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Boss GP

NASCAR, Formel E, GP2, GP3 u.a.: Hier sind alle weiteren Serien daheim.
Beitrag Mittwoch 17. August 2016, 14:32

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Ich war vor einer Woche beim Boss GP in Holland und muss sagen: Geile Rennserie!

Zum Starten müssen drei Mechaniker den Forti-Judd FG03 anschieben, aber wenn er denn mal läuft, dann bebt der Asphalt. Der 750 PS starke 4,0-Liter-V10-Motor macht einen brutalen Lärm, es riecht nach Benzin, und die Tribünen bei den Gamma Racing Days im niederländischen Assen sind voll: Rund 100 000 Zuschauer strömen an die Strecke – und das Highlight der Veranstaltung ist die Boss-GP-Serie.

Boss steht für Big Open Single Seater. Hier kann alles fahren, was viele PS hat und ein Formel-Fahrzeug ist: Formel-1-Flitzer aus den 1990er- und 2000er- Jahren, ein 2007er Champcar, GP2- Rennwagen, zwei der 770 PS starken Monoposti der früheren Superleague Formula – das Feld ist kunterbunt. „Damit sind wir spektakulär, außergewöhn- lich und einzigartig“, findet Serienkoordinator Christian Gänse (39). Und wohl nicht nur er. Die Serie wird immer beliebter. Bis zu sieben Formel-1-Rennwagen sind in diesem Jahr am Start.

Mit dabei: Hans Laub (57) mit seinem Forti-Judd. Das Modell war 1996 in der Formel-1-WM vertreten, mit dem langjährigen Ferrari-Testpilot Luca Badoer (45) als Fahrer. Damals fauchte im Heck noch ein Ford-Cosworth-V8-Motor, inzwischen ist im Forti-Renner ein Judd-Triebwerk verbaut. Laub erklärt in AUTO BILD MOTORSPORT: „Der hat 130 PS mehr als der ursprüngliche Motor."

Basteln ist nicht nur erlaubt, es gehört dazu: Tabellenführer Ingo Gerstl (49) hat bis vor drei Jahren einen GP2-Rennwagen stark weiterentwickelt: 28 Kilo Gewicht abgespeckt, Formel-1-Heckflügel eines 2012er Toro Rosso angebaut, DRS installiert, Unterboden getunt. „Aber man kann aus einem Esel kein Rennpferd machen“, lacht Gerstl. Deswegen fährt er jetzt einen Toro Rosso aus dem Jahr 2006 mit dem 930 PS starken Cosworth-V10.

Hans Laub hat erst vor vier Jahren mit dem Rennsport begonnen. Drei Mal gewann er mit einem Renault-3.5 und GP2 die Master-Klasse. Dann der Umstieg in einen Formel 1. Sein Auto hat er Vorbesitzer Gerstl abgekauft. Laub: „Das ist das höchste der Gefühle, gerade für einen Benzin-Junkie wie mich. Vor dem Rennen wärmen wir den Motor noch auf 65 Grad Wassertemperatur auf – dann heißt es einfach losfahren und Spaß haben.“ Dieser Spaß kostet 8000 Euro pro Rennwochenende. „Würde ich nicht alles selber machen, wären die Kosten höher“, sagt Laub. Gebraucht wird beispielsweise Rennbenzin mit 102 Oktan und mehr Sauerstoff.

In Assen belegte Laub zuletzt mit seinem 200 000 Euro teuren Auto die Plätze zwölf und elf (P3 in der Klasse Open). Was wichtig war: „Ich konnte viele Kilometer abspulen. Das Auto kann mehr als ich, aber wegen technischer Probleme fehlt mir das Training.“ Das nächste Mal kann er am 11. 9. beim Rennen in Brünn üben.

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