Formel 1 - Ferrari-Debriefing

Auf einem Level mit Michael Schumacher

Bei Ferrari wird bereits voll Richtung Saisonfinale gearbeitet, einiges vorbereitet und Kimi Räikkönen mit Michael Schumacher verglichen.

Motorsport-Magazin.com - Lang nahm man sich bei Ferrari nicht Zeit, um nach dem Rennen in Shanghai zu feiern. Schnell war das Team dabei, sich auf das Rennen in Sao Paulo zu konzentrieren, wo Kimi Räikkönen noch Außenseiter-Chancen auf den Titel hat. Deswegen war beim traditionellen Debriefing, das diesmal mit Stefano Domenicali und Luca Baldisserri stattfand, auch nur kurz das zurückliegende Rennen ein Thema. So waren beide nicht von dem Fehler von Lewis Hamilton überrascht und Domenicali erklärte warum: "Man kann überall Fehler machen. Das ist die Formel 1. Vielleicht dachte er, das wäre der einfachste Teil des Rennens. Das ist Racing."

Kimi hatte zumindest für vier Runden mehr Benzin. Auf dieser Strecke bedeuten vier Runden rund eine halbe Sekunde
Luca Baldisserri

Baldisserri konnte dafür darüber referieren, wie gut die Pace der Ferrari und vor allem von Kimi Räikkönen im Qualifying gewesen war, als die Bedingungen noch gut waren. "Kimi hatte zumindest für vier Runden mehr Benzin. Auf dieser Strecke bedeuten vier Runden rund eine halbe Sekunde. Das ist eine einfache Rechnung und man sieht, dass unsere Leistung im Qualifying gestern wirklich, wirklich gut war", erklärte er und meinte deswegen, dass man sich in punkto Pace nicht verstecken müsse. Dennoch sieht der Chefingenieur auch ein Problem im Qualifying - vor allem beim letzten Rennen. "Wir müssen herausfinden, wie wir den superweichen Reifen im Qualifying benutzen. Wir haben nach Budapest einiges gearbeitet und einige Dinge verstanden. In Brasilien müssen wir uns darauf konzentrieren", sagte Baldisserri.

Die Strecke an sich macht ihm aber keine Sorgen, da sie neu asphaltiert ist und deswegen die Bodenwellen keine Probleme mehr darstellen sollten. Eine spezielle Abstimmung hat man bereits, wird im Simulator aber weiter daran feilen. Tests gibt es ja keine mehr. "Wir können nicht testen, da es bis zum Rennen keine Tests mehr gibt. Wir haben einen Shakedown, den wir machen können, aber der wird nur dazu sein, um die Teile für das Rennen zu testen: Motor, Getriebe... Das Meiste, was wir tun können, ist am Simulator", erklärte der Chefingenieur. Die reduzierten Testkilometer in diesem Jahr sah er übrigens auch als Grund dafür, warum es mit der Zuverlässigkeit nicht immer funktioniert hat. "Leider sind die Testregeln anders als im Vorjahr. Ein Hauptteil unserer Zuverlässigkeit war, dass man die Dinge auf der Strecke probiert und Kilometer damit gemacht hat. Von jetzt bis zum nächsten Rennen ist kein Test, also können wir nur die Simulation laufen lassen, damit wir das beste Setup finden." Außerdem will man noch alte Teile prüfen, damit man alle Punkte abdeckt, die stören könnten.

Kimi Räikkönen fährt seit Saisonmitte auf dem Niveau von Michael Schumacher, meint Luca Baldisserri © Sutton

Und noch etwas wird Ferrari in Interlagos machen: dem Motor etwas mehr Kraft entlocken. Da man beim letzten Saisonrennen ist, muss der neue Motor, den die Fahrer bekommen, nur ein Rennen durchhalten, weswegen man ihm etwas mehr zumuten kann. "Das war unser Plan. Beim letzten Test haben wir am Motor etwas probiert. Der Motor muss normalerweise zwei Mal halten, diesmal aber nur ein Mal. Also kann man sich vorstellen, dass wir etwas probieren werden, damit wir ein wenig mehr Power haben", sagte Baldisserri. Domenicali erklärte auch, warum man so vorgeht. Man habe beim nächsten Rennen einfach keine andere Wahl, als aggressiv zu sein. "Wir brauchen die Plätze eins und zwei und dann werden wir sehen. Das wird also sicher unsere Strategie."

Wichtig wird es aber auch sein, die Reifen richtig zu managen, wie der Co-Teamchef zugab. Denn wer in Brasilien in den ersten Runden zu aggressiv fährt, der wird kaputte Reifen haben. "Dadurch wäre das Rennen schwieriger", meinte Domenicali, der sich freute, in Brasilien noch eine Chance auf den Titel zu haben. Als Wunder, wie es so mancher bezeichnete, wollte er es aber nicht sehen. "Wir haben acht von 16 Rennen gewonnen. Wir haben tolle Ergebnisse. Leider hatten wir dieses Jahr ein paar Probleme, aber wir sind immer noch da", meinte er. Um in Sao Paulo möglichst sicher vor Defekten zu sein, wird nun noch einmal eine Tiefenanalyse der bisherigen Saison gemacht, damit man alle Eventualitäten vorher schon abdecken kann. "Es ist aber kein Wunder. Wir haben immer gesagt, dass wir nicht aufgeben", betonte Domenicali.

