Der Italo-Österreicher Mirko Bortolotti galt nach seinem Weltmeistertitel 2011 in der neugeschaffenen Formel 2 als Formel-1-Nachwuchshoffnung. Aktuell fährt der 23-Jährige im Rahmen der World Series by Renault in der Eurocup Megane Trophy und führt die Gesamtwertung überlegen mit 63 Punkten Vorsprung an, aus acht Rennen konnte er in der Saison 2013 sechs für sich entscheiden. Motorsport-Magazin.com traf ihn zum Gespräch über gescheiterte Pläne und seine Zukunft im Motorsport.

Sie waren ein aussichtsreicher Kandidat auf die Formel 1. Woran ist dieser Plan gescheitert?
Das ist eine gute Frage. Im Singleseater-Bereich habe ich in den Jahren, in denen ich dort gefahren bin, alles erreicht, was ich erreichen konnte. Ich habe den Formel 3-Titel und den Formel 2-Titel geholt, bei den Formel 1-Testfahrten, die ich machen durfte habe ich mich gut präsentiert. Ich habe sportlich gesehen sicher alles gemacht, was ich machen konnte. Wir wissen alle, dass heute um in die Formel 1 zu kommen viele Faktoren mitspielen müssen. Die haben leider für mich nicht mitgespielt. Deshalb habe ich mich nach einer Alternative umsehen müssen, das war für mich der Tourenwagensport.

Wie schaut es für die Zukunft aus? Gibt es da irgendwelche Pläne, beim Titelgewinn in eine andere Serie zu wechseln?
Es ist alles offen, muss ich ganz ehrlich sagen. Vom Prototypen bis zum weiteren Verbleib im Tourenwagen- oder GT-Sport. Oder sogar ein weiterer Auftritt im Formelsport, das ist allerdings ein bisschen weniger realistisch als die anderen Alternativen. Auch Langstreckenrennen wären in diesem Zusammenhang denkbar. Mir stehen noch alle Türen offen, ich bin ja noch jung. Mittlerweile bin ich auch reich genug an Erfahrung, um mich schnell auf ein neues Auto einstellen zu können. Momentan konzentriere ich mich allerdings voll und ganz auf die Megane-Trophy mit Renault und was danach passiert, werden wir sehen. Die Zukunft lässt sich ohnehin nicht voraussagen.

Sie haben bei Formel-1-Testfahrten in Fiorano die Rekordzeit von Kimi Räikkönen gebrochen. Denken Sie, Sie könnten in der Formel 1 jederzeit mithalten?
Ja. Ich glaube, das zeigen auch die Ergebnisse. In der Formel 1 hängt natürlich immer sehr viel vom Team ab, für das man fährt. Auch andere Faktoren spielen da eine wichtige Rolle: Testkilometer und so weiter. Unter normalen Umständen wäre ich aber auf jeden Fall bei der Musik dabei.

Sie fahren aktuell in der Renault Megane Trophy. Was sind das für Fahrzeuge, die dort an den Start gehen?
Mit einem Formelfahrzeug kann man das überhaupt nicht vergleichen, der aerodynamische Abtrieb ist quasi überhaupt nicht vorhanden. Es ist ein Auto mit Dach, hat zwar die gleiche Leistung wie ein Formelfahrzeug, aber das doppelte Gewicht. Auch der benötigte Fahrstil und die Vorbereitung sind komplett anders als alles, was ich davor gewohnt war. Mit einem Straßen-Megane kann man die Fahrzeuge allerdings auch nicht vergleichen. Wenn man sich das Auto genauer ansieht, sieht man, dass das eigentlich ein kleiner Prototyp ist, der extra gebaut und entwickelt wurde. Er wiegt auch viel weniger, die einzige Gemeinsamkeit mit der Straßenversion ist das Aussehen, der Motor ist im Gegensatz zum normalen Auto bei der Rennversion hinten. Fast ein bisschen wie in der DTM.