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MotoGP - Die Bad Boys der MotoGP

Alkohol, Prügeleien, Doping und Betrug

Dani Pedrosa, Anthony West, Luca Cadalora, Romano Fenati. Die Liste der Fahrer, die sich bereits etwas zu schulden kommen ließen, ist lang.
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Motorsport-Magazin.com - Valentino Rossi raucht! Und die Moralapostel schreien reihenweise auf. Dabei leistete sich das ein oder andere Mitglied des MotoGP-Paddocks noch ganz andere Sachen...

Scott Russell, 1996

Scott Russell sollte 1996 die Lücke füllen, die der große Kevin Schwantz bei Lucky-Strike-Suzuki hinterlassen hatte. Allerdings war der Amerikaner ein eher unzuverlässiger Zeitgenosse. Nachdem er 1995 bereits ein Superbike-Rennen sausen ließ, weil er dringend zu einer Hochzeit musste, kam er zum ersten Vorsaison-Test 1996 in Malaysia zu spät, angeblich, weil er sich nicht rechtzeitig um ein Visum gekümmert hatte. Als er endlich in Shah Alam ankam, hatte er nicht einmal eine Lederkombi dabei und sein Team konnte ihm auch keine zur Verfügung stellen.

Scott Russell kam mal ohne Kombi zum Test, mal gar nicht - Foto: Milagro

Anthony Gobert, 1997

Der lebenslustige Australier wurde für die Saison 1997 vom Lucky-Strike-Suzuki-Team unter Vertrag genommen. Nach einem Schlüsselbeinbruch bei Vorsaison-Tests wurde Gobert, der bereits durch seinen zügellosen Lebenswandel aufgefallen wurde, kaltgestellt. Angeblich soll er seinen Teamchef Garry Taylor geohrfeigt und nachts im Hotel seine Freundin Beverly verprügelt haben. Als die Drohung einer Klage wegen Vertragsbruch aufkam, musste Suzuki Gobert ab Mugello fahren lassen. Vor dem Rennen in Barcelona im selben Jahr wurde Gobert allerdings bereits gefeuert. Bei einem privaten, von Suzuki durchgeführten Drogentest war er positiv auf Marihuana getestet worden. Der Australier ging in die Superbike-WM und kündigte an, dort neu durchstarten zu wollen. Allerdings kam er dort bereits zu Saisonmitte 1998 erneut wegen Marihuana in die Schlagzeilen...

Daryl Beattie, 1997

Daryl Beattie, Vizeweltmeister 1995, war 1997 als Teamkollege von Gobert angetreten. Allerdings erlosch das Feuer Beatties nach einem schweren Crash im Jahr 1996. Der Australier quälte sich mehr schlecht als recht bis zum Vertragsende durch und trat zu seinem letzten Rennen auf Phillip Island gleich gar nicht mehr an. Offiziell hatte er eine Magenverstimmung, inoffiziell sickerte durch, dass er ein paar über den Durst getrunken hatte...

Daryl Beattie trat zu seinem letzten Rennen gleich gar nicht mehr an - Foto: Milagro

Luca Cadalora, 1999

Für die Saison 1999 hatte der alternde italienische Start Luca Cadalora beim MuZ-Weber-Team unterzeichnet. Allerdings lief bereits beim Auftakt in Sepang nichts so, wie sich Cadalora das vorgestellt hatte: Mechaniker stolperten in der Hektik über Reifenwärmer, außerdem kam es immer wieder zu Defekten. In der Nacht nach dem Rennen verließ der Italiener klammheimlich sein Hotel in Malaysia, ohne sich an der Rezeption abzumelden und jettete nach Italien zurück. Eine Woche später ließ Cadalora sein Team, das bereits vollzählig in Motegi bereitstand, wissen, er habe kein Interesse daran, auf diesem nichtkonkurrenzfähigen Bike zu fahren und werde erst zum Europa-Auftakt antreten. Nachdem hastig ein Ersatzfahrer gefunden wurde, trat Cadalora ab Jerez tatsächlich an, stellte das Motorrad aber häufig mitten im Rennen voll funktionsfähig an der Box ab und verschwand. Nach dem Grand Prix in Brünn platzte den MuZ-Chefs der Kragen und die launische Diva wurde endgültig vor die Tür gesetzt.

Luca Cadalora konnte sich nie recht mit der MuZ anfreunden - Foto: Milgaro

Norick Abe, 2000

Mit einer großartigen Leistung gewann Norick Abe 2000 den Großen Preis von Japan in Suzuka. Am nächsten Tag war allerdings Schluss mit lustig: Der Japaner zerstörte seinen unversicherten Porsche auf regennasser Straße. Seine Freundin, die weinend neben ihm auf dem Beifahrersitz saß, beruhigte er mit den Worten "Keine Angst, wir können einen neuen kaufen. Ich habe ja das Rennen gewonnen."

