Formel 1 - Prost von Rollenbild in Senna-Film enttäuscht

Nicht die wahre Geschichte erzählt

Bei Alain Prost sitzt der Stachel in Bezug auf den Senna-Film immer noch tief: Mit seiner Darstellung in der gefeierten Dokumentation ist er sehr unglücklich.
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Motorsport-Magazin.com - 2011 sorgte die dokumentarische Biographie über des Leben von Ayrton Senna weit über die Grenzen der Motorsportwelt hinaus für Aufsehen und viel Applaus. Filmemacher Asif Kapadia wurde für sein Portrait der brasilianischen Rennlegende gefeiert, der Film räumte unzählige Fachpreise ab, so auch die Hauptehrung beim renommierten Sundance Film Festival. Klar geprägt war der Streifen wie auch die Karriere des 1994 in Imola tödlich verunglückten Sennas von der erbitterten Rivalität zu Alain Prost, seinem ehemaligen McLaren-Teamkollegen und großen Widersacher in so mancher Titelschlacht. Dass Prost, gemeinsam mit dem ehemaligen FIA-Präsidenten Jean-Marie Balestre, in der Aufarbeitung nicht besonders gut wegkommt, stößt dem Franzosen auch anderhalb Jahre nach der Filmpremiere noch übel auf.

Das Einzige, was ich in meiner ganzen Karriere bereue, ist dieser Film, der über Ayrton gemacht wurde.
Alain Prost

"Das Einzige, was ich in meiner ganzen Karriere bereue, ist dieser Film, der über Ayrton gemacht wurde", erklärte der aufgebrachte Ex-Pilot nun gegenüber CNN. Seiner Meinung nach werde nicht alles korrekt dokumentiert. "Man muss die ganze Geschichte erzählen und zwar richtig. Außerdem sollte man akzeptieren, dass jeder Mensch gewisse Qualitäten, aber auch Fehler hat - und sich nicht nur simpel in schwarz und weiß unterteilen lässt", so Prost, der sich zweifelsohne in die Rolle des Bösen gedrängt sah. "Was ich daran bereue, wie es nun abgelaufen ist, ist der Fakt, dass es bei der ganzen Sache ja nicht nur um den Sport ging - sondern auch um die menschliche Seite."

Prost kennt die wahren Hintergründe

Auf der Piste schenkten sich die erbitterten Rivalen keinen Zentimeter - Foto: Sutton

"Ich bin schwer enttäuscht, denn man hat die Gelegenheit verpasst, den Menschen und eigentlich der ganzen Welt zu zeigen, was damals wirklich passiert ist und dass es schon ein bisschen anders war", klagte der Franzose, der ob seiner exponierten Stellung als Feindbild Nummer eins in Sennas Karriere eine tragende Rolle einnimmt. Gerade in den letzten Monaten ihres gemeinsamen Weges, hätten sich viele der alten und offenen Rechnungen jedoch in Wohlgefallen aufgelöst. "Ich für meinen Teil und in mir drin weiß ja, wie es sich zugetragen hat. Ich kenne die Geschichte und ich weiß auch, wie Ayrton kurz vor seinem Unfall war, als ich bereits meinen Rücktritt verkündet hatte - aber das behalte ich für mich", erklärte Prost.

Drehbuchautor Manish Pandey wollte der Kritik des vierfachen Weltmeisters nur bedingt zustimmen. Er erklärte: "Es war sehr, sehr schwierig, diese zehn Jahre in der Formel 1 in nur 100 Minuten hineinzupacken. Alain war so nett, uns ausreichend Zeit zu lassen - und am Ende des Films zeigen wir insgesamt sieben Gesten der Versöhnung zwischen ihm und Ayrton." Pandey war überzeugt, dass man diese freundlichere Stimmung definitiv eingefangen habe. "Das sieht man, wenn man sich nur einmal die Szenen von Ayrtons letztem Sieg in Adelaide 1993 ansieht. Das sind warme Gesten, alle lachen, hier und da gibt es einen Schulterklopfer. Ich denke, auf dem Podium kommt das schon alles zusammen", wies er die Vorwürfe des 57-Jährigen zurück.

