Am kommenden Samstag startet Nicolas Hülkenberg, der Sieger der Formel BMW ADAC Meisterschaft, zusammen mit drei Kollegen aus den internationalen Formel BMW Serien im Rahmenprogramm des "Race of Champions". Vor der Kulisse von rund 60 000 erwarteten Motorsport-Fans wollen die vier Formel BMW Talente ihr fahrerisches Können im Pariser "Stade de France" unter Beweis stellen. Zehn Tage später geht es für Hülkenberg und 33 weitere Fahrer zum Weltfinale der Formel BMW in Bahrain. Der 18 Jahre alte Deutsche blickt bereits vor den hochklassigen Events auf eine erfolgreiche Saison zurück.

Am Ende konnte Nicolas Hülkenberg nicht nur einen Meistertitel, sondern auch einen Rekord für sich verbuchen. Das Nachwuchstalent aus dem nordrhein-westfälischen Emmerich sicherte sich als erster Fahrer der Formel BMW ADAC Meisterschaft sowohl den Titel als bester Rookie als auch die Krone des Champions. Acht Gesamt- und 16 Rookiesiege, neun Pole Positions und 14 Podestplätze wies die Wertung nach 20 Meisterschaftsläufen für Hülkenberg auf.

Seine Erfolge in der Saison 2005 verdankt Hülkenberg unter anderem seiner akribischen Vorbereitung. Der Blondschopf mit dem Lausbubenlächeln kam zu jedem Rennen mit einem Aktenordner unter dem Arm. Darin bewahrte er Datenaufzeichnungen und persönliche Notizen zu den gefahrenen Rennstrecken auf. Um sich kontinuierlich zu verbessern, klebte er sich schon mal einen Erinnerungszettel mit der Aufschrift "Mehr Zeit lassen beim Runterschalten" ins Cockpit. "Ich ärgere mich über Fehler", erklärt Hülkenberg, "der Zettel hilft mir, auf der Rennstrecke besser zu werden."

Als Neueinsteiger im Formel-Sport verblüffte er gleich am ersten Rennwochenende die Konkurrenz. Hülkenberg siegte zweimal beim Saisonauftakt am Hockenheimring. Von seinem fahrerischen Können hatte er bereits Monate zuvor die Juroren der Talentsichtung in Valencia überzeugt. Hülkenberg bekam einen von sieben Plätzen in der Formel BMW ADAC Förderung. Während der Saison durchlief er ein Ausbildungs- und Coachingprogramm, das unter anderem Seminare mit Themen wie Fahrtechnik, Chassis-Setup, Sponsoring, Fitness und Medien umfasste.

Hülkenberg absolviert neben dem Rennsport eine Ausbildung zum Speditionskaufmann im elterlich Betrieb. Dort lädt er bei Bedarf mit dem Gabelstapler Paletten von einem LKW in den nächsten. "Beim Staplerfahren braucht man Feingefühl. Das nützt mir auch auf der Rennstrecke", verrät Hülkenberg mit einem Schmunzeln. In der Box von Josef Kaufmann Racing wedelte der Youngster auch schon mal mit dem Putzlappen. "Nico ist ein sehr interessierter Fahrer. Er besuchte das Team in der rennfreien Zeit, weil er alles über das Auto wissen wollte", berichtet Teamchef Josef Kaufmann.

Kaufmann, bei dem bereits der ehemalige Formel-1-Pilot Gerhard Berger fuhr, setzte sich am letzten Rennwochenende ganz besonders für Hülkenberg ein. Er ging gegen die Entscheidung der Sportkommissare in Berufung, die nach einem umstrittenen Manöver im 19. Lauf zunächst den Schweizer Sébastien Buemi zum Champion erklärten. Aufgrund einer nachträglichen Ergebnisänderung durch das DMSB-Gericht in Frankfurt erhielt Hülkenberg die Meisterschaftskrone zugesprochen.