Formel 1 - Monaco GP - Die sieben Schlüsselfaktoren

Wenn es Nacht wird in Monte Carlo...

... träumen die Silberpfeil-Piloten vom ersten Saisonsieg, hofft Fernando Alonso auf einen guten Start und rechnet Bernd Mayländer mit viel Arbeit.

1. S - wie Start

Ein guter Start ist in Monaco der Schlüsselfaktor schlechthin. Überholen ist auf dem engmaschigen Kurs durch die Straßenschluchten Monte Carlos nahezu unmöglich. "Hier gelten andere Gesetze, das Überholen ist sehr schwierig", erklärte Vettel die besondere Herausforderung beim Glamour Grand Prix. "Wenn man es clever anstellt, kommt der Hintermann nicht vorbei. Es kann ziemlich frustrierend sein, wenn man dem Vordermann 78 Runden lang im Kofferraum hängt." Die beste Möglichkeit, Plätze auf der Strecke gut zu machen, haben die Piloten, wenn die Startampel auf Grün springt.

Der Start wird entscheidend sein - wir müssen auch nach Kurve eins noch zwingend vorne sein.
Nico Rosberg

Pole-Setter Nico Rosberg weiß natürlich um die Bedeutung der ersten Meter in Monaco. Der Mercedes-Pilot unterstrich, wie wichtig eine gute Losfahrt für die nicht unbedingt mit der besten Racepace ausgestatteten Silberpfeile sei, um das Vorhaben erster Saisonsieg in die Tat umzusetzen. "Der Start wird entscheidend sein - wir müssen auch nach Kurve eins noch zwingend vorne sein", sagte er. "Da ich Erster bin, habe ich einen Vorteil." Gelingt es ihm, diesen gewinnbringend einzusetzen, stehen die Chancen für den ersten Silber-Erfolg im Jahr 2013 nicht schlecht.

2. S - wie Startaufstellung

WM-Leader Vettel hat die Hoffnung auf einen zweiten Sieg in Monaco noch nicht aufgegeben. Der Red-Bull-Pilot traut sich durchaus zu, von Startplatz drei noch ganz nach vorne zu fahren. Dass die beiden Mercedes-Piloten in der ersten Startreihe stehen und nicht ein Auto seiner ärgsten WM-Konkurrenten, wertete der Weltmeister als gutes Zeichen. "Ich bin zufrieden, dass kein Ferrari oder Lotus vor mir ist", so Vettel. "Es ist ganz gut, dass Mercedes vor uns steht, die müssen mindestens genauso oft an die Box wie wir. Startplatz drei ist ein gutes Ergebnis und wir sollten hier die Möglichkeit bekommen, zu gewinnen."

Gelingt Vettel in Monaco der dritte Saisonsieg - Foto: Sutton

Spannung verspricht auch der etwas enttäuschende sechste Platz von Fernando Alonso beziehungsweise die Konstellation, dass Vettel und Kimi Räikkönen auf P3 und P5 für den Spanier noch nicht außer Reichweite sind. Einen Sieg hält der Ferrari-Star für unwahrscheinlich, aber er kündigte bereits an, die vor ihm platzierten WM-Rivalen zu attackieren. "Ich muss vor Kimi und Seb ins Ziel kommen", sagte der zweimalige Champion. "Es wird bestimmt schwierig. Aber mit einem guten Start ist es machbar."

3. S - wie Strategie:

Die Strecke in Monaco geht mit den Reifen sehr schonend um, im Vorjahr gab es deshalb insgesamt nur 26 Stopps. Eine Einstopp-Strategie dürfte mit der diesjährigen Pirelli-Generation aber hart werden. Die Supersoft-Mischung müsste in diesem Fall an die 27 Runden lang halten. "Zwei Stopps wären um elf Sekunden schneller - das ist relativ wenig, wenn man aus der Box fährt und jemanden vor sich hat, sind diese elf Sekunden schnell weg", meinte Niki Lauda zur Strategie. "Jeder muss versuchen, auf einem Stopp zu fahren. Ob es sich ausgeht, muss man morgen ausrechnen", so Lauda weiter. Red Bulls Motorsportberater Dr. Helmut Marko hört sich bezüglich zwei Stopps ein wenig zuversichtlicher an: "Wenn Löcher da sind, wo man frei fahren kann, dann kann durchaus eine Zweistopp-Strategie erfolgreich sein."