Rahmenhandlung wichtiger als Rivalität

Adelaide 1993: Prost, Senna & Hill feiern gemeinsam auf dem Podium - Foto: Sutton

Zudem sei Prost im Film der letzte und wohl auch wichtigste Mensch, der an Sennas Sarg vorbeigeht, womit man versucht habe, die besondere Rolle des Franzosen nachhaltig hervorzuheben. Des Weiteren erklärte der Autor, dass man bemüht gewesen sei, einen Videoclip mit Onboardaufnahmen Sennas aus Imola mit in den Film einzubauen, den der Brasilianer für das französische Fernsehen mit den Worten 'Für meinen Freund Alain. Wir vermissen dich Alain!' kommentiert hatte. Das Miteinbinden scheiterte jedoch an der mangelhaften Qualität der Aufnahmen und dem stimmungsvoll nicht mehr passenden Kontext zu den restlichen Eindrücken des Imola-Wochenendes.

"All diese Dinge, wie Rivalitäten, wer wem was angetan hat, wer wo disqualifiziert wurde und wer welche Trophäe gewonnen hat - für den Zusammenhang des übergeordneten Handlungsstrangs spielt das nur eine wenig signifikante Rolle", war Pandey überzeugt. Das Duell zwischen Senna und Prost habe man deshalb bewusst nicht in den absoluten Mittelpunkt stellen wollen. "Sonst hätten wir den Film 'Senna vs. Prost' nennen können. Klarerweise ist die Rivalität ein wichtiges Element unseres Portraits - aber eben ganz sicher nicht das einzige." Dass die Geschichte der beiden Rennlegenden jedoch derart eng miteinander verknüpft sei, müsse jedem klar sein, beteuerte wiederum Prost. "Wenn man heutzutage Prost sagt, sagt man damit zeitgleich auch Senna."

Die beste Ära aller Zeiten

"Das ist ein Teil der Geschichte der Formel 1", so der Franzose. Er sei stolz, in dieser eine entscheidende Rolle zu spielen. "Meiner Meinung nach waren das vielleicht die besten Jahre überhaupt", sprach der viermalige Champion vielen passionierten Anhängern aus der Seele. Welch große Wellen ihre Story in der damals immer mehr aufkommenden Mediengesellschaft bereits gespielt habe, sei den Rivalen selbst zu eben jener Zeit gar nicht vollends bewusst gewesen. Auch sei man durch das Team und die Sponsoren damals bei weitem nicht so beschützt gewesen, wie es bei der heutigen Fahrergeneration der Fall sei. "Wir haben das nicht so wirklich realisiert. Wir wollten einfach nur gewinnen, hatten aber nun einmal ganz unterschiedliche Charakter und dementsprechend auch andere Denkweisen und einen anderen Stil des Rennfahrens."

Klarerweise ist ihre Rivalität ein wichtiges Element unseres Portraits - aber ganz sicher nicht das einzige.
Manish Pandey

Ganz allgemein könne man sich gewisse Abläufe innerhalb des Sports aus heutiger Sichtweise aber nicht mehr vorstellen - die Zeiten hätten sich nun einmal gravierend geändert. "Man muss es so sehen: Wenn man Rennen fahren kann wie heute - quasi frei von jeglichem Risiko - kann man weitermachen, bis man 44 oder 45 ist - so hat es nun auch Michael Schumacher gemacht und mit Sicherheit ist das verlockend", meinte der 51-fache GP-Sieger. Man müsse sich aber ins Gedächtnis rufen, dass man damals auf die Strecke gegangen sei und nicht gewusst habe, ob man jemals lebendig würde zurückkommen können. "Es gab sehr oft sehr schlimme Unfälle. Dementsprechend wäre ich auch gerne in der heutigen Zeit gefahren, was viel mehr Arbeit auf der technischen Seite und mit den Ingenieuren bedeutet. Trotzdem bevorzuge ich am Ende des Tages aber meine Ära", grinste Prost.


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