DTM - Interview - Jens Marquardt

Titelkampf ist die Kür

Vor dem Saisonfinale in Hockenheim zieht BMW Motorsport Direktor Jens Marquardt im Interview eine Zwischenbilanz.

Motorsport-Magazin.com - Herr Marquardt, die DTM-Saison 2012 neigt sich dem Ende zu. Sind Sie zufrieden mit dem, was BMW Motorsport in den vergangenen neun Rennen gezeigt hat?
Jens Marquardt: Natürlich bin ich absolut zufrieden mit dem Verlauf unserer Comeback-Saison. Wenn uns vor der Saison jemand allen Ernstes gesagt hätte, dass wir im letzten Saisonrennen noch realistische Chancen auf die Meisterschaft haben würden, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Wir hatten vor dem ersten Rennen in Hockenheim als Ziel ausgegeben, so schnell wie möglich konkurrenzfähig zu sein. Wie wir dann gesehen haben, war das sehr schnell der Fall - und wir konnten schon im zweiten Rennen auf dem Lausitzring mit Bruno Spengler unseren ersten Sieg feiern. Dass dieser Triumph keine Eintagsfliege war, haben dann unsere weiteren Erfolge gezeigt.

Zuletzt konnte Augusto Farfus für BMW triumphieren - Foto: BMW AG

Vier Mal standen BMW-Fahrer ganz oben auf dem Treppchen…
Jens Marquardt: Kaum jemand hätte es wohl für möglich gehalten, dass wir in den ersten neun Rennen vier Mal gewinnen und insgesamt zehn Podestplätze erringen würden. Auch ich selbst ertappe mich noch oft dabei, wie ich mir mit großen Augen die Statistiken anschaue: Mit diesem starken BMW Abschneiden konnte man auch in den kühnsten Träumen nicht rechnen. Es waren jedoch nicht nur Bruno Spengler mit seinen drei Siegen und Augusto Farfus mit dem Erfolg in Valencia, die für Glanzlichter gesorgt haben. Unsere sechs Fahrer konnten auch in der Breite eine starke Leistung zeigen und überzeugen. Die Neulinge in unserem Aufgebot haben sich sehr schnell zurechtgefunden und allesamt Punkte gesammelt. Der amtierende DTM-Champion Martin Tomczyk stand ebenfalls drei Mal auf dem Podium. Das zeigt, dass BMW Motorsport, die drei BMW Teams und unsere Piloten sensationelle Arbeit geleistet haben. Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft.

Wie stehen die Chancen, dass wir in Hockenheim den vierten BMW Fahrer in der DTM-Historie als Champion sehen werden?
Jens Marquardt: Die Saison 2012 geht bereits jetzt als riesiger Erfolg in die Geschichte von BMW Motorsport ein. Die DTM ist eine hart umkämpfte Serie, in der drei Premium-Automobilhersteller auf höchstem Niveau gegeneinander antreten. 2012 kamen wir neu in die Serie und hatten einen großen Erfahrungsrückstand auf unsere Konkurrenten. Wir haben aber sehr schnell gelernt und befanden uns mit dem neu entwickelten BMW M3 DTM aus dem Stand fast auf Augenhöhe mit unseren Mitbewerbern. Deshalb kann sich die Mannschaft unabhängig vom Ausgang des Rennens in Hockenheim als Sieger sehen. Dass wir vor dem Finale noch eine Chance auf den Titel haben, ist sensationell.

Aber gewinnen wollen Sie schon, oder?
Jens Marquardt: Keine Frage. Wir haben ausschließlich echte Racer im Team. Jeder, der Motorsport betreibt, möchte Rennen für sich entscheiden und im Idealfall Titel erringen. Ich möchte lediglich betonen, dass wir beim Saisonfinale nichts zu verlieren haben. Die Pflicht haben wir 2012 mehr als erfüllt. Der Titelkampf in Hockenheim ist die Kür. Wir werden alles daran setzen, damit Bruno den Rückstand auf Gary Paffett mit einem weiteren Top-Ergebnis aufholen kann. Wenn in Hockenheim zum letzten Mal in diesem Jahr die Zielflagge geschwenkt wird, dann wissen wir, wie gut uns das gelungen ist.

Bruno Spengler kann schon drei Saisonsiege verbuchen und kämpft in Hockenheim um den Titel - Foto: BMW AG

Was erhoffen Sie sich vom Saisonfinale?
Jens Marquardt: Bruno und Gary, aber auch Jamie, haben im Lauf der Saison gezeigt, dass sie großartige Rennfahrer sind. Obwohl Bruno bereits zwei Mal in dieser Saison wegen unverschuldeter Kollisionen ohne Punkte blieb, ist es nun müßig, darüber zu spekulieren, wo er stehen würde, hätten ihn seine Gegner in Hockenheim und am Red Bull Ring nicht abgeräumt. Unser Ansatz ist aber, nicht zurück, sondern nur nach vorn zu schauen. Und dabei ist festzuhalten: Wir nehmen den Tabellenstand exakt so an, wie er ist. Jeder der drei hätte es verdient, am Ende ganz oben zu stehen. In Hockenheim soll der Bessere gewinnen - in einem fairen Finale.

Wie sind Sie mit der Leistung der drei BMW Teams zufrieden?
Jens Marquardt: Die Siege und Podestplätze vom BMW Team Schnitzer und vom BMW Team RBM sowie die Top-3-Platzierungen vom BMW Team RMG in Spielberg, auf dem Norisring und auf dem Nürburgring sprechen für sich. Auch bei den Boxenstopps haben wir von den Crews sehr gute Leistungen gesehen. Nicht umsonst ist zum Beispiel die Mannschaft vom BMW Team Schnitzer Stammgast bei der Auszeichnung der schnellsten Boxencrew durch Reifenhersteller Hankook. Alle drei Teams sind mit der Bereitschaft in die DTM gekommen, sich gemeinsam mit BMW Motorsport in ein neues Abenteuer zu werfen und im Rekordtempo zu lernen. Dass wir so schnell konkurrenzfähig sein konnten, ist der Verdienst jedes einzelnen BMW Teammitglieds.

Und im BMW M3 DTM ist Ihrer Entwicklungsabteilung offensichtlich ein guter Wurf gelungen…
Jens Marquardt: Ja, das ist zweifelsohne so. Wir hatten an dem BMW M3 DTM keinen technisch bedingten Ausfall zu verzeichnen - und das als Neuling. Das Auto war auf nahezu allen DTM-Strecken klasse unterwegs, so dass unsere Teams und Fahrer angreifen konnten. Das heißt aber nicht, dass die Leistungsfähigkeit des BMW M3 DTM bereits voll ausgereizt ist. Wir finden noch immer mit jeder Runde Dinge, die uns voranbringen. Die Detailarbeit geht unvermindert weiter. Aber natürlich war es sehr hilfreich und ein Beleg für die tolle Arbeit der Ingenieure, dass die Basis von Anfang an gestimmt hat. Der BMW M3 DTM hat bewiesen, dass er ein echter Siegertyp ist.


Weitere Inhalte:

Motorsport-Magazin.com fragt
Facebook
DTM
Wir suchen Mitarbeiter
x