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Formel 1 - Großbritannien Vorschau: Team für Team

Heimspielzeit in der F1

Mit dem Großbritannien GP in Silverstone steht einer der großen Klassiker auf dem Programm. Motorsport-Magazin.com präsentiert die kompakte Vorschau.
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Motorsport-Magazin.com - Wenn der Formel-1-Tross in Silverstone Station macht, wo 1950 der erste Weltmeisterschaftslauf der Geschichte stattfand, ist es für nahezu alle Teams ein Heimspiel. Lediglich Ferrari, Sauber und Toro Rosso sind mit ihren Werken nicht in Großbritannien zuhause. Motorsport-Magazin.com liefert die Kompakt-Vorschau zum neunten Saisonrennen.

Mercedes (Brackley)

Das Silberpfeil-Duell geht in die nächste Runde - Foto: Sutton

In Silverstone sind alle Augen auf Lewis Hamilton gerichtet. Der Lokalmatador sollte tunlichst danach trachten, endlich wieder vor seinem Stallgefährten Nico Rosberg ins Ziel zu kommen, der in der Weltmeisterschaft mittlerweile über ein komfortables Polster von 29 Punkten verfügt. Motorsportchef Toto Wolff geht davon aus, dass sich seine Schützlinge wieder ein hartes Duell liefern werden. "Unsere Fahrer sind auf dieser Strecke beide besonders stark und wir erwarten erneut einen sehr engen Kampf zwischen ihnen", sagt der Österreicher. Luft nach oben gibt es bei Mercedes vor allem noch in puncto Boxenstopps, Hamilton verlor beim Reifenwechsel zuletzt wertvolle Zeit.

Red Bull (Milton Keynes)

Vettels Pechsträhne nimmt kein Ende - Foto: Sutton

Nach dem Heimspiel ist vor dem Heimspiel. Während Red Bull in Spielberg auf der konzerneigenen Strecke ein perfektes Rennwochenende inszenierte - lediglich die eigenen Ergebnisse fielen äußerst dürftig aus -, freuen sich die zahlreichen britischen Mitarbeiter des Teams nun auf ihr Heimrennen in Silverstone. Unter normalen Umständen sollte Red Bull nichts mit dem Sieg zu tun haben, sofern die Konkurrenz unbeschadet durchs Rennen kommt. "Wie wir aber kürzlich in Montreal gesehen haben, kann alles passieren. Wir geben sicherlich Vollgas", glaubt Teamchef Christian Horner jedoch an eine Überraschung. Gerade Sebastian Vettel muss sich ordentlich ins Zeug legen, liegt er doch schon stattliche 23 Punkte hinter seinem Teamkollegen Daniel Ricciardo zurück, wenngleich dies in erster Linie technischen Gebrechen geschuldet ist.

Ferrari

Alonso holt aus dem Ferrari das Maximum heraus - Foto: Sutton

Die Scuderia quält sich mehr schlecht als recht durch die Saison. Auch der Wechsel an der Teamspitze von Stefano Domenicali hin zu Marco Mattiacci zog keinen nennenswerten Aufwärtstrend nach sich, sodass Fernando Alonsos dritter Platz aus China weiterhin Ferraris einzige Podiumsplatzierung darstellt. Angesichts des schwächelnden F14 T ist Alonsos bisherige Leistung gar nicht hoch genug einzustufen, der vierte Rang in der Weltmeisterschaft stellt mit diesem Auto gewiss das absolute Maximum dar. Ob der Wagen allerdings so schlecht wie Kimi Räikkönens zwölfter Zwischenrang ist, muss infrage gestellt werden. In Silverstone sollte die Scuderia zwar erneut Punkte sammeln können - Alonso gelang dies in jedem Rennen der Saison -, mit der Spitze werden die Roten allerdings nur im Falle von Wetterkapriolen etwas zu tun haben. Immerhin macht die Statistik Mut: Mit 13 Siegen ist Ferrari das erfolgreichste Team in Silverstone.

Force India (Silverstone)

Hülkenberg peilt die nächsten Punkte an - Foto: Sutton

Neben Fernando Alonso und Nico Rosberg ist Nico Hülkenberg der einzige Pilot im Feld, der bislang von jedem Grand Prix Zählbares mitnahm. Dass Platz neun in Spielberg zuletzt das zweitschlechteste Saisonergebnis des Deutschen darstellte, zeigt, wie hoch die Ansprüche mittlerweile geworden sind. Teamkollege Sergio Perez kann von so einer Bilanz zwar nur träumen, dafür stand er im Gegensatz zu Hülkenberg bereits auf dem Podium und führte zuletzt den Großen Preis von Österreich für einige Runden an. Hätte der Mexikaner in der Startaufstellung keine Strafversetzung hinnehmen müssen, wäre schlussendlich vielleicht noch mehr als der sechste Platz drinnen gewesen.

