WRC - Volkswagen schreibt Erfolgsgeschichte fort

Alle drei Fahrer an der Spitze der WM-Wertung

30 Podestplätze sicherte sich Volkswagen bei 20 WRC-Starts für den Polo R WRC. In Polen gelang durch Sebastien Ogier der elfte Sieg in Folge.

Motorsport-Magazin.com - Ein weiterer Meilenstein für Volkswagen in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC): Sébastien Ogier/Julien Ingrassia haben bei der Rallye Polen den 17. Gesamtsieg des Polo R WRC bei 20 Rallyes gefeiert. Andreas Mikkelsen/Ola Floene komplettierten dank einer großartigen Leistung sowie Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila mit einer entschlossenen Aufholjagd das starke Teamergebnis mit den Rängen zwei und fünf.

Sebastien Ogier feierte seinen 21. Sieg. - Foto: Sutton

Volkswagen baute damit die Führung in der Hersteller-Wertung der Rallye-WM vor der Sommerpause auf 147 Zähler aus und kann frühestens bei der Rallye Frankreich im Oktober wieder von der Spitze verdrängt werden. Für Ogier/Ingrassia markierte der Erfolg in Polen den 21. Laufsieg, Mikkelsen stand nach Platz zwei in Schweden zum zweiten Mal in der Königsklasse des Rallye-Sports auf dem Podium. Für Volkswagen markierte die siebte Saisonrallye eine Premiere: Erstmals startete die Mannschaft mit dem Polo R WRC in Polen.

Dreifach-Führung in der WM für Ogier, Latvala und Mikkelsen

Sébastien Ogier/Julien Ingrassia gehen mit einem Vorsprung von 50 Zählern in die zweite Saisonhälfte, die mit der Rallye Finnland (31.07.-03.08.) beginnt. Ihre ärgsten Verfolger kommen dabei aus dem gleichen Team. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila bleiben nach Rang fünf in Polen, nur sieben Zehntelsekunden hinter Mikko Hirvonen (M-Sport-Ford), WM-Zweite. Dank seines zweiten Platzes holte sich Andreas Mikkelsen Rang drei der Fahrer-WM zurück und liegt 83 Zähler hinter Ogier.

Vollgas in Polen: hohes Tempo, viele Sprünge

Highspeed satt bei der fünften Schotter-Rallye des Jahres - das Durchschnittstempo der Rallye Polen bildete das höchste der bisherigen Saison. Sieger Sébastien Ogier absolvierte die 304,21 ausgetragenen Kilometer mit 118,5 km/h. Mit seiner Bestzeit auf der neunten Wertungsprüfung ging die schnellste WP in der Geschichte des Polo R WRC in der Rallye-WM an Andreas Mikkelsen. Der Norweger wurde auf den 12,89 Kilometern von "Wieliczki 2" mit durchschnittlich 136,88 Kilometern pro Stunde gemessen. Der Vollgas-Anteil auf dieser Prüfung betrug 80,21 Prozent.

Statistisches: 18 Best-, 26 weitere Top-3-Zeiten für Volkswagen

Elf Siege in Folge - Sébastien Ogier und Julien Ingrassia schrieben eine Erfolgsgeschichte von Volkswagen auch in Polen fort. Seit der Rallye Australien im vergangenen Jahr ist Volkswagen in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) ungeschlagen. 30 Podiumsresultate, davon 17 Siege, schlagen für den Polo R WRC in 20 Rallyes seit dem Einstieg im Januar 2013 zu Buche. Der Doppelerfolg von Ogier/Ingrassia und Mikkelsen/Floene markierte den vierten in der laufenden Saison, den sechsten in den vergangenen zehn Rallyes. In den 365 Wertungsprüfungen, an denen Volkswagen 2013 und 2014 teilnahm, gingen 244 Bestzeiten nach Wolfsburg. Von 1.019 möglichen Top-3-Zeiten gingen 565 an den Polo R WRC. In Polen kamen zur Statistik des World Rally Cars aus Wolfsburg 18 von 22 möglichen Bestzeiten sowie 44 von 66 möglichen Top-3-Zeiten dazu.

