Gebrochene Verträge, zu niedrige Gehälter in Kunden- und Nachwuchsteams, Sicherheitsbedenken, die Einführung von Sprints oder der immer weiter anwachsende Rennkalender: All das sind Themen, die sämtliche Piloten betreffen und zu denen sie, zumindest im Regelfall, größtenteils ähnliche Ansichten haben. Doch ohne gemeinsames Sprachrohr lässt sich wenig ausrichten. In der MotoGP wird deshalb schon seit einigen Jahren über die Gründung einer Fahrergewerkschaft nach dem Vorbild der GPDA aus der Formel 1 diskutiert, getan hat sich jedoch fast nichts.

Erst in den vergangenen Monaten kam das Thema langsam ins Rollen: Anfang September gründeten die Stars der Königsklasse immerhin eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe, um sich schnell und einfach gemeinsam über gewisse Themen austauschen und abstimmen zu können. Ausschlaggebend waren hierfür die Ereignisse des 2. Freien Trainings in Silverstone, als die Rennleitung die Session nicht unterbrach, obwohl viele Piloten die Bedingungen hinterher als zu gefährlich einordneten. In der Safety-Commission, die jeden Freitagabend nach den Trainings stattfindet, konnten sie gegenüber MotoGP-Promoter Dorna und Weltverband FIM eine einheitliche Meinung abgeben.

Knapp drei Wochen später kam die WhatsApp-Gruppe erneut zum Einsatz, als Regenfälle den Sprint beim Indien Grand Prix bedrohten. Hätten sich die Bedingungen nicht gebessert, hätten sich die MotoGP-Fahrer so auf einen Streik einigen können. Entsprechende Absprachen gab es bereits. Dennoch erkannten wohl viele Fahrer in Delhi, dass ein Vertreter ihrer Anliegen gegenüber anderer Parteien wie Dorna oder FIM notwendig ist, um die eigenen Interessen dauerhaft erfolgreich durchsetzen zu können. Schließlich wollen sich die Piloten im Idealfall einzig auf das Rennfahren konzentrieren können.

Ex-MotoGP-Pilot Sylvain Guintoli soll Vorsitzender werden

Dieser Vorsitzende scheint nun gefunden: Wie 'Motorsport.com' am Samstag berichtete, soll Sylvain Guintoli der Anführer einer MotoGP-Fahrergewerkschaft werden. Darauf haben sich die Stars der Königsklasse bei einem Treffen in Indien angeblich geeinigt, sie sehen im 41-jährigen Franzosen aufgrund seiner jüngsten Rennerfahrung, seiner guten Beziehungen zu den verschiedenen Parteien und seinem politischen Verständnis, die richtige Person für das Amt des Sprechers.

Guintoli startete zwischen 2007 und 2008 selbst zwei Jahre in der MotoGP für Tech3 und Pramac, 2014 wurde er Superbike-Weltmeister. Anschließend bekleidete er die Rolle als Test- und Entwicklungsfahrers für Suzuki und ging zeitgleich in der Langstrecken-WM an den Start. Sein letztes Rennen in der Königsklasse bestritt Guintoli erst vor knapp vier Jahren beim Japan-GP 2019 im Rahmen einer Wildcard, entsprechende Erfahrung auf aktuellen MotoGP-Bikes wäre also vorhanden.

Sylvain Guintoli war bis Ende 2022 als Testfahrer für Suzuki in der MotoGP tätig, Foto: MotoGP
Sylvain Guintoli war bis Ende 2022 als Testfahrer für Suzuki in der MotoGP tätig, Foto: MotoGP

Dem Bericht von 'Motorsport.com' zufolge soll sich der Franzose momentan über die rechtlichen und juristischen Verfahren informieren, die für die Gründung einer solchen Organisation erforderlich sind. Beim Australien-GP kommende Woche sei ein Treffen geplant, bei dem Guintoli seinen Standpunkt darlegen soll. Sind alle notwendigen Informationen zusammengetragen, könnte ein Dokument in Form eines Memorandums erstellt werden, das dann von allen Fahrern unterzeichnet wird. Damit würden sich die Piloten der Königsklasse zur Gründung einer Gewerkschaft aussprechen und sich einer entsprechenden Organisation gegenüber verpflichten.