Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch wenn mit Palmer und Williams zwei große Namen hinter dem Projekt Formel 2 stecken, wird diese Serie mit Vorsicht zu genießen sein. Von den alten Glanzzeiten, in denen Jacky Ickx, Clay Regazzoni, Ronnie Peterson oder René Arnoux um die Europameister-Titel kämpften und siegten, ist man noch sehr weit entfernt - stattdessen scheint sich die Formel 2 zu einem Auffangbecken für bisher weniger erfolgreiche Fahrer zu entwickeln.

Die Formel 2 soll schnell, günstig und gut sein, Foto: Hartley/Sutton
Die Formel 2 soll schnell, günstig und gut sein, Foto: Hartley/Sutton

In der Hoffnung, die begehrte Williams-Testfahrt zu gewinnen, dabei möglichst wenig Geld zu investieren und dann irgendwie den Durchbruch zu schaffen, haben sich gleich zwei Dutzend - mehr oder weniger - erfolglose Fahrer eingeschrieben. Allen voran Andy Soucek, der in seiner fast zehn Jahre langen Karriere nur auf einen einzigen Titelgewinn zurückblicken kann. Der 23-Jährige Spanier gewann 2005 die nationale Formel 3-Meisterschaft, brauchte dafür aber vier Anläufe. In der GP2 konnte er sich daraufhin nie durchsetzen.

Einer seiner Nachfolger ist Germán Sánchez. Auch er konnte die spanische Meisterschaft gewinnen, sogar schon im dritten Jahr. Aber was ist dieser Titel wert? Im Vergleich zur internationalen Formel 3 EuroSerie oder der sehr starken deutschen Meisterschaft ist das Niveau in Spanien eher gering. Natacha Gachnang, die 2008 den dritten Gesamtrang belegte, wird es in der Formel 2 nicht leicht haben. Ob es die Schweizerin in der Formel 2 auf das Podium schafft, bleibt abzuwarten - bisher ist dies nur Hannelore Werner mit einem zweiten Platz beim Rennen auf der Nordschleife 1970 gelungen.

Palmer, Brundle und Surtees

Weitere eindrucksvolle Fahrerbeispiele sind Carlos Iaconelli oder Armaan Ebrahim. Sie kamen in der GP2 (Asia), dem Tor zur Formel 1, nie auf einen grünen Zweig. Punkte waren, wenn überhaupt, Mangelware. So kommt es, dass auf der offiziellen Serien-Webseite elfte Plätze als Highlights angepriesen werden. Im Fall von Iaconelli natürlich in einem unterlegenem Team wie BCN - aber genau dort machte Timo Glock auf sich aufmerksam und schaffte es zurück in die Formel 1.

Die Formel 2 war früher erfolgreich, Foto: Phipps/Sutton
Die Formel 2 war früher erfolgreich, Foto: Phipps/Sutton

Glanz und Glamour scheint es in der Formel 2 höchstens bei den Nachnamen zu geben. Palmer, Brundle oder Surtees klingen sicherlich toll - aber von den Erfolgen ihrer Väter sind Jolyon, Alex und Henry noch meilenweit entfernt. In zusammengerechneten zehn Jahren holten die Söhne gerade einmal zehn Siege...

Anstatt sich auf die kommende Saison zu freuen, sollte man lieber einen Blick in den Rückspiegel werfen und daran denken, wie erfolgreich die Formel 2 gewesen ist. Damals durfte man auf der über 20 Kilometer langen Nordschleife sogar im Formel 1-Feld mitfahren, viele Teams aus der Formel 1 beteiligten sich direkt in der kleinen Formel 2 - und boten jungen Fahrern eine Möglichkeit, ihr Können zu beweisen.Einer von ihnen war Jochen Rindt. Er erzielte in der Formel 2 zahlreiche Siege, wurde später sogar Weltmeister in der Königsklasse. Wohin sein Weg noch geführt hätte, blieb nach dem tödlichen Unfall in Monza ungewiss.

Immer wieder schafften es auch deutsche Talente ganz oben auf das Treppchen. Hans-Joachim Stuck, Manfred Winkelhock, Christian Danner und Stefan Belloff schafften sogar den Sprung in die Formel 1. 2009 wird Tobias Hegewald als einziger deutscher Fahrer an den Start gehen - es ist zweifelhaft, ob er auch einmal so groß herauskommt wie seine Vorgänger...