Foren-Übersicht / Formel 1 / Historisches

BRM V-16????

Das Formel 1 Forum früherer Tage...
Beitrag Sonntag, 14. März 2004

Beiträge: 86
Durch Zufall bin ich per Internet zum
Motorsound des BRM-V16 gekommen.
Ich wusste gar nicht dass zu damaliger Zeit solche
Motoren entwickelt wurden.
Wer war der Konstrukteur und wann wurde dieser Motor entwickelt ?
Ist es jemals zu einem Renneinsatz gekommen?
Vielleicht hat sogar jemand technische Daten darüber.

Wünsche noch einen angenehmen Sonntag :lol:

Beitrag Sonntag, 14. März 2004

Beiträge: 3257
V16? Meines Wissens nach war das ein H16. Der Motor wurde Mitte-Ende der 60er eingesetzt (zB 1967, weiß ich vom Spiel "Grand Prix Legends" ;) ). Genaueres weiß ich allerdings auch nicht...
04.05.06 - mein Vierteljahrhundert!

Rossi is not good, he is God! (Transparent beim GP von Italien 2005)

Beitrag Sonntag, 14. März 2004

Beiträge: 8060
Na gut; 16-Zylinder sind im Prinzip öfter eingesetzt worden. Spontan fallen mir der Alfa-Romeo V16 von 1938/39 und der BRM V16 von 1950/51 (später in Formula Libre Rennen gefahren) ein - und natürlich der V16 der Auto Union. Bugatti baute einen - wenig erfolgreichen - V16 (ich glaube im Typ 45), Coventry Climax hatte zu Ende der 1,5-l-Formel 1965 einen V16 entwickelt, der aber nicht eingesetzt wurde - was vielleicht auch gut so war! In Indianapolis gab's da noch den Sampson V16, und auch Miller baute meines Wissens nach einen 16er. Vielleicht fällt ja jemanden noch ein anderen 16er ein.

An einen erfolgreichen 16-Zylinder erinnere ich mich - abgesehen von der Auto Union - überhaupt nicht. So gesehen war BRMs H16 (wie hier schon richtig erwähnt) noch einer der erfolgreicheren, auch wenn er nur einen Sieg einfuhr und das auch noch in einem Kundenchassis mit Jim Clark am Steuer des Lotus bei seinem (glücklichen) Sieg in Watkins Glen 1966.

BRM huldigte ja schon immer gerne der 'Vielzylindrigkeit' und ließ sich auch durch ihre extrem schlechten Erfahrungen mit dem V16 während der 1,5/4,5-l-Formel nicht stören. In diesem Fall wurde aber die 4 x 4 Zylindereinheit nicht zweimal hintereinander, sondern 2 x 2 übereinander angeordnet, um Baulänge zu sparen. Bildlich kann man sich das so vorstellen, daß zwei V8 Motoren mit je 1,5-l-Hubraum von 90° aus 180° 'aufgeklappt' wurden und dann übereinander gelegt wurden. Ja, ich glaube sogar die 1,5-l-Einheit wurde mehr oder weniger aus dem erfolgreichen 1,5-l-V8 entnommen. Der Motor war ungeheuer kompakt und steif und sah auch recht eindrucksvoll aus, aber er war kompliziert und lief nie so wie man es sich vorgestellt hatte; man stelle sich nur mal den Aufwand für die Montage und die Einstellung der Steuerzeiten vor. Und selbst wenn er einmal lief, tat er das meist nicht lange, weil er sehr anfällig für Drehschwingungen war - das führte meist zu unangenehmen Brüchen mit Totalschaden. Das Projekt lebte nicht mal ganz zwei Jahre lang und wurde am Schluß sogar noch zum Vierventiler weiterentwickelt - mit sagen und schreibe 64 Ventilen! Auch sein Gewicht war rekordverdächtig: 232 kg. Das Monstrum soll 1967 über 400PS entwickelt haben, aber trotz extrem leichter Magnesium-Bauweise lag man mehr als 100 kg über dem Gewichtslimit.

Immerhin - einen bleibende Errungenschaft in der Formel 1 haben wir dem H16 zu verdanken: da er hoch und breit war konnte die damalige Chassis-Bauweise nicht beibehalten werden. Es war unmöglich, mit dem Gitterrohrrahmen oder Kastenprofilträgern am Motor vorbeizukommen. Also machte man aus der Not eine Tugend und setzte ihn als volltragendes Element mit ein - eine Technik die bald von allen übernommen werden sollte, weil sie Gewicht sparte. Man ist bis heute dabei gelieben...

