Moto3 - Cortese schreibt Geschichte

Emotionale Titelschlacht

Viele harte Lernjahre machten aus Sandro Cortese einen harten Kämpfer, der 2012 endlich einen Traum erfüllen und seinen ersten Weltmeistertitel feiern konnte.
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Motorsport-Magazin.com - Er strahlt übers ganze Gesicht, drückt seine Rivalen, Freunde, Teammitglieder und Eltern und fährt eine Ehrenrunde auf dem Sepang Circuit mit der Nummer eins am Motorrad und der deutschen Flagge in der Hand. Sandro Cortese hat seinen Traum in Sepang Wirklichkeit werden lassen. Schon seit 2005 fährt er in der kleinen WM-Klasse der MotoGP. Den Höhepunkt seiner bisher siebenjährigen Karriere im GP-Zirkus durfte er aber erst im Oktober 2012 feiern: Der erste Weltmeistertitel geht nach hartem Kampf endlich nach Berkheim. Corteses Weg zum Titel war allerdings wahrlich kein ruhiger Spaziergang.

Bereits im zarten Alter von vier Jahren stieg der Schwabe zum ersten Mal auf ein MX-Bike. Doch erst mit 13 startete er seine ersten Rennen in der 125ccm Klasse der IDM und wurde Vierter. Nach dem zehnten Rang im zweiten Jahr der deutschen Meisterschaft gelang ihm bereits der Absprung in die WM. Obwohl Cortese seine Gesamtplatzierungen in den ersten Jahren auf der Weltbühne stetig steigern konnte und 2009 zum ersten Mal auf dem Podest landete, sowie seine erste Pole verbuchen konnte, fehlte etwas Entscheidendes.

Ins kalte Wasser geworfen

"Ich bin sehr früh in die Weltmeisterschaft gekommen. Ich merke jetzt, dass das vielleicht sogar zu früh war, denn ich hatte keine Erfahrung im Vergleich zu manch anderen jungen Fahrern, die in der spanischen Meisterschaft immer optimal vorbereitet wurden. Ich wurde einfach ins Haifischbecken geschmissen ohne jegliche Kenntnisse und ich hatte auch kein Management, das ich selbst jetzt erst seit einigen Jahren habe", erklärte der 22-Jährige Motorsport-Magazin.com

Ich musste dagegen alles selbst erlernen, mir hat nie jemand irgendetwas gesagt
Sandro Cortese

Eigentlich sei Cortese erst 2010 richtig in der WM angekommen. "Die ganzen Jahre zuvor habe ich all das lernen müssen, was junge Piloten vielleicht in der spanischen Meisterschaft lernen. Ich musste dagegen alles selbst erlernen, mir hat nie jemand irgendetwas gesagt." 2011 folgte beim Tschechien GP endlich der lang ersehnte erste Sieg und mit Rang vier am Ende die beste Platzierung seiner WM-Karriere.

2012 wurde nicht nur in der kleinen Kategorie ein neues Kapitel aufgeschlagen, auch für Cortese begann eine neue Ära. Mit dem Red Bull Ajo KTM Team startete Cortese von Beginn der Saison an voll durch. Am 8. Juli gewann der 1,69-Meter-Mann zum ersten Mal seit 41 Jahren wieder als Deutscher auf deutschem Boden und übernahm auf dem Sachsenring gleichzeitig die Gesamtführung in der WM, die er in den folgenden Rennen weiter ausbauen konnte.

Ausgeflippt

Ein einsamer Durchmarsch? Fehlanzeige! Dabei war es nicht einmal nur Maverick Vinales, den Cortese selbst vor der Saison als Hauptrivalen auf der Rechnung hatte. Auch andere Gegner machten ihm das Leben schwer. Schon in Japan stand Cortese dank des Ausscheidens von Luis Salom kurz vorm Titelgewinn, das sollte allerdings nicht klappen: Teamkollege Danny Kent feierte seinen ersten GP-Sieg, Cortese stürzte in der letzten Runde und war stinksauer.

2009 schaffte es Sandro Cortese in Katar zum ersten Mal aufs Treppchen - Foto: Photopress

Voller Adrenalin ärgerte sich Cortese so sehr, dass es ihm später leidtat. "Erstmal bin ich richtig glücklich, dass gestern nicht mehr passiert ist, denn es hätte richtig schlimm ausgehen können!! Zu dem Vorfall mit Kent: Sein Überholmanöver war am Limit, aber letztendlich fair, das ist auch nicht der Grund, warum ich so ausgeflippt bin. Ich war gestern auf Titelkurs und hätte das ganze schon vorzeitig entscheiden können, wenn es bei dem Ergebnis geblieben wäre. Ich habe es als Team gesehen, dass wir zusammen Erfolg haben und dadurch mit ein klein wenig Schützenhilfe von seiner Seite gerechnet. Kent wusste, dass Salom draußen und Vinales nur Vierter war, das hätte gereicht. Auf der langen Geraden hatte ich also mit seinem Angriff nicht mehr gerechnet. Ich denke, es ist verständlich, dass es schwer ist, seine Emotionen komplett im Griff zu haben, wenn man den Titel vor Augen hat und dann zwei Kurven vor Schluss stürzt", schrieb er auf seiner Fanseite.

Dabei hätte sich der KTM-Pilot gar nicht so sehr aufregen und einfach nur ein paar Nächte drüber schlafen müssen. Denn schon eine Woche später in Sepang durfte Sandro Cortese seinen ersten Weltmeistertitel mit einem grandiosen Sieg feiern und dazu als allererster Moto3-Weltmeister Geschichte schreiben.

Nach Valencia geht die Reise für den neuen Weltmeister weiter. Cortese steigt ab 2013 mit seinem neu gegründeten Intact GP Team in die Moto2 auf und träumt noch immer von der Königsklasse. "Ich bin jetzt 22 Jahre alt und es gibt Piloten, die gehen erst mit 27 in die MotoGP. Im schlimmsten Fall wäre ich dann also 25 oder 26, wenn ich in die MotoGP komme. Da ist man immer noch jung", stellte er fest. Schließlich bleibt auch Corteses Traum Nummer eins MotoGP-Weltmeister zu werden und mit dem Moto3-Titel in der Tasche ist er nun auf dem besten Weg dahin.


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