Noch eine Premiere für den Porsche RS Spyder: Nach seinem starken Auftritt bei den 12 Stunden von Sebring zum Saisonauftakt startet er am Abend des 12. Mai im Reliant Park in Houston erstmals auf einem Stadtkurs. "Ein Stadtrennen ist immer eine ganz besondere Herausforderung, vor allem wenn es in die Nacht geht", weiß Porsche-Motorsportchef Hartmut Kristen. "Wir haben uns jedoch optimal vorbereitet und sind zuversichtlich, wieder ganz vorne mitfahren zu können."
Sein Potenzial hatte der brandneue Porsche RS Spyder schon als Klassensieger bei seiner Rennpremiere im Oktober 2005 in Laguna Seca gezeigt. Beim Langstreckenklassiker in Sebring vor einem Monat lag das Auto mit der Startnummer 6 nicht nur an der Spitze seiner Klasse, sondern auch auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung, als es 49 Minuten und 38 Sekunden vor dem Ziel wegen einer gebrochenen Getriebeeingangswelle ausfiel. Ein Materialfehler, der das Team um den Erfolg brachte, für den über den Winter alle hart gearbeitet hatten. Dass Sascha Maassen, Lucas Luhr und Emmanuel Collard wegen der bis dahin zurückgelegten Distanz dennoch als Zweite der Klasse LMP2 gewertet wurden, war nur ein schwacher Trost.
"Die Performance unseres Autos stimmt. Das erkennt man allein schon daran, dass wir nach einem Reparaturstopp den Rückstand auf die Spitze von sieben auf zwei Runden bis zum Zeitpunkt unseres Ausfalls verkürzen konnten", blickt Hartmut Kristen auf Sebring zurück. Die Enttäuschung über das unglückliche Ausscheiden nach einem harten Kampf hatte sich aber noch im Fahrerlager in neue Motivation verwandelt. Dafür sorgte Roger Penske, dessen Team den Porsche RS Spyder einsetzt. "Wir werden bald Rennen gewinnen", bekräftigte die Ikone des US-Motorsports das gemeinsame Ziel. "Das gelingt durch eine noch höhere Zuverlässigkeit, eine noch bessere Strategie und mit etwas mehr Glück."
Revanche in Texas
Auf dem 2,735 Kilometer langen Stadtkurs im Reliant Park in Houston will Porsche die Gelegenheit zur Wiedergutmachung nutzen. Einem vergleichsweise leichten Auto wie dem RS Spyder kommt die Strecke durchaus entgegen, denn nach den neun langsamen Kurven ist eine gute Beschleunigung gefragt, und die ist zweifellos eine der Stärken des in Weissach entwickelten 480 PS-Achtzylinders.
Für die Fahrer ist die Strecke, neben der es typischerweise mehr Betonmauern als Auslaufzonen gibt, relativ unübersichtlich. Auch die Boxencrew steht bei dem 2:45-Stunden-Rennen unter ganz besonderer Anspannung. Ein Fehler in der Strategie, ein Stopp zur falschen Zeit – und das Rennen ist gelaufen.
Trotz der starken Vorstellung, die der Porsche RS Spyder in Sebring bis kurz vor dem Ziel ablieferte, ist das Rennen in Houston kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Weil die Funktionäre der American Le Mans Serie zur Wahrung des Kräftegleichgewichts beschlossen haben, den Konkurrenten von Porsche mit vergrößerten Luftbegrenzern zu mehr Motorleistung zu verhelfen, wird das Feld vermutlich noch enger zusammenrücken. Denn das ist die Philosophie dieser attraktiven Rennserie: Um den Zuschauern möglichst spannende Rennen zu bieten, werden nicht die guten Autos per Reglement eingebremst, sondern den etwas schwächeren wird geholfen. Auch wenn diese Entscheidung ein klares Indiz für die Wettbewerbsfähigkeit des Porsche RS Spyder ist, kann sie Hartmut Kristen nicht ganz nachvollziehen: "Die anderen haben auch genügend Leistung, das hat man im Training gesehen. Sie müssen sie im Rennen nur umsetzen."
Porsche legt LMP2-Kundensportprogramm auf
Angesichts des weltweit anhaltenden Aufwärtstrends bei den Sportprototypen hat Porsche jetzt die Entscheidung für ein Kundensportprogramm mit dem RS Spyder bekräftigt. Schon 2007 sollen ausgesuchte Privatteams das Auto in der Klasse LMP2 nicht nur in den USA, sondern auch in der Le-Mans-Rennserie in Europa (LMS) einsetzen können.
