MotoGP - Auslaufrunde - Der etwas andere Rückblick

Sturzreiche Hitzeschlacht

Schnöde Rückblicke ade. Motorsport-Magazin.com blickt noch einmal etwas genauer auf das Wochenende im Brutofen von Barcelona zurück.
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Motorsport-Magazin.com - Über 30 Grad Außentemperatur, auf der Strecke Werte weit jenseits der 50 Grad-Marke, kaum Wind. Teams und Fahrer hatten in Barcelona mit extremer Hitze zu kämpfen. Dadurch wird das Pilotieren der MotoGP-Geschosse nicht nur physisch anstrengender, es wurde auch schwieriger, die Motorräder unter Kontrolle zu halten. Der Streckenbelag änderte bei der brütenden Hitze seine Beschaffenheit und wurde extrem schmierig, was vielen Fahrern Probleme bereitete.

Nicht so Jorge Lorenzo. Es war ein Rennen ganz nach dem Geschmack des Vorjahressiegers. Der Weltmeister übernahm am Start die Führung von Polesetter Dani Pedrosa und diktierte das Tempo an der Spitze. Über lange Strecken konnten der WM-Leader und sein Repsol-Honda-Teamkollege Marc Marquez den Anschluss halten, doch als der Mann mit der Nummer 99 wenige Runden vor Ende des Rennens Ernst machte, wurden seine spanischen Kollegen zu Statisten degradiert. Es ist die unglaubliche Konstanz des 26-Jährigen, die ihn so stark macht. Er stürzt so gut wie nie, macht kaum Fehler und das alles mit einer sensationellen Pace.

Ich konnte ihn unmöglich überholen.
Dani Pedrosa

Das musste auch der Führende in der Fahrerweltmeisterschaft, Dani Pedrosa, neidlos anerkennen. "Ich konnte nicht dieselben Kurvengeschwindigkeiten wie Jorge fahren, vor allem in den letzten beiden Kurven war er deutlich schneller. So hatte er auf der Start-Ziel-Geraden immer einen Vorsprung auf mich und ich konnte ihn unmöglich überholen", musste sich der Jubilar - er bestritt in Barcelona sein 200. Rennen in der Motorrad-Weltmeisterschaft - geschlagen geben. Da half ihm auch seine sensationelle Runde im Qualifying wenig, in der er den Rekord von Casey Stoner aus dem Jahr 2008 pulverisierte und als erster Motorradpilot überhaupt den Circuit de Catalunya in weniger als 1:41 Minuten umrundete.

Deutlich zu kämpfen hatte an diesem Wochenende Youngster Marc Marquez. Auch wenn seine Wunden bereits gut verheilt waren, die vier Stürze von Mugello steckten ihm offensichtlich doch noch in den Knochen. Mit Ausnahme des dritten Freien Trainings, in dem er die Bestzeit fuhr, kam der Repsol-Honda-Pilot in keiner Session über Rang sechs hinaus. Erst im Rennen fand der Rookie zu seiner gewohnten Stärke zurück und konnte die Pace seines Teamkollegen Dani Pedrosa mitgehen. Zu Rennende wagte Marquez sogar noch einen Angriff auf ihn, der beinahe ins Auge gegangen wäre. Er tat gut daran, keine weitere Attacke mehr zu reiten und dieses Mal auf einem sicheren dritten Rang ins Ziel zu kommen.

Nach Bestzeit im Training lief es für Valentino Rossi wieder nicht nach Wunsch - Foto: Milagro

Nach seiner Trainingsbestzeit am Freitagnachmittag, übrigens der ersten seit Silverstone im vergangenen Jahr, war die Freude bei Valentino Rossi groß. Beim Doctor keimte Hoffnung auf, er könnte auf einer seiner Lieblingsstrecken, wo er bereits neunmal gewinnen konnte, wieder den Sprung an die Spitze schaffen. Im Qualifying folgte erneut die Ernüchterung, Rossi schaffte es in der 15-minütigen Session nicht, eine brauchbare Runde hinzulegen, und musste sich mit Startplatz sieben begnügen. Im Rennen konnte der Routinier zwar aufgrund der Stürze von Cal Crutchlow, Nicky Hayden und Alvaro Bautista drei Positionen gut machen, von der Spitze war er aber weit entfernt.

Crutchlow, Hayden und Bautista mussten ihr Rennen also vorzeitig beenden, doch sie waren bei weitem nicht die einzigen. Derart viele Stürze wie an diesem Wochenende in Barcelona sieht man bei trockenen Bedingungen nur sehr selten. Acht Piloten gingen alleine im Rennen zu Boden, von denen nur Lukas Pesek weiterfahren konnte. Hinzu kommen zahlreiche Abflüge in den Trainingsessions zum Großen Preis von Katalonien. Besonders schwer traf es dabei Hiroshi Aoyama, der am Samstagvormittag stürzte, und dem noch am selben Tag ein Glied des linken Ringfingers amputiert werden musste.

Javier del Amor hatte wohl keine Zeit, um sein Helmdesign an das Bike anzupassen - Foto: Avintia Blusens

Des einen Leid, des anderen Freud. Der 36-Jährige Spanier Javier del Amor übernahm kurzfristig das Bike Aoyamas und feierte, besser spät als nie, sein Debüt in der Königsklasse. Wie überraschend der Einsatz für del Amor kam, war an seinem Helmdesign zu erkennen, das noch ein prominent platziertes Suzuki-Logo aufwies, obwohl er für Avintia Blusens eine FTR-Kawasaki pilotierte. Nichtsdestotrotz machte der MotoGP-Neuling seine Sache nicht schlecht. Er blieb im Gegensatz zu zahlreichen anderen Piloten während des Rennens im Sattel und durfte sich schlussendlich über einen WM-Punkt freuen. "Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich kann noch gar nicht glauben, was da passiert ist. Diesen Tag werde ich nie vergessen", zeigte sich del Amor nach dem Rennen überwältigt.


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