Norick Abe feiert den Sieg beim Großen Preis von Japan 2000 - Foto: Yamaha

Marco Melandri und Max Biaggi, 2005

Die beiden italienischen Stars Marco Melandri und Max Biaggi werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. 2005 in Assen fühlte sich Melandri durch Biaggi behindert und ließ den Römer in der Schikane vor der Zielgeraden auflaufen. Diese Szene erzürnte Biaggis Onkel so, dass er in die Gresini-Honda-Box rannte und Melandri an der Gurgel packte. Die Dorna entzog ihm seinen Dauer-Fahrerlagerpass und Max Biaggi blieb nichts anderes übrig, als sich für seinen Onkel zu entschuldigen.

Dani Pedrosa, 2012

In der Winterpause 2011/2012 wollte Dani Pedrosa den Bootsführerschein machen. Offenbar hatte der kleine Spanier keine Lust zu lernen, denn gegen eine Zahlung zwischen 2000 und 2500 Euro bekam Pedrosa ein kleines Hörgerät, wodurch ihm die richtigen Antworten für die Theorieprüfung durchgegeben wurden. Dummerweise wusste die spanische Polizei im Voraus von dem Plan und nahm Pedrosa und zwanzig weitere Testteilnehmer noch im Klassenzimmer fest. "Ich möchte mich öffentlich bei meinen Fans und allen, die mir vertrauen, entschuldigen. Ich habe auf einen schlechten Rat gehört", erklärte Pedrosa.

Dani Pedrosa wurde beim Betrügen erwischt - Foto: Honda

Niklas Ajo, 2012

Der Finne Niklas Ajo fiel 2012 gleich mehrfach negativ auf: In Jerez ließ er seinen Frust nach einem Sturz an einem Streckenposten aus und wurde für das nächste Rennen in Estoril gesperrt. In Indianapolis zeigte sich, dass Ajo seine Lektion nicht gelernt hatte: Im Startgetümmel gingen er selbst sowie drei weitere Fahrer zu Boden. Ajo stand auf und stieß Adrian Martin, der den Crash verursacht hatte, zu Boden und fuhr weiter. Die Rennleitung holte ihn per schwarzer Flagge aus dem Rennen und sperrte ihn für den nächsten Lauf in Brünn.

Niklas Ajo wurde zweimal gesperrt - Foto: KTM

Romano Fenati, 2012

Auf dem Weg zu seinem Heimspiel in Misano geriet Romano Fenati mit der Polizei aneinander. "Wissen Sie denn nicht, wer ich bin?", soll Fenati, der in diesem Jahr sein Debüt in der Weltmeisterschaft gab, die Beamten angeschnauzt haben. Offiziell handelte es sich um ein bedauerliches Missverständnis.

Romano Fenati 2012 auf dem Podium in Misano - Foto: Honda

Anthony West, 2012

Im Anschluss an den Frankreich-Grand-Prix im Jahr 2012 wurde Anthony West bei einem Drogentest positiv auf das Stimulan Methylhexaneamine getestet. Am 29. Oktober wurde der Australier für einen Monat gesperrt. Außerdem verlor er alle Ergebnisse seit dem 20. Mai, so auch die Podestplätze in Sepang und auf Phillip Island. West selbst führte das Vorhandensein des Stimulans auf den Genuss eines Energy Drinks zurück, den er als zuckerfreie Alternative zu Red Bull getrunken hatte.

Auch der Podestplatz beim Heimspiel in Australien wurde West genommen - Foto: Honda

Hector Barbera, 2013

Nach dem Großen Preis von Spanien 2013 kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Hector Barbera und seiner Freundin. Beide wurden verhaftet und dem Haftrichter vorgeführt. Barbera, der bereits wegen Trunkenheit am Steuer aufgefallen war, wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, seine Freundin zu fünf.

Leicht kann man links das blaue Auge erkennen, das Barbera von seiner Freundin bezog - Foto: Avintia Blusens

Valentino Rossi, 2014

Das letzte Beispiel unserer Reihe ist Valentino Rossi. Jahrelang hatte der Italiener sich als überzeugter Nichtraucher verkauft und kostete Honda 2002 sogar den Tabaksponsor Camel, weil er neben dem Logo auch die üblichen Gesundheitshinweise auf seiner Maschine haben wollte. Camel wandte sich mit Schaudern ab. Nun wurde Rossi selbst beim Rauchen erwischt. Seinem Ansehen bei seinen Fans tut das sicher keinen Abbruch, aber kann er nun immer noch das große Vorbild für die Nachwuchsfahrer sein?

Valentino Rossi wurde beim Rauchen erwischt - Foto: Facebook

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