formelchen hat geschrieben:
Der Versuch, das Ganze als „nur ein missverstandenes Szenario“ darzustellen, ist ziemlich unehrlich. Denn genau dieses Szenario – RCP8.5 bzw. später SSP5-8.5 – wurde jahrelang von Medien, Aktivisten und teilweise auch Institutionen faktisch als „Business as usual“ verkauft. Obwohl führende Forscher schon seit Jahren darauf hingewiesen haben, dass es extrem unwahrscheinlich ist.
Es haben alle Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass es ein extrem unwahrscheinliches Szenario ist. Auch der IPCC selbst. Es war schon immer der Worst Case Szenario. Im Szenario war beschrieben, dass das so kommen könnte, wenn es keinerlei Klimaschutzmaßnahmen gibt, das steht so schwarz auf weiß im Szenario gibt. Die gibt es nun aber, also wird dieses Szenario eintreten. Dass da jetzt die Klimawandelleugner-Fraktion ein riesiges Ding draus macht, war fast zu erwarten, zeigt aber nur, dass die nicht lesen können.
formelchen hat geschrieben:
„Wenn wir nichts tun, steuern wir auf 4–5 Grad zu.“
Das ist eine völlig richtige Schlagzeile. Genau das ist nämlich der Punkt:
Wenn wir nichts tun, steuern wir auf 4-5 Grad zu." ist genau dieses Szenario. Aber wir tun eben ja was! Also kann jeder, der zumindest die 1. Klasse mal besucht hat, verstehen: Ah wir tun was, also kann dieses Szenario, das eintreten könnte, wenn wir nichts tun, auch nicht eintreten.
formelchen hat geschrieben:
Kipppunkte, Weltuntergangsszenarien, Milliarden Klimaflüchtlinge usw.
Kippunkte und Klimaflüchtlinge sind nach wie vor realistisch. Von Weltuntergangsszenarien habe ich noch nie was gelesen. Richtig aber ist, dass - und das gilt nach wie vor - es bei einem größeren Klimawandel, der vor allem sehr schnell kommen könnte, es zu einem großen Artensterben kommt. Wie bei früheren Klimawandel in der Geschichte der Erde auch schon. Und das beobachten wir derzeit ja auch.
formelchen hat geschrieben:
Das Problem ist nicht, dass Wissenschaft Szenarien benutzt. Das Problem ist, dass ein extrem unrealistisches Szenario medial und politisch jahrelang wie die Standardzukunft behandelt wurde. Selbst Klima-Wissenschaftler wie Zeke Hausfather oder Detlef van Vuuren sagen inzwischen offen, dass RCP8.5 nie als wahrscheinlich gedacht war.
Nochmal: Das war schon immer ein extrem unwahrscheinliches Szenario und war als solcher auch immer so in den IPCC-Berichten gekennzeichnet. Schau sie dir doch mal an.
formelchen hat geschrieben:
Klimamodelle überschätzen teilweise Risiken,
Klimamodelle haben bisher zu 82% ins Schwarze getroffen und bei den restlichen 18 Prozent haben Klimamodelle die Realität eher unterschätzt.
Du verwechselst hier auch permanent Dinge. Beim RP8.5. Szenario haben ja nicht die Klimamodelle etwas falsches ausgerechnet, sondern man hat sie mit Daten gefüttert, die eben jetzt auszuschließen sind. Das Klimamodell berechnet eben das Klima anhand von Ausgangsfaktoren. Also zum Beispiel wie stark und wie schnell steigen die CO2-Emissionen. Ausgehend von den 1980er Jahren hätten wir nichts gemacht an Klimaschutz hätte man das Klimamodell also mit anderen Daten füttern müssen als jetzt, wo eben schon was gemacht wird. Ehrlich gesagt versteh ich nicht, dass man das nicht versteht. Ich versteh natürlich, warum die rechte Ecke das jetzt propagandisiert das Thema. Und man sieht ja an dir, wie naiv da Menschen drauf reinfallen.