Ein Fahrer, der ein Rennen wie heute ohne den kleinsten Fehler absolvieren kann, ist ein großer Champion
Luca Baldisserri

Noch weniger ein Wunder war es, dass Domenicali die Frage, ob im kommenden Jahr weiter Kimi Räikkönen und Felipe Massa weiter die Fahrer bei Ferrari sein werden mit einem lauten, deutlichen "Ja" beantwortete. Baldisserri musste dafür etwas weiter ausholen, als er die Zusammenarbeit mit Kimi Räikkönen mit jener mit Michael Schumacher vergleichen sollte. "Mit Michael haben wir 10 Jahre gearbeitet. Am Ende mussten wir uns nur in die Augen schauen und wussten, was das Problem war und was er meinte, wenn er über das Auto sprach", sagte der Chefingenieur. Bei Räikkönen habe es am Anfang ein paar Probleme gegeben, weil er sich nicht so leicht tat, seinen Fahrstil an das Auto anzupassen, die Systeme zu lernen und mit den Bridgestone-Reifen zurecht zu kommen. "Ich muss aber sagen, dass er seit Saisonmitte bis zu diesem Rennen hier auf dem gleichen Level war wie Michael. Ein Fahrer, der ein Rennen wie heute ohne den kleinsten Fehler absolvieren kann, ist ein großer Champion." In Sao Paulo stehen seine Chancen dennoch nicht zum Allerbesten.




