerischen her ändert sich eigentlich nichts, aber im mentalen Bereich ändern sich die Abläufe: Beim Spritsparen und der ganzen Elektronik bist du viel stärker involviert."

Williams-Lenkrad ohne McLaren-Dashboard - aber mit genauso vielen Knöpfen - Foto: Sutton

Das Lenkrad durchläuft also genauso eine Revolution wie der Rest der Formel 1. Die aktuellen Lenkräder bestehen aus rund 120 Einzelteilen und schlagen mit gut 25.000 Euro zu Buche. Für die Konstruktion der individuell auf den Fahrer angepassten Bedienelemente werden 100 Arbeitsstunden veranschlagt. Heraus kommt ein 1,3 Kilo leichtes, hauptsächlich aus Karbon gefertigtes, kleines Meisterwerk der Technik.

Netter Nebeneffekt der neuen Displays: Sie sind in der Lage, nicht nur Daten, sondern auch Bilder und farbige Grafiken anzuzeigen. Eine gute Möglichkeit, das Logo des einen oder anderen Sponsors anzuzeigen, wenn der Fahrer gerade einmal nicht seine Hände am Lenker hat. Schließlich muss der Technik-Spaß ja auch finanziert werden...


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