MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Weiße Westen, Bastarde und Hahnenkämpfe

Schnöde Rückblicke ade. Motorsport-Magazin.com schaut noch einmal etwas kritischer auf das Rennwochenende in Indianapolis zurück.
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Motorsport-Magazin.com - Was soll man über diesen Marc Marquez noch sagen? Die Superlative sind längst erschöpft. Er ist wohl tatsächlich der talentierteste Mann, der je ein Motorrad in der Weltmeisterschaft bewegt hat. Seine bisherige Saison war beeindruckend, doch die Leichtigkeit mit der er die Konkurrenz an diesem Wochenende in Grund und Boden fuhr kam einer Demütigung selbiger gleich. Er sicherte sich in allen vier Trainingssessions die Bestzeit, ebenso im Warm-Up. Im Qualifying distanzierte er die Konkurrenz mit einem neuen Pole-Rekord um mehr als eine halbe Sekunde.

Marquez schnürte den USA-Hattrick - Foto: Marquez

Im Rennen erwischte der erst 20-Jährige dann jedoch keinen überragenden Start und fiel hinter seine routinierten Landsmänner Dani Pedrosa und Jorge Lorenzo zurück. Eine Situation, die so manchen Piloten in seinem Alter in unvernünftige Manöver treiben würde, doch nicht Marquez. Er wartete geduldig auf Rang drei liegend, bis seine Chance gekommen war, und überholte zuerst seinen Teamkollegen Pedrosa und dann auch Lorenzo auf der Yamaha souverän. "Als das Motorrad etwas leichter wurde, habe ich mich bereit gefühlt zu attackieren", erklärte der Repsol-Honda-Pilot nach dem Rennen. Knapp drei Runden konnte Weltmeister Lorenzo den Anschluss halten, in der Folge hatte er der Pace Marquez' an der Spitze jedoch nichts mehr entgegenzusetzen. Dieser fuhr zwei Mal in Folge neuen Rundenrekord – das Rennen war entschieden. Nun hatte der WM-Leader Zeit, die Zuckerseiten des Rennfahrens genießen: "Am Ende konnte ich ein paar Slides richtig auskosten."

So feierte Marquez schlussendlich einen ungefährdeten Sieg, den vierten in dieser Saison, den dritten in Serie. Erstmals seit Casey Stoner bei seinem Heimrennen auf Phillip Island im Vorjahr gelang es einem Fahrer auch, ein absolut perfektes Wochenende hinzulegen, also in sämtlichen Sessions Erster zu sein, das Rennen zu gewinnen und auch noch die schnellste Rennrunde zu fahren. "Jetzt geht es zurück nach Europa, wo wir genau so weitermachen wollen", verlautbarte der Spanier am Sonntag. Worte, die in den Ohren der Konkurrenz wie eine Drohung klingen müssen.

Spätzünder Rossi

Hinter dem Spitzentrio Marquez, Pedrosa und Lorenzo tobte das gesamte Rennen über ein packender Zweikampf zwischen Cal Crutchlow und Alvaro Bautista. Nicht weniger als sieben Mal wechselten die Beiden ihre Positionen. Es war klar, dass die Entscheidung in diesem Duell erst am absoluten Rennende fallen würde. Doch ein gewisser Valentino Rossi machte aus dem Zwei- einen Dreikampf. Der Doktor kam zu Beginn des Indianapolis-Grand-Prix überhaupt nicht in die Gänge und fuhr ein einsames Rennen auf Rang sieben. In der zweiten Rennhälfte steigerte sich der Routinier jedoch deutlich, kassierte zuerst Stefan Bradl und machte dann Jagd auf das Duo Crutchlow und Bautista.

Lange hatte Crutchlow die Nase vorn - Foto: Milagro

Nachdem er an Bautista vorbeigegangen war klebte Rossi am Hinterrad von Crutchlow. Tatsächlich wartete er bis zur vorletzten Kurve um ein Manöver gegen den Briten zu lancieren. Dieser konnte in der Zielkurve nicht mehr kontern und musste sich dem neunfachen Weltmeister geschlagen geben. Crutchlow ließ seinen Emotionen daraufhin freien Lauf. "Valentino, du Bastard", war auf Twitter zu lesen. Natürlich handelte es sich hierbei um keine ernstgemeinte Botschaft in Richtung seines Markenkollegen. Bereits vor dem Rennwochenende war der Mann aus Coventry zu Scherzen aufgelegt. Nachdem ihn die versammelte Presse in Indianapolis immer und immer wieder bezüglich der Motive für seinen Wechsel zu Ducati löcherte, fand er schließlich eine mehr als einfache Begründung: "Mir gefällt die Farbe der Motorräder so gut."

Hahnenkampf in Rot

Hayden und Dovizioso kamen sich in der Zielkurve in die Quere - Foto: Milagro

Man wird sehen, ob Crutchlow seine gute Laune 2014 behalten kann oder ob ihm schon bald das Lachen vergeht. Sein zukünftiger Arbeitgeber Ducati erlebte jedenfalls eines der schlechtesten Wochenenden der bisherigen Saison. Einen beträchtlichen Anteil daran hatten zwei Angestellte der Edelschmiede aus Bologna. Ihre Namen? Andrea Dovizioso und Nicky Hayden. Das Duo war auf dem Weg zu den ohnehin nicht überragenden Plätzen acht und neun. Doch Hayden nahm sich bei seinem Heim-Grand-Prix in der Zielkurve ein Herz und versuchte sich innen an seinem Teamkollegen vorbeizudrücken. Der dachte jedoch nicht daran nachzugeben und so berührten sich die Männer in Rot. Beide holperten über den Curb, das Manöver erinnerte eher an zwei Vespa-Fahrer, die über einen Geschwindigkeitsbuckel in der Innenstadt Bolognas rumpeln. Einen Sturz konnten beide vermeiden, doch Bradley Smith sagte artig "Danke", überholte auf der Zielgeraden noch beide Ducatis und krallte sich den achten Rang. So wird der dritte große Hersteller der MotoGP seinen japanischen Konkurrenten Honda und Yamaha definitiv nicht näher kommen.

Die Akte Spies

Ganz andere Probleme hat man beim Ducati-Kundenteam von Pramac. Zum ersten Mal seit dem Großen Preis von Italien Anfang Juni wollte man wieder ein Rennen mit der Stammfahrerpaarung Andrea Iannone und Ben Spies bestreiten. Der US-Amerikaner versäumte in dieser Saison verletzungsbedingt bereits sechs der neun WM-Läufe, bei seinem Heimspiel wollte er aber endlich wieder bei einen Grand Prix fahren. Es blieb beim Wunsch. Im dritten Training legte Spies einen üblen Highsider hin und verletzte sich an der linken Schulter, an eine Rennteilnahme am Sonntag war nicht zu denken. Der Leidensweg von "Elbowz" nimmt also kein Ende, seine Verletzungsserie schon fast unheimliche Ausmaße an.


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