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GP-Fahrzeuge von Peugeot vor 1950

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Beitrag Donnerstag, 05. Januar 2012

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Weil wir gerade über den 1993 geplanten F1-Peugeot diskutiert haben: In der Vorkriegszeit hat Peugeot ja eigene GP-Rennwagen eingesetzt. Besonders in den 1910er Jahren war Peugeot mit eigenen Fahrzeugen recht erfolgreich, sowohl in Europa bei GP-Rennen, als auch in Amerika, unter anderem beim Indy-500. Peugeot setzte in beiden Erdteilen die gleichen Fahrzeuge ein, oder nicht?

Zwei Modelle sind mir bekannt: Der Peugeot L76, der rund 130 PS leisten sollte. Außerdem noch der Peugeot EX3.

Siegreiche Peugeot-Fahrer jener Zeit waren Georges Boillot, Jules Goux und Dario Resta.

Hat jemand ausführliche Informationen zu den Peugeot-GP-Boliden vor 1950?

Beitrag Donnerstag, 05. Januar 2012

Beiträge: 45398
Also ich hab jetzt mal bisschen recherchiert. Ich weiß nicht, ob das alles so stimmt, also bitte verbessern, ergänzen etc:

Peugeot war nur eine recht kurze Zeitspanne im GP-Sport richtig gut: Von 1912 bis 1914. Doch diese Ära prägte Peugeot. Man gewann die bedeutendsten Rennen in Europa und in Amerika – aber man schaffte auch technische Fortschritte. Beim Design setzte man neue Maßstäbe, vor allem aber der Motor soll damals ein richtiger Sprung gewesen sein. Der Peugeot L76 von 1912, der rund 130 PS leistete, hatte einen 7,6-Liter-Hubraum-Motor. 7,6-Liter sind natürlich viel, doch Peugeot setzte damit trotzdem ein Ende hinter den immer monströser werdenden Motoren, denn man wurde immer effektiver (bei den Rennen damals wurden immer wieder verschiedene Reglements zur Anwendung gebracht, bei manchen Rennen gab es nur eine Begrenzung der erlaubten Benzinmenge. Gerade bei der Leistung pro Liter Benzin muss Peugeot also richtig gut gewesen sein) und baute den Motor auch konzeptionell anders, die Zylinder in V-Anordnung und erstmals auch mit vier Ventilen pro Zylinder und zwei oben liegenden Nockenwellen kombiniert. (Sorry, wenn das so nicht stimmt, bin nicht so der Technik-Experte und das meiste, was ich im Internet gefunden habe, war auch noch Englisch). Es war irgendwie auch von einer Doppelzündung die Rede…?

Der Peugeot, Chassis und Motor, wurden damals von vier Personen entwickelt: Die Rennfahrer Georges Boillot, Jules Goux und Paul Zuccarelli, sowie der damals erst 26-jährige Schweizer Designer Ernest Henry. Henrys genaue Rolle ist umstritten: Möglicherweise war er der Chef des Teams, möglicherweise brachte er die Ideen der drei Fahrer nur gekonnt zu Papier – oder er beförderte Know-How zu Peugeot – vom spanisch-schweizer Hersteller Hispano-Suiza. Hispano-Suiza und Peugeot kämpften damals in der Voiturette-Klasse gegeneinander, damals so etwas wie die GP2 heute. Beide wollten dann für 1912 den Schritt in den GP-Sport wagen und bauten beide einen GP-Rennwagen. Peugeot warb dann Zuccarelli und Henry von Hispano-Suiza ab, die daraufhin Peugeot sogar verklagt haben sollen – wegen Spionage. Mit Zuccarelli und Henry gab es jedenfalls ordentlich Wissensfluss zu Peugeot, aber ob sich Peugeot wirklich mit fremden Federn geschmückt hat, ist nicht erwiesen, denn zwar plante auch Hispano-Suiza einen revolutionären Motor, aber Peugeot legte möglicherweise noch eine Schippe drauf.

Ich hab außerdem gelesen, dass Peugeot zwei verschiedene Teams mit der Konstruktion des GP-Rennwagens für 1912 beauftragte und der Sieger eben finanziell und mit dem Namen Peugeot unterstützt werden sollte. Das war eben die Konstruktion von Zuccarelli, Henry, Goux und Boillot. Die andere sollte Ettore Bugatti auf die Beine stellen, aber er unterlag offenbar. Weiß nicht, in wie weit das stimmt.


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