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MotoGP - Erklärt: Verwirrspiel um Ducati

Factory, Open oder ganz anders?

Der Plan Ducatis, mit allen vier Bikes in die Open-Klasse zu wechseln, hat in der MotoGP für ein gewaltiges Chaos gesorgt. Wir verschaffen euch den Durchblick.
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Motorsport-Magazin.com - Das Chaos um Ducati begann am 28. Februar - dem Tag, an dem sich jedes MotoGP-Team entweder für die Factory-Klasse oder die Open-Klasse entscheiden musste. Die Italiener, die ursprünglich nur Pramac-Pilot Yonny Hernandez auf einem Open-Bike ins Rennen schicken wollten, meldeten nun alle vier Fahrer für diese Klasse an. Die Beweggründe waren klar: Vier Liter mehr Benzin im Rennen, zwölf statt fünf Motoren für eine Saison und ein weicherer Hinterreifen, außerdem keine Einschränkung bei der Weiterentwicklung des Motors. Eine durchaus legitime und zu diesem Zeitpunkt auch problemlose Entscheidung also, doch die Streitigkeiten ließen nicht lange auf sich warten.

Bei HRC-Boss Nakamoto war der Ärger groß - Foto: Milagro

Die Probleme begannen bei den zweiten Testfahrten in Sepang, als eine neue Version der für die Open-Starter verpflichtenden Dorna-Software zur Verfügung stand. Dieses Update war wohl wesentlich von der bisherigen Ducati-ECU inspiriert, weshalb Cal Crutchlow und Co. von Beginn an deutlich besser damit zu Recht kamen. Dieses Software-Update ist allerdings deutlich komplexer als die bisherige Version und somit für kleinere Teams wie Aspar oder Avintia praktisch kaum ordentlich zu nutzen. So begann es innerhalb der Open-Klasse zu brodeln, die budgetärmeren Rennställe fühlten sich benachteiligt. HRC-Boss Shuhei Nakamoto, der bei Aspar, Gresini und Cardion AB Motoracing vier seiner Honda-Production-Racer in das Rennen schickt, polterte und eine Reaktion seitens der Dorna ließ nicht lange auf sich warten.

Factory 2 abgeschmettert

Zunächst wurde von der Dorna eine Factory-2-Klasse angedacht. Ducati wäre zu Beginn der Saison ganz normal in der Open-Klasse gestartet, hätte aber im Falle von gewissen Erfolgen Einschränkungen hinnehmen müssen und wäre dann in die Factory 2 gerutscht. Das Konzept wurde in dieser Form von der FIM und der Grand-Prix-Kommission, die bezüglich des sportlichen Reglements das letzte Wort haben, aber abgelehnt.

Den letzten Sieg konnte Ducati 2010 mit Casey Stoner in Australien feiern - Foto: Milagro

Stattdessen werden die Ducati-Werkspiloten Crutchlow und Andrea Dovizioso sowie Pramac-Mann Andrea Iannone in der Factory-Klasse geführt. Dieses Trio profitiert allerdings von einer nun neu geschaffenen Regelung, die für Hersteller gilt, die wie Ducati in der Vorsaison keinen Sieg in einem Trockenrennen erringen konnten. Solche Hersteller erhalten trotz ihres Starts unter Factory-Status dieselben Vorteile wie Open-Vertreter, also zwölf Motoren pro Fahrer ohne Einfrierung der Entwicklung, 24 Liter Sprit, weichere Reifen sowie umfangreichere Testmöglichkeiten. Dabei dürfen die Ducati-Piloten weiter mit ihrer eigenen Software fahren.

Einschränkungen bei Erfolgen

Wie bereits bei der Idee der Factory-2-Klasse werden Hersteller wie Ducati im Falle von eintretenden Erfolgen aber nun bestraft. Sollte das Factory-Trio der Italiener einen Rennsieg, zwei zweite Plätze oder drei dritte Ränge einfahren, würde ihr maximales Spritvolumen von 24 auf 22 Liter reduziert werden. Sollten ihnen gar drei Erfolge gelingen, würde auch das Privileg des weicheren Reifens verloren gehen. Diese Änderungen würden sofort in Kraft treten und bis zum Ende der Saison 2015 gelten. Ab 2016 sieht die Dorna dann ohnehin ein Starterfeld mit einheitlicher Elektronik vor.


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