Do, 24.04.2008

Formel 1 - Das Land Spanien und die Stadt Barcelona

Begeisterungsfähig und nicht nur touristisch

Spanien und Barcelona, das ist mehr als Tourismus und Sport - die zwei Dinge gehören aber unbedingt dazu.
Barcelona macht was her
© VW Motorsport

Motorsport-Magazin.com - Spanien, viele denken dabei an Urlaub, Meer und Entspannung. Kein Wunder, schließlich glänzt das Land mit schönem Wetter, hat mit Mallorca auch eine der bekanntesten Party-Inseln in seinem Staatsgebiet und auch angenehm ruhige Flecken, wo es sich entspannen lässt. Doch Spanien ist freilich mehr als nur Urlaub. Vor allem was den Sport betrifft, sind die Spanier äußerst begeisterungsfähig - und das betrifft nicht nur den Motorsport.

Fußball ist beinahe Religion und das Duell Real Madrid gegen Barcelona hält Jahr für Jahr beinahe das ganze Land in Atem. Der Stierkampf wird von außen gerne kritisch beäugt, doch für viele Spanier ist es Teil der einheimischen Kultur und fest mit dem Land verbunden - auch wenn er mittlerweile durchaus auch in der Kritik steht. Und auch der Motorsport hat seine Anhänger. Lange war die Motorrad-WM die unumstrittene Nummer 1, was den Sport auf motorisierten Fortbewegungsmitteln betraf. Welchen Stellenwert die MotoGP nach wie vor hat, zeigte sich vor kurzem, als in Jerez gefahren wurde. König Juan Carlos war zu Gast und veranlasste einen freundschaftlichen Handschlag zwischen den Star-Piloten Dani Pedrosa und Jorge Lorenzo, die nicht unbedingt als beste Freunde gelten.

Die Sagrada Familia: nicht fertig aber trotzdem schön © adrivo Sportpresse

Dank Fernando Alonso hat aber auch die Formel 1 mittlerweile einen riesigen Stellenwert im Land. Das zeigte sich zuletzt als der Kartenvorverkauf für den Grand Prix von Europa auf dem neuen Stadtkurs in Valencia begann. Innerhalb von zehn Tagen war das Rennen ausverkauft und 60 Prozent der Kartenkäufer waren aus Spanien.

Aber Spanien ist auch mehr als Begeisterung für Sport. Die parlamentarische Erbmonarchie mit Staatsoberhaupt Juan Carlos und Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat sich nach etwas schwereren Jahren mittlerweile auch wirtschaftlich gemausert. Iberia, Seat, Zara oder Telefonica zählen nur zu den bekanntesten Unternehmen, die das Land zu bieten hat. Das wichtigste Standbein ist aber nach wie vor der Tourismus, kommen doch sieben Prozent aller Touristen weltweit auf die iberische Halbinsel. Doch auch die Kommunikations- und Informationstechnik, die metallverarbeitende Industrie, die Landwirtschaft und die Petrochemie gehören zu den wirtschaftlichen Stützen des Landes.

Berühmteste Stadt ist wohl Barcelona, auch wenn der Titel der spanischen Hauptstadt Madrid gehört. Einen Hauptstadt-Titel konnte sich aber auch Barcelona sichern. Denn in der autonomen Gemeinschaft Katalonien ist Barcelona das politische Zentrum. Und neben dem für Rennfans wichtigen Circuit de Catalunya etwas außerhalb der Stadttore hat auch Barcelona selbst einiges zu bieten. Die nach wie vor unvollendete Sagrada Familia des berühmten Architekten Gaudi, der sich in Barcelona mit einigen Projekten ausgetobt hat ist nur ein Beispiel. Seit 1882 wird mittlerweile an der Kirche gebaut. Die Casa Mila, der Palau Güell, der Park Güell, die Casa Batllo, die Casa Vicens und die Casa Calvet von Gaudi sind dafür fertig geworden.

Das Nachtleben hat es auch in sich © adrivo Sportpresse

Neben den Bauten im Stil des Modernisme gibt es aber auch viele gotische Bauwerke im Stadtkern zu besichtigen, wie La Catedral, den Placa del Rei oder das Rathaus. Wer Lust zum Flanieren hat, wird um die Ramblas nicht herumkommen, die sich vom Stadtzentrum bis zum Hafen ziehen und mit einigen Kiosken, Cafés und allerlei Straßen-Unterhaltern aufwarten. Wer es bis zum Hafen schafft, kann sich dort auch gleich das Meeres-Aquarium ansehen, das dem Mittelmeer gewidmet ist. Unter anderem gibt es dort auch die Möglichkeit, Rochen zu streicheln - wenn man denn schnell genug ist.

