Superbike - Analyse - Assen at it's finest

Rot gegen Grün

Drama über Drama - doch das ist kaum mehr etwas Neues an Superbike-Rennwochenenden. Motorsport-Magazin.com betrachtet die Tops und Flops der dritten Runde.
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Motorsport-Magazin.com - Schon einmal vorab: Auf den TV-Bildern am Sonntag sah das Wetter in Assen zwar prima aus, allerdings herrschte in den Niederlanden eine extreme Kälte. Eugene Laverty sollte derartige Temperaturen von der Insel zwar gewohnt sein, dennoch beschwerte er sich am Freitag: "Ich habe zwei innere Anzüge unter der Kombi getragen und bin während der Session in die Box gekommen, um meine Regenkleidung und extra Handschuhe überzuziehen." Die Probleme eines Aprilia-Werksfahrers eben. Zumindest schien Laverty ohne Schal und Mütze am Sonntag noch nicht so eingefroren zu sein, um ein sauberes Rennen zu zeigen und einen Sieg mitzunehmen.

Ein sauberes Rennen zeigte auch Kenan Sofuoglu in der World Supersport. Allerdings reichte es bei ihm nicht ganz zum Sieg. Dafür wurde er von Damian Cudlin - der glücklicher- oder eher unglücklicherweise ja nicht mehr zu tun hatte, als die Leute im Paddock zu observieren - dabei beobachtet, wie er seine Trophäe für Platz zwei an einen kleinen Jungen im Fahrerlager verschenkte, als er gerade auf dem Rückweg vom Podium war. Für ein strahlendes Kind verzichtete der Türke also sogar auf seinen Pokal. Daumen hoch.

Ich habe zwei innere Anzüge unter der Kombi getragen und bin während der Session in die Box zu kommen, um meine Regenkleidung und extra Handschuhe überzuziehen
Eugene Laverty

Das half Sofuoglu aber trotzdem nicht, denn den direkten Zweikampf gegen Sam Lowes hatte er dieses Mal verloren. In der WSS triumphierte also die Farbe Rot. In der Superbike war das ganze gut ausgeglichen. Kawasaki-Mann Tom Sykes punktete einmal für grün, Laverty glich in Lauf zwei für rot aus. Dafür legte Loris Baz noch einen grünen Bonus aufs Podest. Alles in allem ein ausgeglichener Kampf - nur ziemlich britisch angehaucht. Kaum zu glauben, dass Laverty mit der Hymne Nordirlands da noch für Abwechslung sorgen konnte. Doch was war eigentlich sonst noch so los?

Pechvogel des Wochenendes:

Der Titel für den Pechvogel des Wochenendes war schon am Freitag deutlich entschieden. Der Vorname Leon scheint in dieser Saison kein gutes Zeichen zu sein. Nach Leon Camier fiel Leon Haslam einer Verletzung zum Opfer. Bei einem heftigen Highsider wurde der Honda-Pilot von seinem Bike am Bein getroffen. Nach Diagnose eines Schien- und Wadenbeinbruchs sollte der Brite operiert werden. Dazu musste aber erst einmal die Schwellung zurückgehen. Dabei war Haslam so scharf darauf, in der Kathedrale alles für das Heimspiel seines Teams zu geben. Daraus wurde leider nichts. Einziger Trost vor seiner Operation am Sontag: Die Ärzte verabreichten ihm erst nach Ende des zweiten Laufes die Narkose, damit Haslam zumindest die ganze Action noch verfolgen konnte.

Abräumer des Wochenendes

Neben Sykes und Laverty können auch Jonathan Rea und Baz getrost als Abräumer in Assen bezeichnet werden. Mr. Pole Position Sykes schaffte es endlich, seine schnelle Qualifikationsrunde in einen Rennsieg umzumünzen und sich aus seinem Saisonstart-Tief herauszuarbeiten. Seine ZX-10R gab ihr Übriges dazu und das auch bei Baz. Super Leistung für Kawasaki. Endlich ist der Aufwärtstrend, der sich schon am Ende der letzten Saison abzeichnete, wieder klar erkennbar. Laverty konnte zumindest im zweiten Rennen Punkte auf seinen Teamkollegen gutmachen. Rea, der sich wie viele andere Piloten in Assen pudewohl fühlt, zeigte, dass er das Duellieren nicht verlernt hat und brachte Roland ten Kate im Wohnzimmer den Pokal dafür mit.