Beitrag Sonntag, 14. März 2004

Beiträge: 8060
Hoppla, vielleicht meinst Du ja doch den V16 von 1950, eine aufgeladene 1,5-l-Maschine. Was gibt's darüber zu sagen, außer dass das Projekt noch haarsträubender war als der H16 von 1966. Es war BRMs erstes Projekt - und man hatte sich gleich an ein äußerst kompliziertes gewagt. Der mit Kompressor aufgeladene V16 war zeitweilig einer der leistungsfähigsten GP-Motoren weit und breit mit einer Leistung von 330 PS bei 10.250 U/min. in der ersten Ausbaustufe und sage und schreibe 525 PS im Jahr 1952. Man nannte zwar noch mehr, aber das wurde selten, wenn überhaupt, erreicht. 440 PS dürften eine reele Größe gewesen sein - und auch die waren nur in einem sehr engen Drehzahlbereich zu nutzen. Seine Standfestigkeit war aber alles andere als gut - wenn er mal ein Rennen gewann, dann war es ein kurzes Sprintrennen in der Formula Libre oder bei irgendwelchen niederen Clubrennen. Das Fahrgestell war recht lieblos gebaut, unkompliziert und stammte in vieler Hinsicht aus den Dreißigern und das allein nahm den Fahrzeug schon viel von seiner Schlagkraft.

In der Formel 1 fuhr er nur ein Rennen (Silverstone 1951), wo er von Sieger Gonzales 5x überrundet wurde. In Monza 1951 zog sich das Team, nachdem in Training häufige Schäden auftraten, noch vor dem Start zurück. Erst 1954/55, als er längst in keine gänige Formel mehr passte, war das nur leichtere, modernere und kompaktere Auto erfolgreicher; aber da war bereits alles zu spät.

Beitrag Montag, 15. März 2004

Beiträge: 8060
Hier nochmal der H16 in all seiner Pracht...

Bild

...und der nicht minder eindrucksvolle V16:

Bild

Beitrag Montag, 15. März 2004

Beiträge: 3257
Alfalfa hat geschrieben:
Immerhin - einen bleibende Errungenschaft in der Formel 1 haben wir dem H16 zu verdanken: da er hoch und breit war konnte die damalige Chassis-Bauweise nicht beibehalten werden. Es war unmöglich, mit dem Gitterrohrrahmen oder Kastenprofilträgern am Motor vorbeizukommen. Also machte man aus der Not eine Tugend und setzte ihn als volltragendes Element mit ein - eine Technik die bald von allen übernommen werden sollte, weil sie Gewicht sparte. Man ist bis heute dabei gelieben...

War es nicht Lotus mit dem 49 und dem Cosworth DFV-Motor, die diese Technik erstmals anwandten?
04.05.06 - mein Vierteljahrhundert!

Rossi is not good, he is God! (Transparent beim GP von Italien 2005)

Beitrag Montag, 15. März 2004

Beiträge: 8060
Nee, ich denke der Lotus 43 inspirierte da den 49er. Die beiden sehen sich ja auch verdammt ähnlich. Trotz der Monstermaschine im Heck wirkte der 43er immer sehr schön und elegant. Für mich (''persönliche Meinung'') einer der schönsten Lotus Einsitzer.

Beitrag Montag, 15. März 2004

Beiträge: 86
Ich bin sehr überrascht dass mehrere Hersteller bzw. Teams
mit 16 Zylinder Motoren unterwegs waren.
Alleine der BRM V16 mit den 525 PS war für den damaligen Stand der Technik meiner Meinung nach eine Meisterleistung.
Es wäre sehr interessant beim jetzigen Stand der F-1 Technik
einen V16 zu entwickeln.
Anhand der Bilder kann man nur von Glück sprechen dass es Enthusiasten
gibt welche diese Fahrzeuge aktiv halten.
Ich bin mir nicht ganz sicher ob ich die Sound-Datei nicht von der Tauschbörse imesh runtergeladen habe. Tut mir leid hier keine genauen Angaben darüber geben zu können. Sollte jemand Interesse haben kann ich ja per email den Motorsound senden. :cry:

Beitrag Montag, 15. März 2004

Beiträge: 343
BRM baute sogar mal eine 32 Zylinder. Der aber nie zum Einsatz kam

Beitrag Mittwoch, 17. März 2004

Beiträge: 8060
...klingt zwar sagenhaft, wäre mir aber neu. Würde mich interessieren mehr davon zu hören...


Zurück zu Historisches