Wie für eine große Stadt üblich, ist natürlich auch das Nachtleben nicht zu verachten. Wie für Spanien üblich, beginnt das allerdings erst spät. Vor Mitternacht herrscht meist noch Ruhe in den Clubs, dafür herrscht dort nachher volles Haus bei bester Stimmung. Wer sich am Rennwochenende dorthin verirrt, sollte allerdings eine gute Kondition mitbringen. Denn gefeiert wird bis zum frühen Morgen. Da kann man sich dann schon einmal fühlen, als hätte man beim Stierkampf verloren oder einen Fußball an den Kopf bekommen.

Spanien - Fakten, Fakten, Fakten

Spanien
Fläche: 504.645 km²
Einwohner: 45,2 Mio.
Einwohner Barcelona: 1,6 Mio.
Hauptstadt: Madrid (3,132 Mio. Einwohner)
Sprachen: Spanisch, Katalanisch, Baskisch, Galizisch, Aranesisch
Währung: 1 Euro = 100 Cent
Zeit: MEZ
Gliederung: 17 Regionen, 50 Provinzen
Staatsform: Parlamentarische Erbmonarchie (seit 1978)
Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero
Staatsoberhaupt: König Juan Carlos I.

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6 Leser-Kommentare
am 26. April um 17:23 Uhr
alonsusi: @eric11
ich kann dir in vielem zustimmen. stierkämpfe die im fernsehen übertragen werden, sind auch noch etwas kontrollierter (zum beispiel wird genau die zeit gestoppt die der torero braucht um den stier zu töten, sollte er die überschreiten, muss der stier auf andere weise sofort getötet werden, ortega cano ist ein spezialist darin... im verzögern), als die in den kleinen dörfern. trotzdem bleibt es tierquälerei, der stier leidet und zwar nicht wenig. das soll nicht heissen, dass schlachtiere bei der haltung und beim transport nicht auch leiden, auch da muss sich noch viel ändern. mir war auf jeden fall wichtig, dass überhaupt erwähnt wird, dass ein wiederstand gegen den stierkampf besteht. mit den "Königstreuen spaniern" ist es genau das gleiche. im ausland (insbesondere in deutschland) wird in der presse halt gern geschrieben, dass "die spanier" die königsfamilie lieben und verehren. dort in der presse findet man kaum etwas vom verbrennen der königsbilder. dass ein mitglied von IU zu stierkämpfen geht wundert mich gar nicht, da geht es oft nur um wählerstimmen. IU und die Grünen haben übrigens keine koalition mehr, das hatten sie mal vor vielen jahren. diese koalition nannte sich IU/Los Verdes. die Grünen haben sich aber schon vor vielen jahren von IU getrennt nur der damalige logotip darf weiter von IU benutzt werden (was sie auch munter tun, wenn sie damit ein paar wählerstimmen ergattern können) die grünen sind schon gerichtlich dagegen vorgegangen, aber es ist nichts zu machen. deshalb wissen viele leute auch nicht, dass IU und die Grünen nicht mehr zusammen sind. das alles weiss ich aus erster hand, von dem abgeordneten der grünen hier in córdoba. ansonsten kann ich mich dir nur anschliessen, auch ich lebe hier sehr gern und das schon seit 14 jahren. un saludo.
am 25. April um 23:27 Uhr
eric111: naja
Wie schon richtig beschrieben gibt es 'den' Spanier nicht, jedoch gibt es sehrwohl Tendenzen und das ist auch gut so, denn ich lebe seit 7 Jahren in Spanien (Málaga) und fühle mich dort sehr wohl, gerade weil es so ist wie es ist und bei allem Europa & der Globalisierung ist zumindest Südspanien nicht wirklich europäisch. "Spain is different", sagen die Spanier, "Catalunya is not Spain" die Katalanen. Und beide haben Recht. Spanier sind stolz auf den Stierkampf, auf Flamenco, Jamón Serrano, spanischen Rotwein, spanisches Olivenöl, Queso Manchego usw. usf. Doch Spanien ist nicht die geschlossene Nation, wie sie (wohl aus touristischen und idiologischen Gründen) oftmals von außen beschrieben wird und auch wenn man - wie in den Beiträgen bemerkt - nicht alles in Landesgruppen einteilen kann, so ist es Fakt, dass Katalonien sich (selbst) als eigenständiger Staat versteht und die Katalanen i.d.R. gegen "spanische Symbole" sind, wie sie z.B. der König (Stichwort: Königsplakat-Verbrennungen 2007) oder eben der Stierkampf sind. Oder das Lied "Qué viva España", welches in Katalonien nicht gerne gehört ist (was den meisten Touristen verborgen bleibt). Stierkampf ist in Katalonien jedoch NICHT generell verboten, nur in einigen Gemeinden und selbst das ist rechtlich unzulässig. 