Außerdem fiel an diesem Wochenende wohl zum ersten Mal auf, dass MV Augusta auf der Weltbühne zurück ist. Besonders im Regen lief die italienische Maschine wie geschmiert. Aber auch im sonnigen Rennen sammelte das ParkinGo MV Agusta Corse Team fleißig Punkte. Roberto Rolfo fuhr mit Platz sechs das beste Teamergebnis ein und auch Christian Iddon konnte als Elfter noch einige Zähler sammeln. Nach dem Umstieg von Superbike auf Supersport endlich wieder Grund zur Freude bei Giuliano Rovelli und Co.

Eigentlich nichts für einen empfindlichen Magen, aber so fuhr Leon Camier seine Punkte ein - Foto: Paul Denning

Kämpfer des Wochenendes

Leon Camier. Dem gilt es kaum noch etwas hinzuzufügen. "Ich bin glücklich, dass ich fahren kann, aber nach etwa drei oder vier Runden wird mein Knie steif und fühlt sich blockiert an und im Nassen wird es echt schmerzhaft. Ich hatte kein besonders gutes Gefühl auf dem Bike heute, aber vielleicht war ich ein bisschen steif und bin nicht so gefahren, wie ich fahren muss. Aber ich muss es so nehmen, wie es kommt und hoffentlich wird es etwas lockerer. Ich hoffe, das sich am Renntag in der Lage bin, die Distanz zu bewältigen", sagte er noch am Freitag.

Aber scheinbar problemlos fuhr Camier mit seinem offenen Knie alle 46 Runden und holte - seinem Zustand entsprechend - auch noch Spitzenergebnisse. Trotz Start aus der letzten Reihe sah der Brite die Zielflagge einmal als Neunter und im zweiten Lauf sogar als Siebter. Wozu er wohl ohne Verletzung auf einer seiner Lieblingsstrecken in der Lage gewesen wäre? Sogar Cal Crutchlow bewunderte Camier nach dem zweiten Rennen und betitelte ihn als 'harten Hund'.

Überraschung des Wochenendes

An positiven Überraschungen mangelte es in Assen ein wenig. Außer dass Loris Baz zum ersten Mal im Trockenen aufs Treppchen fuhr, hielten sich die Wunderdinge in Grenzen. Negativüberraschungen gab es dafür mehrere. Zum einen technische Probleme bei BMW. Dazu Marco Melandris Gesamtleistung. Obwohl sein Kumpel Antonio Cairoli ihm in der Startaufstellung auf die Schulter klopfte, sollte für den Italiener in Holland einfach nichts so richtig klappen. Dabei muss er langsam echt aufpassen, dass ihm Chaz Davies nicht den Team-Rang abläuft.

Zum anderen stach Ducati ins Auge. Das schlechte Rennwochenende in Aragon war Geschichte und alle hatten sich damit abgefunden, dass die Panigale 1199 auf diesem Kurs nun einmal nicht richtig funktionieren will. Aber mit zwei zehnten Plätzen auf dem TT Circuit winkte nun nicht unbedingt der Positiv-Trend. Fast noch erschreckender ist, dass Checa mit 82 Punkten Rückstand nur auf dem zwölften Platz der Gesamtwertung erscheint und damit sogar noch hinter Camier liegt, der beide Aragon-Rennen auslassen musste.

Bonus des Wochenendes

Bekanntermaßen ist Sam Lowes ziemlich gut in der Supersport-WM unterwegs. Sein Zwillingsbruder Alex Lowes fährt momentan in der britischen Superbike um die besten Plätze. Beide haben viele Freunde. Unter ihnen Shane 'Shakey' Byrne, der wie Alex Lowes in der BSB fährt und nach dem WSS-Lauf bemerkte: "Exzellent Sam, super Überholmanöver, aber bring Alex nicht bei wie das funktioniert." Neben Shakey ist aber auch Leon Haslam dick mit den beiden befreundet, daher gab's von Sam Lowes nach dem Sieg nicht nur Genesungswünsche für den Kumpel, sondern noch ein etwas anderes Gerücht: Da Haslam mit seinem doppelten Beinbruch wohl länger ausfallen wird, könnte Alex Lowes ihn ab Monza auf der WSBK-Honda ersetzen.


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