31 Leser-Kommentare

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am 10. Oktober 2007 um 18:25 Uhr
Formulaone:
Ist ja irgendwo logisch, dass man zwei Fahrer am besten vergleichen kann, wenn sie im gleichen Auto sitzen. Dass die Teamkollegen von Schumacher nicht immer absolutes Topniveau hatten, mag auch stimmen. Der beste war wohl zuletzt Massa, der sich diese Saison gegen Raikkönen auch sehr gut gehalten hat. Nur warum wird dies immer gegen Schumacher verwendet, muss er sich dafür rechtfertigen? Er hatte über die Jahre alle Teamkollegen ganz klar im Griff, da seine Leistung anzuzweifeln, ist lächerlich. Häkkinen hat zwei Titel geholt, weil ein Coulthard ebenfalls kein absoluter Spitzenfahrer ist. Alonso hat seine Titel gegen einen ebenfalls eher mäßigen Fisico geholt.
am 10. Oktober 2007 um 17:30 Uhr
Ferraristo: @ n200
Ja mag sein daß Barrichello jetzt weniger punktet, aber zwischen 80 Punkte Barrichello, und 140 Punkte Schumacher liegt der Fahrer! Und nur der Fahrer! Und zum B194: mag sein, daß es eines von Rorys besten Fahrzeugen war... Aber der FW16 war trotzdem das klar überlegene Auto! Sowohl aerodynamisch, als auch kinematisch und mechanisch war der Williams damals das Maß der Dinge! Damon Hill war nur so schlecht, daß er damit nix zerrissen hat!
am 10. Oktober 2007 um 16:39 Uhr
n200: @Rennfreund
Auf Amateurbasis hast du änlich schnelle Fahrzeuge (Einheitsserie), da macht der Fahrer viel mehr aus, weil man das Material im Vergleich wegstreichen ... sicher übertrieben auch da gibts noch Material- und Supportunterschiede. Aber niemals so wie in der Formel1. Zwischen 80 Punkten Barrichello im Ferrari und 0 Punkten Barrichello im Honda liegt das Material und nur das Material. Mein Gott wann geht das mal in eure Birnen rein. Es gibt keine gerechte Fahrer-WM in der Formel1. B194 wurde von Byrne als eines seiner Besten Fahrzeuge beschrieben. Byrne ist der Konstrukteur aller WM-Autos von Schumacher (Ferrari + Benetton), falls du das nicht wissen solltest.
am 10. Oktober 2007 um 14:29 Uhr
Rennfreund: n200,
an dem was du schreibst kann ich herauslesen das du noch nie in deinem Leben irgendein Rennen bestritten hast. Ich hingegen habe das schon (leider schon recht lange her), zwar auf Amateurbasis doch das Prinzip ist das gleiche und du kannst mir glauben das fahrerisches Können das Manko am Fahrzeug schon bis zu einem gewissen Grad ausgleichen kann. Was ich aber jetzt zu gerne von dir hören würde. Erkläre mir doch bitte mal wo beim B194 z.B der Vorteil gegenüber einem Williams FW16 gelegen haben soll?
am 10. Oktober 2007 um 13:06 Uhr
n200: @adchris
Unterlegene Fahrzeuge sind schon mal gar nie die Fahrzeuge, welche Konstrukteursweltmeister werden. Ich weiss nicht was du dir für ne kuriose Logik zusammen reimst, aber der Titel der nun gar nichts mit Zufall zu tun hat, ist der Konstrukteurstitel. Der beschreibt so ziemlich genau die Stärke des Fahrzeugs respektive Teams. Nur die Fans im Lande des jeweiligen Fahrerweltmeisters denken, dass es primär ihrem Fahrer zu vergönnen sei, dass sie gewinnen ... sehen wir Alonso und Spanien, war früher bei Schumacher der Fall, würden wir in Zukunft bei Hamilton sehen. Es geht auch nicht darum das schnellste Auto zu bauen, es ist der beste Kompromis zwischen Speed und Zuverlässigkeit gefragt. Schon mehrmals haben nicht die schnellsten Autos die WM gewonnen, weil der Konkurrent zwar etwas schneller war, aber immer wieder Nuller wegen mangelnder Zuverlässigkeit geschrieben hat. Zum Grossteil Schumi anlasten kann: Meiner Meinung nach eine extrem naive Sicht der Dinge. Ein Fahrer kann ohne Topauto in der Formel1 gar nichts ausrichten. Und das Topauto baut und entwickelt das Team und sicher nicht der Fahrer (siehe Link zu R.Brawn). Vielleicht waren ja auch die Teamkollegen von Schumi etwas grottig, vermutlich kein Hamilton Niveau. Sah er etwas besser aus als er wirklich war. Schlussendlich wird ein Formel1-Fahrer immer relativ zu seinem Teamkollegen gemessen. Je durchschnittlicher der Teamkollege, desto grösser der Hype um den besseren Fahrer. Der Schumacher nannte ja Rubens als seinen besten Teamkollegen ... wie der gegen Button aussieht, siehst du ja auch. Beispiel Rosberg: Dieses Jahr bügelt er den Wurz nach belieben, im letzten Jahr hatte er gegen Webber eher das Nachsehen. Ich finde Nico fährt sehr gut, aber je nach Teamkollege kann man in der Formel1 sehr gut oder auch sehr schlecht aussehen.
am 10. Oktober 2007 um 12:25 Uhr
adchris: Vergleich unmöglich
Kimi mit Schumi zu vergleichen macht überhaupt keinen Sinn. Das würde nur Sinn machen, wenn sie im gleichen Auto gegeneinander gefahren wären. Aber so...! Aber: ich erinnere gern noch mal daran, dass Schumi mit einem unterlegenen Beneton Ford bzw. Renault gegen einen überlegenen Williams 2x die Weltmeisterschaft geholt hat (und das z.T. trotz einiger Disqualifikationen und Strafen). Auch die ersten Ferrari-Jahre zeugen doch wohl davon, dass Schumi nicht in einem Top-Auto gesessen hat. Aber: er hat beide Teams zu Fahrer- und Konstrukteuweltmeistern gemacht. Ich denke, dass kann man getrost zu einem großen Teil Schumi ankreiden, der ein Team führen und ein Auto mitentwickeln konnte. Diese Begabung/Fähigkeit bzw. diesen Ehrgeiz sehe ich bei Kimi (noch) nicht. Gib Kimi ein schnelles Auto, dann ist der auch schnell. Ich zweifle aber daran, dass er die selben Fähigkeiten wie Schumi besitzt, um aus einem unterlegenen Auto ein siegfähiges zu machen. Aber genau das kann er ja noch beweisen ;-)
am 09. Oktober 2007 um 19:19 Uhr
Ice Wolf: Es kann alles passieren!!
Mit Kimi als Weltmeister wäre die Welt doch auch schön. Er redet zwar wenig aber er sagt immer die Wahrheit. Er sieht zwar dumm aus aber wenn man genau hinsieht merkt man diese Wolfsaugen die hungrig sind. Er tut so wie ob er Kool,sei aber das täuscht denn hinter diese Fassade oder Maske steckt ein sehr emotionaler Mensch.
am 09. Oktober 2007 um 17:42 Uhr
Formulaone: Ferrari 2006
Der Ferrari 2006 war erst in der zweiten Saisonhälfte das bessere Auto. Zu Beginn hatte der Renault Vorteile.
am 09. Oktober 2007 um 17:40 Uhr
Ferraristo: @ n200
Ich bin kein Schumacher- sondern Ferrarifan! Was Du da vom stapel läßt, entbehrt einfach jeglicher Grundlage! Schumacher hatte in seiner Karriere exakt 3 mal das schnellste Auto im Feld: 2002, 2004 & 2006! In allen übrigen Saisons waren ander Autos mindestens gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen! Ich weiß ja nicht wie lange Du Dich bereits mit der Materie befaßt, aber Schumachers Jordan, oder die Benetton und die ersten 4 Ferraris als überlegene Autos zu bezeichnen...
am 09. Oktober 2007 um 16:48 Uhr
Formulaone: @Carmenrosa
Sympathie ist Geschmackssache, deshalb hat auch jeder Fan seine Lieblingsfahrer. Kimi ist sicherlich sympathisch. Es gibt aber auch Fahrer, die sind so sympathisch wie ein Haufen Dreck, weil sie ihr wahres Gesicht erst dann zeigen, wenn der Erfolg ausbleibt.
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