DTM - Tops und Flops der DTM-Saison 2016

Spannung, Emotionen - aber auch böse Patzer

Die DTM-Saison 2016 bot einigen Gesprächsstoff. Motorsport-Magazin.com blickt zurück und analysiert die Tops und Flops des Jahres.
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Motorsport-Magazin.com - Die DTM-Saison 2016 ist Geschichte. Marco Wittmann sicherte sich den Titel in einem spannenden Finale gegen Edoardo Mortara. Gesprächsstoff bot die Meisterschaft aber auch abseits des Titelkampfes genug. Motorsport-Magazin.com blickt auf die Tops und Flops der Saison 2016.

Top: Wittmann beweist Extraklasse

Dass Marco Wittmann zu den besten Fahrern in der DTM gehört, bewies er in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll. In 18 Rennen feierte er drei Siege, stand drei weitere Male auf dem Podium und verpasste nur drei Mal die Punkteränge - darunter die Disqualifikation in Budapest nach Rang vier. Im Hause BMW gab es frühzeitig bereits keine Zweifel mehr, wer die Speerspitze ist. Während Glock, Blomqvist und Co. teils starke Leistungen nicht konservieren konnten, bewies Wittmann Konstanz und Abgebrühtheit.

Marco Wittman fuhr eine ganz starke Saison - Foto: BMW AG

Und im Vergleich zur direkten Konkurrenz im Titelkampf machte der 26-Jährige keine Fehler. Edoardo Mortara schmiss in Spielberg nach einem Revanche-Foul gegen Antonio Felix da Costa sichere Punkte weg. In Budapest stand er auf der Pole, startete aber erst schlecht, ehe er sich bei einem unnötigen Rempler gegen Wittmann zudem noch einen Plattfuß einfing. Derartige Aktionen sucht man bei Wittmann vergebens.

Flop: Diskussionen um BMW-Vorteile

Doch leider kommt trotz dieser famosen Vorstellung des nun zweimaligen Meisters die Frage auf, ob der Titel denn überhaupt verdient war. Verantwortlich sind die Zugeständnisse, die BMW vor der Saison erhalten hat. Aufgrund eines klaren Performance-Nachteils in der Saison 2015 einigten sich alle drei Hersteller auf Modifikationen, die die Münchner wieder näher an die Konkurrenz bringen sollten. So durfte BMW mit 7,5 Kilo weniger Gewicht in die Saison starten, zudem erhielten sie die Erlaubnis, ihren Heckflügel um 50 Millimeter zu verbreitern.

Es ist hart für mich zu entscheiden, ob sie es verdienen oder nicht. Sie hatten halt andere Regeln.
Edoardo Mortara über BMW

Obwohl alle Hersteller gemeinsam diesen Kompromiss fanden, gab es immer wieder Diskussionen. Als sich herausstellte, dass Marco Wittmann ein ernsthafter Titelkandidat sein könnte, reichten Mercedes und Audi einen Antrag beim DMSB ein, die Vorteile zumindest einzudämmen. Doch diesem Antrag wurde nicht stattgegeben. Nun nach Saisonende machte Mortara selbst das Thema wieder auf. "Wir sind nicht unter gleichen Regeln angetreten. Schon vor Beginn der Saison wusste ich, dass ein BMW-Fahrer Meister wird. Die Chancen waren zumindest sehr groß", meinte der Italiener. Und fügte an: "Es ist hart für mich zu entscheiden, ob sie es verdienen oder nicht. Sie hatten halt andere Regeln."

Top: Abwechslung an der Spitze

Langeweile in der DTM? Fehlanzeige! Vor Beginn des letzten Wochenendes hatten theoretisch noch drei Fahrer die Möglichkeit, Meister zu werden. In 18 Rennen gab es 10 (!) verschiedene Sieger. Noch Fragen? Kein Hersteller fuhr dem anderen davon. Das System der neuen Performance-Gewichte funktionierte noch nicht perfekt, ging aber absolut in die richtige Richtung. Fahrer wie Miguel Molina, die sonst nur wenig für Aufmerksamkeit sorgten, konnten sich mit Siegen - im Falle des Spaniers sogar deren zwei - in den Vordergrund fahren. An der Spannung hat es also nicht gemangelt...

Miguel Molina fuhr zu zwei Saisonsiegen - Foto: Audi

Flop: Peinliche technische Probleme und gravierende Fehler

...dafür aber an Dingen, für die die Fahrer nichts können. Das neue DRS-Reglement, wonach ein Fahrer dreimal pro Runde den Klappflügel an einer beliebigen Stelle verwenden darf, wenn er auf dem Zielstrich innerhalb von einer Sekunde hinter dem Vordermann war, sorgte mehrfach für Kopfschütteln. Gleich in Hockenheim versagte das Marshalling-System, das die Freigabe regelt. Die Fahrer konnten nicht auf DRS zugreifen. Die Rennleitung griff ein und schaltete in den manuellen Modus, wodurch die Fahrer nun selbst verantwortlich waren. Antonio Felix da Costa tappte prompt in die Falle, verwendete DRS viermal und kassierte eine Fünf-Sekunden-Strafe.