Turbo-Reparatur an Latvalas Boliden

Harte Arbeit, wenig Schlaf - die Rallye Polen führte Fahrer, Beifahrer, Mechaniker und Ingenieure bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Die Tage begannen stets in den frühen Morgenstunden und endeten teilweise nach Mitternacht. Auch die Fahrer und Beifahrer waren auf langen Verbindungsetappen, die sie teils bis nach Litauen führten, gefordert, wo für die Mechaniker und Ingenieure zudem ein sogenannter Remote-Service auf der Agenda stand. Die Energieleistung schlechthin vollbrachten die Volkswagen Mechaniker am Rallye-Samstag. Beim Mittagsservice hatte die Crew von Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila eine Mammut-Jobliste abzuarbeiten.

Jari-Matti Latvala verdankte seine Aufholjagd den schnellen Mechanikern. - Foto: Volkswagen Motorsport

Latvala beschädigte auf der 14. Wertungsprüfung der Rallye Polen die linke Vorderrad-Aufhängung seines Polo R WRC. In lediglich 28 Minuten wechselten Latvalas Mechaniker - unter der tatkräftigen Mithilfe der Schrauber von Sébastien Ogier - die vorderen Dämpfer, die komplette Vorderachse inklusive der Lenkung, den Radträger vorn links, den vorderen Unterbodenschutz, den Wischermotor, die Windschutzscheibe, die Motorhaube sowie den Kotflügel vorn links, Schmutzfänger inklusive. Und zu guter Letzt die Werkzeugtasche - deren Inhalt hatten Latvala/Anttila für die Notreparatur auf der Verbindungsetappe verwendet. Die Anstrengung wurde belohnt: Latvala/Anttila verbesserten sich anschließend von der siebten Position des Gesamtklassements auf Rang fünf und gewannen noch fünf Sonderprüfungen und lagen sonst stets unter den Top drei.

Alle Powerstage-Punkte für Ogier, Mikkelsen und Latvala

Die sogenannte Powerstage, bei der Zusatzzähler für die besten drei in Fahrer- und Beifahrerwertung vergeben werden, bleibt eine erfolgreiche Disziplin für Volkswagen. Seit dem Einstieg mit dem Polo R WRC im Januar 2013 wurden 19 Powerstages ausgetragen, 14 Mal lag ein Volkswagen Duo vorn. 35 Mal ernteten die Werksfahrer und -Beifahrer aus Wolfsburg Zusatzzähler - dank zehn zweiter und elf dritter Plätze. Für Sébastien Ogier war es der 15. Powerstage-Erfolg, der elfte mit Volkswagen.

Schönste Nebensache der Welt: Fußballfieber bei der Rallye Polen

Hoher Besuch vom polnischen Ex-Nationaltorhüter und Champions-League-Gewinner Jerzy Dudek, gemeinsames Mitfiebern bei den WM-Partien und viel Action rund um das runde Leder - in Polen war die Rallye-WM im Fußballfieber. Die Volkswagen Services an den drei Polo R WRC wurde auf stilisierten Spielfeldern absolviert.

Der Zeitvertreib Nummer eins während der vielen langen Pausen im Zeitplan waren für Teammitglieder und Gäste die Spiele am Kicker-Tisch - unter anderem mit einem Match zwischen Volkswagen und M-Sport-Ford. Der Red-Bull-Freestyle-Weltmeister Szymon Skalski zeigte sein Fußfertigkeit am Ball. Die Volkswagen Mitarbeiter trugen im Servicepark zudem die Nationaltrikots ihrer Heimatländer. Ein Brasilianisches Trikot - unterzeichnet von Volkswagen Markenbotschafter Neymar jr. - wurde von Volkswagen Partner Castrol gemeinsam mit Sébastien Ogier verlost. Bei den Autogrammstunden schossen die Volkswagen Fahrer darüber hinaus von ihnen signierte Bälle ins Publikum.