2007 z.B. gab der Stierkämpfer José Tomás sein Comeback in Barcelona (und kam im Laufe des Jahres bestimmt 4x 'unter den Stier'. Bei aller Liebe zur Vielfältigkeit: Regionen, die sich als spanisch verstehen sind stolz auf den Stierkampf und es gibt dort praktisch keine Diskussion darüber (zumindest keine negative). Im GEGENTEIL: Stierkämpfer kommen in der Beliebtheitsskala ungefähr den Fussballspielern von Real Madrid oder Barcelona gleich und fallen durch endlose Frauengeschichten auf. Sie sind gesellschaftlich absolut anerkannt und wichtige Stierkämpfe werden live übertragen, teilweise im Pay-Tv, teilweise frei. Diese jedoch im Sport- oder Gesellschaftsteil, wie auch in den Zeitungen, die ausführlich über Stierkämpfe berichten. Dann gibt es Tele5. Der Sender (aus Katalonien, aber das würde normalerweise nicht zur Sache stehen) lebt von Castingshows, BigBrother & Prensa Rosa (Yellow Press) und berichtet über die Bettgeschichten der Ex des Bruders der Mutter des Bekannten von dem und dem... Toreros sind natürlich ein gefundenes Fressen, da, z.B. alleine aus der Familie Janeiro (Jesulín de Ubrique usw.) und deren Ehen & Seitensprüngen eine Vielzahl "Persönlichkeiten" hervor gegangen sind (z.B. auch Belén Esteban) und da diese nicht sehr gesprächig waren, drehte man den Spiess um und schoss gegen den Stierkampf im allgemeinen. Das war jedoch nur für einige Monate der Fall. Mittlerweilen waren die Sendungen so überdreht (nicht wg. des Stierkampfes), da man den Stars & Sternchen in zu respektloser Weise gegenübertrat, das das Prensa-Rosa-Konzept nun wieder (für alle Sparten) freundlicher gestaltet wurde, da keiner mehr bereit für ein Interview war. So, das war etwas gross ausgeholt, aber es fehlt noch ein wichtiger Fakt. Ich bin i.d.R. gegen Stierkämpfe, respektiere diese jedoch, so wie jeder ein Land respektieren soll, in dem er lebt. Dennoch: das, was von den Tierschutzorganisationen vielfach behauptet wird, ist einfach unwahr. Wer sich einmal wirklich einen Stierkampf angesehen hat, der sieht, dass weder Hörnerenden abgesägt werden, noch das Tier unter Drogen steht. Letzeres wäre für den Torero ein Todesurteil. Es handelt sich auch nicht um einen feigen ungleichen Kampf, sondern der Torero geht ein unglaubliches Risiko ein, kniet sich z.B. vor den Ausgangstunnes des Stieres und schwinkt das Tuch im Kreis, wobei der Stier genau dann an ihm vorbeirausch, wenn dieses leicht neben ihm den Kreis vollendet. Ein Stier, der "im Dunkeln gehalten fast blind" heraus läuft oder "unter Drogen" steht, würde diese letztendliche Ablenkung nicht wahrnehmen und den Torero wie ein Zug mitnehmen (was gelegentlich auch vorkommt). Die Kunst des Stierkampfes besteht darin, den Stier so nahe wie möglich an den Körper zu lassen und ihn im letzten Augenblick wie zufällig ins Leere laufen zu lassen. Ein Stier, der nicht "voll da" ist, würde den Torero in jedem Fall auf die Hörner nehmen, ist also gefährlicher als einer, der auf die feine Finte reinfällt. Auch sind Kampfstiere zur Milchkuh etwa das, was der Wolf zum Hund ist. Das sind wilde Tiere. Es kommt sogar vor, dass diese (wie z.B. bei Tarifa geschehen) über die Abzäunung ihrer Weiden springen und auf der Landstrasse vorbei laufende aufs Horn nehmen und dabei töten. Ich sag mal: jemand der auf einer Stierweide von A nach B geht kommt da nicht lebend raus. Und auch in der Stierkampfarena geht der Stier auf den Torero los und nicht umgekehrt. Dabei sollte man die Kraft des Stieres trotz seiner bis zu 650 Kilo nicht unterschätzen. Ich habe schon Stiere über die Absperrung in die ersten Zuschauerreihen springen sehen, die dort ein Desaster angerichtet haben. Alles im TV, teilweise live und ungekürzt, jedoch hab ich noch nie einen Cent dafür ausgegeben, da ich den Stierkampf nicht mit meinem Geld