Diese DTM-Regeln sind der größte Witz auf der Welt.
Timo Glock nach dem Norisring-Wochenende

Am Norisring war nur Timo Glock der Leidtragende. Das gesamte Rennen über hatte er keinen Klappflügel zur Verfügung. Als er am Rennende dann von sich aus in den manuellen Modus schaltete, nutzte auch er einmal zu viel das DR-System und kassierte ebenfalls eine Fünf-Sekunden-Strafe. Obwohl er von Rang 14 auf 21 zurückfiel und damit keinen Schaden in Form von verlorenen Punkten zu beklagen hatte, folgte ein monumentaler Wutausbruch Glocks. "Es macht keinen Unterschied, aber diese DTM-Regeln sind der größte Witz auf der Welt", schimpfte Glock auf Twitter. Und weiter: "Ich kann nicht glauben, wie oft sie die Meisterschaft durch die Regeln noch verschandeln wollen."

Das größte Desaster aber erlebte die DTM in Zandvoort. Während einer Slow Zone, in der nur eine Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h erlaubt ist, soll Edoardo Mortara zu schnell gewesen sein. Auf Platz sechs liegend wurde er zu einer Durchfahrtsstrafe verdonnert. Noch im Auto gestikulierte er vehement und war sich keiner Schuld bewusst - zurecht! Wie sich später herausstellte, lag ein Fehler im GPS-Übertragungssystem vor. Die 88 km/h, die das System an die Rennleitung übermittelte, stimmten einfach nicht. Motorsport-Magazin.com meinte damals: "Nicht auszudenken, wenn ihm am Ende weniger Zähler zur Meisterschaft fehlen." Genau diese Situation ist nach Hockenheim eingetreten...

Top: Endlich wieder Emotionen!

"Arschloch", "Clown", "Witz" - die DTM anno 2016 konnte sich über mangelnde Emotionen nicht beschweren. Wurde in den Jahren zuvor ein zu glatt-gebügeltes und steriles Fahrerfeld bemängelt, ging es in diesem Jahr richtig ab. Selbst in den eigentlich zurückhaltend geschriebenen Pressemitteilungen ging es plötzlich zur Sache. "Leider gibt es in der DTM ein paar Vollidioten, die noch immer glauben, man kann ein Rennen in der ersten, zweiten oder dritten Kurve gewinnen", so ein stinkwütender Edoardo Mortara nach dem Saisonauftakt in Hockenheim.

Der Sportler ist der Star. Bei uns ist das leider in den Hintergrund getreten.
Hans-Werner Aufrecht

Per Twitter nannte Gary Paffett seinen Kollegen Mattias Ekström "Idiot", der Schwede selbst lederte in Spielberg gegen die vermeintlichen "Clowns" im Fahrerfeld und nannte namentlich Antonio Felix da Costa und Maximilian Götz. "Es sind die Sportler, die wir in den Vordergrund schieben müssen. Der Sportler ist der Star. Bei uns ist das leider in den Hintergrund getreten", erklärte ITR-Boss Hans Werner Aufrecht den Grund für den Kurswechsel.

Tolle Zeiten für die schreibende Zunft, die sich nie über zu wenige Themen beschweren musste. Am Norisring flippte Christian Vietoris komplett aus, als er von Ekström abgeschossen wurde. "Ekström ist das allergrößte Arschloch, das ist unglaublich", griff er gar zu einer persönlichen Beleidigung. Dies war dann aber doch zu viel: Vietoris erhielt eine Geldstrafe von 3.000 Euro. Wieder mit mehr Spaß versehen war Timo Glocks Reaktion beim Saisonfinale in Hockenheim, als Edoardo Mortara sich über die harte Gangart des BMW-Piloten beschwerte. "Nächstes Mal kann ich ihm gerne ein paar Taschentücher mitbringen. Jemand, der DTM-Meister werden will, sollte nicht so rumweinen", so Glock auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com.

Flop: Ereignisarme Sprintrennen

So spannend die Saison und die Rennen auch waren - die große Action konzentrierte sich oftmals auf den Sonntag. Das Sprintrennen am Samstag, das ohne Boxenstopp gefahren wird, glich zu häufig einer Prozession. Abgesehen vom Knaller-Rennen am Norisring oder dem Mortara-Pflug in Hockenheim fehlten die Kämpfe an der Spitze und rassige Überholmanöver. Überlegungen, das Format noch einmal anzupassen, existieren bereits, wie Mercedes-DTM-Chef Ulrich Fritz erklärte.

"Am Sonntag haben wir ein ganz bewährtes Rennformat mit einer Strategiekomponente, mit einem Boxenstopp, wodurch man nicht bereits in der ersten Kurve alles riskieren muss", nennt Fritz die Vorzüge des Sonntagsrennens. "Ich halte es für sinnvoll, die Formate anzupassen. Auch für den Fan ist es besser, wenn es Konstanz gibt und wir Samstag und Sonntag dasselbe Format haben. Aber noch ist nichts entschieden", so Fritz. Sonntagsaction auch am Samstag? Aber gerne!


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