Formel 1 - Malaysia GP: Die Streckenvorschau

Brutal für Mensch und Maschine

Die zweite Station der Formel 1 in Malaysia ist für Fahrer und Material eine enorme Herausforderung. Wetter und Streckenlayout tragen entscheidend dazu bei.
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Motorsport-Magazin.com - Bereits zum vierten Mal in Folge ist der Sepang International Circuit vor den Toren der malaysischen Metropole Kuala Lumpur die zweite Station im Formel-1-Kalender. Viele entscheidende Faktoren müssen hier für ein erfolgreiches Abschneiden zusammenkommen. In der neuen Ära der turbobetriebenen Power Units gar mehr denn je. Vom Streckenprofil her hat der Kurs mit dem Albert Park aus Melbourne kaum etwas gemein, weswegen sich ein neues Kräfteverhältnis ohne Weiteres auftun kann. Mit den teils unvorhersehbaren heftigen Monsunschauern verfügt Malaysia zudem traditionell über ein weiteres und möglicherweise entscheidendes Spannungselement.

Monsunregen ist eine der großen Unbekannten bei den Malaysia-Rennen - Foto: Sutton

Der insgesamt 5,543 Kilometer lange und flüssig zu fahrende Kurs setzt sich hauptsächlich aus schnellen Kurven und den zwei jeweils über einen Kilometer langen Geraden zusammen. 56 Runden für insgesamt knapp über 310 Kilometer müssen die Piloten bei normalem Rennverlauf am Sonntag zurücklegen. Besonders imposant: Zehn der fünfzehn Biegungen werden dabei mit mindestens 170 km/h durchfahren. Angesichts der reglementbedingten niedrigeren Downforce im Jahr 2014 dürfte sich dieser Durchschnitt allerdings senken. Der Asphalt in Sepang erweist sich traditionell als ziemlich rau und ist daher für die Reifen weit weniger zuträglich als der weitestgehend glatte Belag zum Saisonauftakt in Melbourne.

Während in Malaysia im ersten und letzten Sektor die beiden langen Geraden, aber auch einige extrem langsame Abschnitte von rund 80 Stundenkilometern zu finden sind, besteht das mittlere Teilstück fast nur aus schnellen Kurven und Vollgaspassagen. Um hier erfolgreich zu sein, wird es für die Teams daher vor allem darauf ankommen, den optimalen Setup-Mix zwischen geringem Luftwiderstand und gleichzeitig möglichst hohem Anpressdruck zu finden. Da Downforce jedoch vor allem bei nassen Bedingungen äußerst wichtig und zudem bedingt durch das neue Technische Reglement bereits geringer ist als in den Jahren zuvor, stehen die Teams hier vor einer besonderen Setup-Herausforderung.

Herausforderung Power Unit

Auch in Sachen Spritverbrauch ist Sepang eine jener Strecken, auf der ein Erreichen des Ziels bei konstant hohem Leistungsniveau des Boliden mit lediglich 100 kg Treibstoff am Schwierigsten zu bewerkstelligen ist.

Die langen Geraden werden für die Turbomotoren eine Tortur der besonderen Art - Foto: Sutton

Von den sechs Hauptkomponenten der Power Unit wird der Verbrennungsmotor am stärksten beansprucht. Der Grund hierfür ist recht simpel: Senkte sich die Motorenleistung bisher stets automatisch durch den enorm hohen Wassergehalt in der Luft - was sich vor allem auf den langen Geraden schonend auf den Motor auswirkte - ist dieser Vorteil bei einem Turbo-Aggregat nicht mehr gegeben. Da die Luftzufuhr unabhängig von äußeren Wetterbedingungen stets strikt reguliert ist, werden die Geraden mit der extrem hohen Anforderung an den Verbrennungsmotor nun belastungstechnisch deutlich mehr ins Gewicht fallen.

Mit knapp 100.000 Umdrehungen pro Minute läuft der Turbomotor für zweimal knapp zehn Sekunden in einem äußerst hochtourigen Bereich. Allerdings haben die Geraden auch merkliche Vorteile. So kann vor allem die Batterie der MGU-H problemlos auf diesen Passagen geladen werden. Die vier extrem langsamen Kurven direkt nach Start und Ziel, vor der zweiten Zwischenzeit sowie die Verbindungskurve zwischen Gegengerade und Start- und-Ziel bieten optimale Möglichkeiten, MGU-K durch Bremsenergie zu laden.

Herausforderung Wetter

Das Wetter in Malaysia kann ich vielerlei Hinsicht eine Rolle spielen. Die extrem hohen Temperaturen erfordern eine ausreichende und effektive Kühlung sämtlicher wichtiger Systeme im Innenleben der Boliden. Zudem sorgt die extreme hohe Wahrscheinlichkeit an mitunter heftigen Regenfällen dafür, dass der Bedeutung der Rennstrategie und Fähigkeit der schnellen Anpassung an die Situation eine noch bedeutendere Rolle zukommt als sonst. Eine nasse Strecke birgt vor allem in Zeiten der Turbomotoren ein deutlich größeres Gefahrenpotential als bisher: Aufgrund des hohen Drehmoments der Boliden wird dann vor allem das Herausbeschleunigen aus den Scheitelpunkten der Kurven extrem erschwert. In Kombination mit dem bei Nässe schwindenden Grip findet sich hier ein potentiell entscheidendes weiteres Spannungselement.

Anforderungen an die Technik

Von 1 (niedrig) bis 5 (hoch)

Verbrennungsmotor 4
MGU-K 3
MGU-H 4
Batterie 3
Benzinverbrauch 4
Energierückgewinnung 4
Bremsen 3

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