4. S - wie Silberpfeil-Sieg

Vier Pole Positions haben sich auf dem Silberpfeil-Konto in dieser Saison angehäuft. Doch zum Sieg reichte es bislang noch nicht, den Pirelli-Pneus sei Dank. Doch schon nach dem Barcelona GP hieß es von allen Seiten, Mercedes sei der Favorit in Monaco, schließlich ist Überholen nirgends schwieriger als im Fürstentum. Doch das ist nicht der einzige Hoffnungsschimmer für die Silberpfeil-Piloten, die am Sonntag von den ersten beiden Startpositionen ins Rennen gehen. Die Reifen scheinen in Monaco nicht die ganz große Rolle zu spielen - und mit Rosberg und Lewis Hamilton drehen zwei Monaco-Spezialisten an den Mercedes-Lenkrädern. Auch im vergangenen Jahr konnte Rosberg die Pace des späteren Siegers Mark Webber mitgehen und sah sogar phasenweise schneller aus.

5. S - wie Setup

Monaco ist extrem: Auf keiner anderen Strecke ist die Durchschnittsgeschwindigkeit geringer als auf den Straßen des Mini-Staats. Deshalb sind alle Boliden kompromisslos auf Abtrieb getrimmt. Nirgends sind die Flügel so steil, nirgends sind mehr Anbauteile an den Autos zu sehen - jeder Punkt Downforce zählt. Umso stärker wiegt der DRS-Effekt. Wenn auf der Start- und Zielgeraden auf der Zufahrt von Sainte Devot der Heckflügel im Zweikampf hochgeklappt werden darf, bringt das einen überproportionalen Geschwindigkeitszuwachs.

Alles am Setup. Wo sonst?
Helmut Marko

Weil die Geschwindigkeiten so gering sind, spielt die Aerodynamik in Monaco eine kleinere Rolle, als sie das sonst tut. Mechanischer Grip, also Haftung, die mit Reifen und Fahrwerk generiert wird, ist essenziell. Bei Red Bull scheinen die Ingenieure nach dem durchwachsenen Donnerstag an eben jener Schraube gedreht zu haben. "Alles am Setup. Wo sonst?", antwortete Motorsportberater Marko bei Motorsport-Magazin.com auf die Frage, wo die Mannschaft von Christian Horner die entscheidenden Zehntel gefunden habe.

6. S - wie Strecke

Monaco nimmt im Rennkalender eine Sonderstellung ein. Kein Kurs hat auch nur eine ähnliche Charakteristik wie jene Strecke, auf der seit 1950 bereits 59 Große Preise ausgetragen wurden. Doch was macht Monaco so speziell? Leitplanken direkt an der Strecke sind schließlich eine Charakteristik, die jeder Stadtkurs hat. Doch in Monaco sind es nicht nur die Leitplanken, die den Kurs so unverwechselbar machen. Geradezu wahnsinnige Enge, Höhenunterschiede wie man sie sonst in Spa oder auf der Nordschleife findet und ein atemberaubendes Ambiente sind die wichtigsten Zutaten für den Mythos Monaco. Obwohl die Renndistanz nur 260 Kilometer beträgt, zählt das Rennen in Monte Carlo zu den anstrengendsten überhaupt. Konzentrationsschwächen dürfen sich die Fahrer nicht erlauben, jeder Fehler könnte das Ende bedeuten - und mit großer Wahrscheinlichkeit tut er das auch.

In Monaco spielt das Safety Car immer mal wieder die Hauptrolle - Foto: Sutton

7. S - wie Safety Car:

In den letzten zehn Jahren fuhr das Safety Car insgesamt 14 Mal auf die Strecke, 2010 und 2012 sogar schon nach der ersten Runde. Sobald es kracht, ist auf dem engen Straßenkurs kaum Platz für die Marshals, weswegen Bernd Mayländer kaum auf einer Stecke so oft die Boxengasse verlassen muss, wie im Fürstentum. Aufgrund der geringen Anzahl an Boxenstopps, kann der Zeitpunkt einer SC-Phase in Monaco mehr als überall anderswo über ein gutes oder schlechtes Ende des eigenen Rennens entscheiden.


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