Jens Klingmann (Eifelland Racing) ist Rookiesieger der Formel BMW Deutschland 2006 – und hat noch lange nicht genug. "Ich habe mich anfangs nicht auf die Rennstrecke getraut", sagt Klingmann, und dann muss er lachen. So hört sich das an, wenn ein Anfänger über seine Anfänge spricht. Klingmann ist 16 Jahre alt. Vor neun Jahren war er mit einem Kart zum ersten Mal auf der Strecke, vor zehn Jahren hat er mit dem Motorsport angefangen – auf dem Bauernhof einer befreundeten Familie. Er steuerte um die Scheune in Gauangelloch, seinem Herkunftsort südlich von Heidelberg, weil er sich noch vor der Rennstrecke fürchtete. 1996 war das. Damals wurde Damon Hill Weltmeister in der Formel 1. Heute will Klingmann auch dorthin.

Ein Vorbild hat er eigentlich nicht, aber so wie es bei Sebastian Vettel zuletzt lief, hätte es Klingmann auch gerne. Vettel fuhr einst selbst in der Nachwuchsserie und ist jetzt Testfahrer in der Königsklasse – die Formel BMW Deutschland bewies sich erneut als Talentschmiede. Wenn Klingmann über seine Karriere spricht, wird deutlich, dass der Elftklässler ziemlich genaue Vorstellungen hat, wie sich alles entwickeln soll.

Vom 24. bis 26. November findet das DELL Formel BMW Weltfinale in Valencia statt, "da möchte ich schon unter die ersten Fünf kommen", sagt Klingmann. So selbstbewusst wie an der Strecke tritt er aber nicht immer auf: "In der Schule spreche ich eigentlich wenig über Motorsport, denn es gibt immer Neider, die das nicht so toll finden, wenn ich sage, dass ich Rennfahrer sei." Viele seiner Schulkameraden verstünden sowieso nicht so viel vom Motorsport, meint Klingmann. Seine Freundin, mit der er seit acht Monaten zusammen ist, allerdings schon: "Das hat mich selbst gewundert." In drei Jahren macht er Abitur an einem Heidelberger Gymnasium - dort findet er neben Sport Englisch am besten, aber die Noten stimmen ohnehin in allen Fächern.

Eigentlich ist Jens Klingmann schon viel mehr Berufssportler als Schüler. Motorsport ist für ihn längst mehr als nur ein teures Hobby. "Zum Glück bin ich Einzelkind", sagt er, "denn sonst wäre das alles nicht in dem Maße möglich gewesen." Als Formel BMW Junior unterstützt ihn BMW zusätzlich mit 50.000 Euro pro Saison. "Und bald will ich damit auch mein Geld verdienen", erklärt er. Wenn der blonde 1,86-Meter-Schlacks so dasteht im Fahrerlager, immer freundlich im Umgang mit allen Mechanikern und Kollegen, strahlt er eine für einen 16-Jährigen verblüffende Reife und Entschlossenheit aus. Nichts zu spüren von dem kleinen Jens, der um die Scheune fährt, weil er Angst vor der Strecke hat.