Es bestehen bereits Kontakte mit verschiedenen Teams, in erster Linie aus den GT-Klassen, die mit dem RS Spyder in eine höhere Kategorie aufsteigen wollen. Bis zur Jahresmitte will man alle Fakten beisammen haben, um die notwendige Planungssicherheit für alle Beteiligten garantieren zu können. Die stetig zunehmende Attraktivität der American Le Mans Serie wurde gerade durch die Ankündigung des Einstiegs von Honda Acura unterstrichen. Außer Porsche sind in der ALMS bereits so namhafte Marken wie Aston Martin, Audi, BMW, Chevrolet, Ferrari, Maserati und Mazda vertreten.
Beim Rennen in Houston will Porsche unter diesen Vorzeichen auch Werbung in eigener Sache machen. Unter der Regie von Penske Motorsports werden erneut zwei RS Spyder eingesetzt, mit denen man den Klassensieg im Visier hat. Mit der Startnummer 6 gehen Sascha Maassen (Belgien) und Lucas Luhr (Monaco) ins Rennen, Timo Bernhard (Dittweiler) und Romain Dumas (Frankreich) sind mit der Startnummer 7 unterwegs. Zur Vorbereitung auf das Rennen in Houston testeten Sascha Maassen und Timo Bernhard ihr Fahrzeug bereits letzte Woche auf der Rennstrecke in Mid-Ohio.
Traditionell starkes Aufgebot in der Klasse GT2
Auch in der Klasse GT2 ist Porsche stark vertreten. Jörg Bergmeister (Langenfeld) und Patrick Long (USA), die GT2-Gewinner des Vorjahres, sind im Porsche 911 GT3 RSR des Teams Petersen Motorsports/White Lightning Racing am Start. Mike Rockenfeller (Neuwied) und Klaus Graf (Dornhan) fahren den von Alex Job Racing eingesetzten 911 GT3 RSR, Johannes van Overbeek (USA) und Wolf Henzler (Nürtingen) den 911 GT3 RSR von Flying Lizard Motorsports.
Fahrerstimmen zum Rennen in Houston
Sascha Maassen:
Ein Rennen in der Stadt ist immer eine ganz besondere Herausforderung. Die Strecke in Houston ist für alle neu und wir haben nicht viel Zeit, das Auto optimal abzustimmen. Die größten Chancen hat also der, der möglichst schnell fährt. Unser Test letzte Woche ist sehr gut verlaufen. Wir hatten keine Probleme mit dem Auto und haben schon viel für Mid-Ohio ausprobiert, aber auch einige gute Erkenntnisse für Houston gewonnen.
Lucas Luhr:
Im Vergleich zu Sebring ist Houston eher ein Sprint. Eigentlich fahren wir nur Qualifyingrunden, voll am Limit. Ich hoffe, dass wir die LMP2 gewinnen können und im Gesamtklassement ganz weit vorne landen. Stadtkurse sind immer reizvoll. Du musst schnell fahren, hast aber keine Reserven, weil es praktisch keine Auslaufzonen gibt. Wenn du einen Fehler machst, hängst du in der Betonmauer. Trotzdem – auf allen Stadtkursen, auf denen ich bisher gefahren bin, habe ich auch gewonnen. Hoffentlich ist das ein gutes Omen.
Timo Bernhard:
Bei den Tests konnte ich mich noch besser auf den RS Spyder einstellen. Jeder Kilometer, den ich fahre, bringt mich weiter. Wir haben viel über das Auto herausgefunden. Schon in Sebring hat man gesehen, dass wir absolut konkurrenzfähig sind. Leider haben wir keine Punkte geholt, aber wir geben nicht auf. Houston wird nicht einfach werden, weil wir die Strecke nicht kennen und nur wenig Zeit haben, uns darauf einzustellen. Mit dem RS Spyder in der Stadt zu fahren, wird aber sicherlich spannend.
Romain Dumas:
Auf dem engen Stadtkurs wird es vor allem darauf ankommen, in der Startaufstellung so weit vorne wie möglich zu stehen. Das Qualifying wird also sehr wichtig sein. Erfahrungsgemäß gibt es auf einer so unübersichtlichen Strecke viele Gelbphasen, die das Überholen noch schwieriger machen. Die Strecke ist für alle neu, so gesehen sind alle in etwa auf einem Level. Ich denke, dass wir mit unserem leichten Auto auf diesem Kurs einen Vorteil haben.

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