Aber dreh das Problem doch mal um und spiel das mit einer AfD-Propaganda-These durch: Die AfD sagt, mehr Flüchtlinge lässt die Kriminalität steigen. Wenn wir also so weitermachen wie bisher, haben wir im Jahr 2100 die Zahl X an Flüchtlingen da und das würde dann folgende Kriminalitätsrate nach sich ziehen. Wenn wir aber jetzt alles unternehmen, dass wir keine Flüchtlinge mehr in Deutschland haben und die Kriminalität steigt dann nicht, dann ist doch nicht automatisch die AfD-These falsch. Nur weil ich etwas unternehme, damit etwas nicht passiert, heißt das ja nicht, dass auch nichts passiert wäre, wenn ich nichts unternommen hätte. Ersetze Flüchtlinge mit CO2 und schon verstehst du es vielleicht.
Um das nur nochmal klarzustellen: Diese These mit den Flüchtlingen teile ich so nicht. Ich wollte es nur mal in deiner Sprache klarmachen, dass deine Aufregung absolut lächerlich bezüglich das RP8.5-Szenario
formelchen hat geschrieben:
Extrempfade wurden überbetont,
Ja, da wiederspreche ich dir auch gar nicht. Da hast du sicher einen Punkt. Genauso wie übrigens auch nicht jedes Unwetter gleich dem Klimawandel geschuldet ist. De facto ist es sogar so (und auch das sagt die Wissenschaft ganz klar): Jedes Unwetter wird durch eine spezielle Wetterlage ausgelöst. Die Frage ist nur, ob der Klimawandel das Ereignis noch verschärft oder eher abmildert oder ob solche Wetterlagen durch den Klimawandel häufiger auftreten.
Aber das kennt man von Medien in allen Bereichen und bei allen Themen. Und übrigens auch bei allen Medien, aiuch bei den Schwurbelmedien. Nur werden da eben Horrorszenarien in anderen Themen völlig übertrieben dargestellt.
formelchen hat geschrieben:
Auch die Behauptung „wir haben harmlose Szenarien längst übertroffen“ klingt dramatisch, ist aber ohne Kontext wertlos. Bei manchen Einzelindikatoren stimmt das, bei anderen eben nicht. Gerade bei Emissionen liegen wir inzwischen deutlich unter den früher dominierenden Worst-Case-Pfaden. Deshalb wurde SSP5-8.5 ja überhaupt erst als implausibel eingestuft.
Du verstehst es immer noch nicht.
Die Klimamodelle werden mit verschiedenen Szenarien bespielt.
Szenario ganz super ist sozusagen: Wir hören sofort auf.
Szenario ganz mies ist sozusagen: Wir machen nie was!
Und dieses ganz miese Szenario ist vom Tisch: Weil wir was machen. Genauso sind schon mehrere ganz super Szenarien fallen gelassen worden, weil wir ja eben nicht sofort aufhören (was übrigens auch nie realistisch war. Aber man spielt diese Szenarien trotzdem durch, weil sich das Klima ja auch unter diesem Szenario nach wie vor noch verändern würde). Selbst das 1,5-Grad-Szenario, das ja auch nie das realistischste war, wird fallen.
formelchen hat geschrieben:
Ja – aber genau dieses Szenario war jahrelang die Grundlage für unzählige apokalyptische Schlagzeilen, politische Forderungen und Studien. Das ist ungefähr so, als würde ein Börsenanalyst jahrelang den Weltcrash an die Wand malen und später sagen: „War doch nur ein theoretisches Extremszenario.“
Die Sache ist doch ganz einfach: Der Klimawandel in seinen massivsten Auswüchsen wären eben bedrohlich und um da entgegenzusteuern muss man diese Szenarien auch aufzeigen. Denn nochmal: Würde nichts gemacht werden, wären eben genau diese Szenarien sehr wahrscheinlich gewesen.
Weniger Klimaschutz ist übrigens auch nicht die Ableitung, die jetzt daraus resultiert, dass es RP8.5 nicht mehr gibt. Wir müssen weiterhin klimaneutral werden, daran hat sich 0,0 etwas geändert.