Letztens wurde ich angesprochen, ob es manchmal wie im Kindergarten sei. Gemeint war die Arbeit mit meinen Fahrern in der Formel BMW. Aber ganz ehrlich: Die Fahrer sind, auch wenn sie erst 16 oder 17 sind, keine normalen Jugendlichen. Sie sind Leistungssportler und tolle Persönlichkeiten. Daher ist die Arbeit auch mit den Jungs professionell. Wer seinen Job nur halbherzig macht hat im Motorsport auch keine Chance. Zeit Ihnen meine Jungs vorzustellen, die - zum Glück - alle ganz verschieden sind.

Max Wissel

Max Wissel - bereit für den Titelkampf., Foto: BMW
Max Wissel - bereit für den Titelkampf., Foto: BMW

Zusammen mit Jens Höing ist Max der schnellste Fahrer des GU-Racing Teams. Seine Stärke ist, dass er auch konstant ist und mit einem nicht optimalen Auto zurecht kommt. Max wirkt recht cool - fährt seine Rennen aber in der Regel überlegt. Dennoch war er in Oschersleben in den Startunfall der ersten 3 Fahrer verwickelt und hatte am Lausitzring einen Motorschaden. Das erklärt auch, warum er in der Gesamtwertung derzeit nur auf Platz 10 liegt. Immerhin war Max im letzten Jahr Dritter der Rookie-Wertung und eigentlich bereit für den Titelkampf. In den nächsten Rennen sollte Max aber um Siege mitfahren, was vor allem daran liegt, dass auf den kommenden Strecken unsere Autos sehr gut gehen sollten. Der 17-Jährige, der die zweite Saison für GU-Racing fährt, absolviert neben dem Motorsport eine Lehre im Betrieb seines Vaters. Umgekehrt spielt Max Vater an den Rennwochenenden seinen Mechaniker.

Jens Höing

Jens ist wirklich ein spezieller Fall. Fangen wir einfach an. Jens kann verdammt schnell sein und macht sich Tag und Nacht Gedanken um den Motorsport. Aber er ist viel zu emotional dabei. Ich kenne keinen Fahrer der so verbissen ist - damit steht er sich oft selbst im Weg. Ein Beispiel: In Oschersleben lag er auf Platz 5 und schmiss am Samstag kurz vor Rennende seinen Wagen ins Gras. Danach leistete er sich eine blöde Aktion und wurde disqualifiziert. Für das Sonntagsrennen wurde er auf den letzten Startplatz gestellte. So kann man sich also auch ein Rennwochenende kaputt machen. Als einziger unserer Fahrer ist Jens abergläubisch. Am Lausitzring ist er am Freitag-Abend nach Berlin nach Hause gefahren, um sich einen anderen Anzug zu holen.

Jens sitzt nicht nur im Cockpit - er zieht auch die Marketing-Fäden im Hintergrund., Foto: GU Racing
Jens sitzt nicht nur im Cockpit - er zieht auch die Marketing-Fäden im Hintergrund., Foto: GU Racing

Das hat ihm zwar nicht geholfen, aber jeder Fahrer muss seine eigene Strategie haben, um an sich zu glauben. Nächstes Jahr möchte Jens für GU-Racing in die Formel 3 einsteigen. Vor allem braucht Jens jetzt einen Erfolg. Für sein Selbstbewusstsein und für sein Punktekonto - da steht nämlich derzeit nichts Zählbares. Wir wissen, dass Jens enormes Talent hat, aber er muss jetzt für sich selbst seinen Weg finden, dann kommt der Erfolg. Nach einer Veränderung an seinem Formel BMW hoffen wir auch, dass ihm das Auto jetzt besser liegen wird.

Interessant ist noch etwas: Beim Ausbau von GU-Racing habe ich einen Marketing-Leiter gesucht. Weil ich keinen gefunden habe, sollte sich Jens anfangs darum kümmern. Immerhin studiert er noch Sport-Management und kennt sich bestens im Motorsport aus. Die Suche habe ich inzwischen aufgegeben und Jens kümmert sich um das Marketing von GU-Racing. Für unsere eigene Formel-Serie - die Formula Europa by Liqui Moly - leitet Jens Höing das Ausbildungsprogramm für die jungen Fahrer. Damit ist er eigentlich fester Bestandteil von GU-Racing. Er sorgt für Spaß und Chaos, unter dem Strich profitieren aber alle von der Lösung.

Nikoley Varbitcaliev

Nikoley Varbitcaliev ist neu in der Formel BMW., Foto: BMW
Nikoley Varbitcaliev ist neu in der Formel BMW., Foto: BMW

Nikoley fuhr bereits im Jahr 2006 eine komplette Testsaison bei GU-Racing. Er ist also bestens mit dem Team und dem Formel BMW vertraut. Was ihm jedoch fehlt, ist die Erfahrung auf den wichtigen Strecken. Ebenso schafft er es noch nicht, im Zeittraining alles in einer Runde zusammen zu kriegen. Mit anderen Worten: Er kämpft derzeit mit den üblichen Problemen eines Rookies. Dazu zählen auch Verwicklungen in harte Mittelfeldkämpfe in den Rennen. Dennoch sollte der Bulgare, der übrigens Deutsch spricht, es schaffen innerhalb der nächsten Rennen dauerhaft unter die ersten 10 zu fahren. Nebenbei geht der 17-jährige aus Sofia noch zur Schule.

Carlos Gaitan

Carlos Gaitan ist auch erst 17 Jahre alt, allerdings kein Rookie mehr. Er kann schon ein paar Erfolge aufweisen: Zweiter in der Formel Renault in Mexiko und Meister des Formel Cup Mallorca 2007. Daraufhin erhielt er auch von mir den Zuschlag für GU-Racing Formel BMW zu fahren. Carlos ist extra nach Europa gekommen für seine Motorsport-Karriere. Er findet, dass er in Europa die wesentlich bessere Ausbildung in härteren Rennserien erfährt, was sicherlich keine dämliche Idee ist. Bei seinem ersten Rennen wurde er in Oschersleben gleich Neunter. Damit konnte Carlos zufrieden sein, dennoch muss er in manchen Bereichen härter arbeiten um das Niveau von Max und Jens zu erreichen. "Captain Choas" - wie er von den GU-Racing Mechanikern genannt wird - lebt inzwischen bei GU-Racing in München. Er fühlt sich so wohl, dass er sogar mit unserem Mechaniker Marco eine WG teilt. Zwar bin ich mir noch nicht sicher, ob ihn das schneller macht, dafür lernt er Deutsch und Marco Spanisch! Wenn's also hilft...

Eins ist sicher: Ob Hektik, Emotionen oder Chaos. Es gibt immer etwas Neues und das ist es, was mir Spaß macht. Ich bewundere die einzelnen Persönlichkeiten meiner jungen Fahrer sehr. Nun steht das nächste Rennwochenende an. Nach Pech zum Saisonstart hoffe ich auf Podestplätze von Max oder Jens. Nikoley und Carlos sollten für GU-Racing in die Top-10 fahren. Andrei Harnagea wird nicht mehr für GU-Racing fahren. Der Rumäne hat Schwierigkeiten mit seinem Sponsor. Schauen wir also was die GU-Racing Piloten auf dem Stadtkurs machen. Für die weiblichen Leser möchte ich übrigens noch anmerken, dass Zwei der vier Jungs noch zu haben sind...