Fußball steht bei den Wolfsburgern hoch im Kurs. - Foto: Volkswagen Motorsport

Mit 200 Sachen durch den Wald

Sébastien Ogier: "Einfach großartig, dieser Sieg ist wichtig für die Weltmeisterschaft! Julien und ich hatten hier in Polen eine perfekte Rallye. Die Prüfungen waren atemberaubend schnell - und die vielen Fans an der Strecke einfach großartig. Man genießt als Fahrer jeden Kilometer. Heute am Finaltag waren auch wieder einige wunderschöne Abschnitte dabei, wo ich mich zwingen musste, nicht absolut Vollgas zu geben. Denn natürlich wollten wir nicht unseren Vorsprung mit zu viel Risiko aufs Spiel setzen. Ein riesen Dankeschön an meine Mannschaft, die mir jeden Tag ein perfektes Auto hingestellt hat. Der Polo R WRC macht einfach Spaß, du preschst mit 200 Sachen durch den Wald und alles ist so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk."

Jari-Matti Latvala: "Es war eine Rallye mit Höhen und Tiefen, und einem guten Ende. Zu Beginn fehlten mir die Zuversicht und eine optimale Abstimmung, später hat uns der beschädigte Stoßdämpfer viel Zeit gekostet. Am Ende zählt aber, dass wir jedes Mal zu unserem Speed zurückgefunden haben und damit Boden auf die Spitze gutmachen konnten. Gleichzeitig sind meine schlechten Erinnerungen an Polen 2009 ausgeräumt, nachdem ich jene Prüfung, auf der ich seinerzeit ausgeschieden bin, hier gewonnen habe. Der Abstand auf Sébastien Ogier in der WM ist leider angewachsen - aber wir werden schon in Finnland weiterkämpfen, ihn wieder zu verringern."

Andreas Mikkelsen: "Platz zwei und mein zweiter Podestplatz in der Rallye-WM - das ist ein großartiges Ergebnis. Es war eine Ehre für mich, dass ich lange Zeit mit dem Weltmeister um die Führung gekämpft habe. Auch wenn es jetzt noch nicht für den Sieg gereicht hat, bleibt es trotzdem mein Ziel, eines Tages ganz oben auf dem Podest zu stehen. Wir versuchen, uns Stück für Stück an Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala heranzukämpfen. Hier in Polen haben wir einen großen Schritt in dieser Hinsicht unternommen. Aber jetzt freue ich mich erst einmal über Platz zwei und das, was wir an diesem Wochenende erreicht haben. Ich habe die Wertungsprüfungen sehr genossen. Sie waren schnell und flüssig zu fahren - das liegt mir."

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor: "Was für eine tolle Premiere für Volkswagen bei der Rallye Polen! Für unser Team war dieser WM-Lauf absolutes Rallye-Neuland. Hier den vierten Doppelsieg des Jahres zu feiern und unsere Siegesserie auszubauen, ist ein großartiger Erfolg der gesamten Mannschaft. Sébastien Ogier war bei schwierigen Bedingungen wieder eine Klasse für sich, Andreas Mikkelsen hat bewiesen, warum ihm schnelle und flüssige Strecken liegen und Jari-Matti Latvala hat eine starke Aufholjagd gezeigt. Die Mechaniker haben seinen Polo R WRC mit einem wahren Kraftakt wieder zurück ins Rennen gebracht. Hut ab vor den Jungs. Nach vier harten und langen Rallyetagen und wenig Schlaf haben wir uns alle ein Bier verdient."

Und da war dann noch...

... das erste Podiumsergebnis von Ola Floene in der Rallye-WM. Platz zwei markierte das erste Mal seiner Karriere auf dem Treppchen in der Königsklasse des Rallye-Sports. Der 45-jährige Norweger war erst bei der Rallye Italien vor drei Wochen ins Cockpit von Andreas Mikkelsen zurückgekehrt.


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