Williams (Grove)

Williams nahm viele Punkte aus Spielberg mit - Foto: Sutton

Nach dem Qualifying in Spielberg hing der Himmel für Williams voller Geigen. Felipe Massa und Valtteri Bottas bescherten dem Traditionsteam erstmals seit mehr als zehn Jahren die komplette erste Startreihe. Im Rennen musste man sich dann zwar nahezu erwartungsgemäß den beiden Werks-Mercedes geschlagen geben, allerdings gelang mit den Rängen drei und vier dennoch das beste Ergebnis der Saison, was einen Vorstoß in der Konstrukteurs-Wertung zur Folge hatte. Unglaublich aber wahr: Williams' letzter Podiumsplatz beim Heimspiel datiert aus dem Jahre 2003, als Juan Pablo Montoya Zweiter wurde. Kann die Performance aus Österreich wiederholt werden, ist ein Ende der Durstrecke nicht unwahrscheinlich.

McLaren (Woking)

Quo vadis, McLaren? - Foto: Sutton

Mittlerweile findet sich McLaren nur mehr auf dem sechsten Rang der Hersteller-Wertung wieder, was den eigenen Ansprüchen ganz und gar nicht gerecht wird. Seit dem Auftakt in Melbourne mit den Plätzen zwei und drei kamen Jenson Button und Kevin Magnussen nicht mehr in Schwung, doch in Woking will man von Resignation nichts wissen. "Wir werden bis zum letzten Grand Prix kämpfen, das liegt in der Natur unseres Teams", stellt Ron Dennis klar und dementiert damit, dass das Team die Saison bereits abgeschrieben habe. Wie Williams und Force India sollte auch McLaren von den Mercedes-Kundenmotoren profitieren - zumindest in der Theorie, denn stimmt die Aerodynamik in Silverstone nicht, ist selbst die stärkste Power Unit nutzlos.

Toro Rosso

Toro Rosso stoplert durch die Saison - Foto: Sutton

Noch schlechter als für Red Bull, lief das Heimspiel in Spielberg für Toro Rosso, nach Defekten sah weder Jean-Eric Vergne noch Daniil Kvyat das Ziel. Somit hält Toro Rosso noch immer bei enttäuschenden zwölf Punkten, was weit hinter der Erwartungshaltung liegt. Gerade für Vergne wäre es dabei an der Zeit, endlich ein richtiges Ausrufezeichen zu setzen, denn obwohl der Franzose ein paar Zähler mehr auf dem Konto hat, machte er bis dato keineswegs eine bessere Figur als sein unerfahrener Teamkollege. Ohne Leistungsexplosion stehen die Zeichen zum Saisonende somit wohl auf Abschied.

Lotus (Enstone)

Kann Lotus wieder punkten? - Foto: Sutton

Sie liegen schon wieder rund einen Monat zurück, die letzten Punkte für Lotus. Sowohl in Kanada als auch Österreich ging das Team aus Enstone leer aus, weshalb man nun in Silverstone hofft, wieder anschreiben zu können. "Es gibt dort viele extrem schnelle Kurven, die uns deutlich mehr entgegen kommen sollten", glaubt Chefingenieur Nick Chester, dass die Traditionsstrecke dem E22 mehr als der Red Bull Ring liegt. Zudem reist Lotus mit einigen Updates an, inklusive eines neuen Frontflügels und Unterbodens sowie einiger neue Aerodynamik-Teile und Setup-Optionen.

Marussia (Banbury)

Marussia hat sich von Caterham abgesetzt - Foto: Sutton

Dank Jules Bianchis Punkterfolg in Monaco rangiert Marussia noch immer auf dem neunten Platz der Konstrukteurs-Wertung. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Silverstone neuerlich angeschrieben wird, ist jedoch verschwindend gering, denn wenn das kleine Team Chancen auf Zählbares hat, dann auf Kursen, wo die Aerodynamik nicht bis auf das Letzte gefordert wird. Sollte der Himmel allerdings seine Schleusen öffnen, was auf der Insel schon einmal vorkommen kann, und es ein Chaosrennen geben, könnte Marussia womöglich profitieren.

Sauber

Sauber hofft auf die ersten Punkte - Foto: Sutton

Sauber startet den neunten Anlauf, um endlich die Null vom Punktekonto zu löschen und die bis dato völlig verkorkste Saison in versöhnliche Bahnen zu lenken. Allzu große Hoffnungen darauf sollte man sich in Hinwil allerdings nicht machen, denn der Abstand zur Konkurrenz ist erheblich und wird auf einer anspruchsvollen Strecke wie Silverstone eher größer als kleiner werden. Dass Esteban Gutierrez um zehn Startplätze strafversetzt wird, schmälert die ohnehin schon geringen Erfolgsaussichten noch einmal. Sauber muss sich wohl oder übel in die Sommerpause retten und wie im letzten Jahr darauf hoffen, in der zweiten Saisonhälfte in Schwung zu kommen.

Caterham (Leafield)

Caterham blickt ungewissen Zeiten entgegen - Foto: Sutton

Unschöne Meldungen machten in den vergangenen Tagen die Runde. Caterham-Boss Tony Fernandes hat mit der Formel 1 abgeschlossen, nicht zuletzt weil die angestrebte Budgetgrenze, die den kleinen Teams das Leben erleichtern soll, weiterhin in weiter Ferne ist. Noch vor dem Rennwochenende soll der Verkauf des Rennstalls unter Dach und Fach gebracht werden. Angesichts der mehr als ungewissen Zukunft des Teams treten die sportlichen Aspekte klar in den Hintergrund, zumal es einem Wunder gleichkäme, sollte Caterham nun ausgerechnet in Silverstone die ersten Punkte holen.


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