unterstützen will. Ich akzeptiere ihn aber und war eher darüber verärgert mit welchen Vorurteilen und Lügen man von mitteleuropäischer Seite Sachen behauptet, die einfach keinerlei Grundlage haben, nur um dem Klischee und dem Schubladendenken gerecht zu werden. Auch aus diesem Grunde bin ich froh, hier in Spanien zu leben, denn dort würde man sich auch nicht über die Masttierhaltung Deutschlands aufregen. Der Kampfstier lebt zumindest 5 Jahre wie ein König. praktiziert. Und Spanier (die sich als Spanier verstehen) sind stolz darauf. Man kann jetzt alonsosusis Bericht hernehmen und auch sie hat Recht. Es gibt einen Widerstand. Dieser wird jedoch praktisch nur von 2 Seiten praktiziert: von der Tierschutzorganisation PETA, die den Rummel vor den Stierkämpfen gerne ausnutzt, um auf sich aufmerksam zu machen und von der katalonischen Regierung, die genauso gegen alle anderen spanischen Symbole reagiert, egal ob sinnvoll oder nicht. Wäre der Stierkampf in Barcelona erfunden worden, würde es dort keinerlei Diskussionen geben. Eine Vielzahl der Teilnehmer an den Kundgebungen der PETA-Organisation sind Ausländer. Was ich jetzt nicht wertend einwerfe, jedoch ist das Thema ja der Spanier & Spanien an sich. Ich persönlich, ok, in Südspanien gehen die Uhren anders, kenne sogar ein Stadtratsmitglied der Grünen (Izquierda Unida), der eine Dauerkarte beim Stierkampf hat und dies ganz normal sieht.
am 25. April um 14:46 Uhr
alonsusi: @falko
freut mich, dass du noch einen klärenden satz eingefügt hast. natürlich existiert der stierkampf und das sollte auch nicht verschwiegen werden, aber die proteste werden in ganz spanien immer zunehmender. und das hat noch nicht mal was mit den einzelnen landesgruppen zu tun.ich denke das liegt an der einstellung jedes einzelnen.
am 24. April um 13:01 Uhr
viste: @alonsusi
genau. Ausserdem ist der tierkampf in ganz catalunya (barcelona) seit jahren strickt verboten.
am 24. April um 12:55 Uhr
Falko_Schoklitsch:
Ja, mir ist durchaus bewusst, dass es den Spanier nur bedingt gibt, alle einzelnen Landesgruppen einzeln auszuschreiben, wäre aber auch nicht im Sinne des Erfinders. Deswegen bleibt auch nichts Anderes als die Verallgemeinerung. Wird mit DEM Amerikaner auch gerne gemacht, wobei es den genausowenig gibt und das geht in den meisten anderen Ländern der Erde genauso. Was den Stierkampf betrifft, muss ich auch zustimmen. Mir ist klar, dass es da mittlerweile auch in Spanien Kritik gibt, hab das nun auch in einem Nebensatz eingefügt. Dennoch sind die Veranstaltungen nach wie vor auch beliebt - trotz den Kritikern, die es gibt. Deswegen blieb mir auch hier nur die Verallgemeinerung, dass es für viele immer noch Teil der Kultur ist. Aber ja, ich gebe Recht, für viele andere ist es das nicht mehr. Schöne Grüße, Falko Schoklitsch (Steirer, Österreicher, Europäer)
am 24. April um 10:39 Uhr
alonsusi: ein grossteil der spanier verabscheut den stierkampf.
netter kleiner bericht, aber ein satz stört mich gewaltig und zwar aus dem einfachen grund, weil er absolut nicht der wahrheit entspricht. sie schreiben "der stierkampf wird von aussen gern kritisch beäugt, doch für die spanier ist er fest mit dem land verbunden" zum einen "die spanier" gibt es nicht.hier wird mal wieder, wie so oft, verallgemeinert. und zum anderen denke ich, dass ein journalist der einigermassen auf sich hält, doch etwas besser recherchieren sollte. der stierkampf wird in spanien seit vielen jahren massiv kritisiert. es gibt zeitungen, die sich weigern über stierkampf zu berichten, es gibt parteien die den stierkampf abschaffen wollen und ein grosser teil der bevölkerung (vor allen dingen der jüngeren generation) sieht den stierkampf als das was es ist: "zuschauer die sich an öffentlicher tierquälerei ergötzen" da kann man ja wohl nicht von kultur sprechen. der stierkampf existiert (noch), aber ich möchte klarstellen, dass sich ein grosteil der spanier dafür schämt und bereit ist dagegen zu kämpfen.
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