DTM - Norisring: Die 7 Antworten zum Rennen

Der Mercedes-Dominator & bestrafte Audi-Piloten

Viel klarer als Robert Wickens kann man ein DTM-Rennen nicht gewinnen. Motorsport-Magazin beantwortet die sieben wichtigsten Fragen zum vierten Saisonlauf.
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Warum gewann Robert Wickens so deutlich?

23,906 Sekunden - einen so großen Vorsprung konnte auf dem Norisring noch kein Rennsieger herausfahren, auch in der aktuell laufenden Saison ist das ein klarer Bestwert. Robert Wickens profitierte bei seinem zweiten DTM-Sieg nicht nur von seiner ohne Zweifel sehr starken Leistung, sondern auch von den Fehlern und Problemen der Verfolger. Bereits vor dem fliegenden Start drehte Jamie Green den auf Platz zwei liegenden Paul Di Resta und verschaffte Wickens einen Vorsprung. Sowohl in den Runden vor den Boxenstopps als auch direkt danach verlor Green, der zusätzlich eine 5-Sekunden-Strafe absitzen musste, besonders viel Zeit. So kam Christian Vietoris auf den zweiten Platz, bevor er kurz vor Rennende ausschied.

"Irgendwie fühlt sich das alles ein bisschen an wie am Nürburgring 2013. Da waren ähnliche Bedingungen: Erst Regenreifen, dann Optionsreifen", jubelte Wickens nach dem Rennen. "Ich mag diese Bedingungen einfach, damit kam ich schon früher immer gut zurecht, als ich in den Formelserien unterwegs war. Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man ganz vorne losfährt. Ich habe mich eigentlich nur auf mein eigenes Rennen konzentriert."

Was passierte mit den anderen Mercedes-Fahrern?

So enttäuschend diese unverschuldeten Positionsverluste für uns sind, so zufrieden können wir mit dem Ergebnis sein.
Wolfgang Schattling

Abgesehen von Wickens lief es für die im Qualifying noch so starke Mercedes-Truppe nicht sonderlich gut. Vitaly Petrov drehte sich bereits hinter dem Safety-Car und bekam später eine Durchfahrtsstrafe, weil er blaue Flaggen missachtete. Paul Di Resta wurde von Jamie Green noch vor Freigabe des Rennens umgedreht und Christian Vietoris schied kurz vor dem Ziel auf Platz zwei liegend mit einem losen Hinterrad aus. Gary Paffett und Pascal Wehrlein wurden ebenfalls von der Konkurrenz aufs Korn genommen, wobei sich letzterer immerhin noch auf dem fünften Platz ins Ziel rettete.

"Ohne diese Zwischenfälle hätten wir, ähnlich wie im Qualifying, ein noch stärkeres Mannschaftsergebnis erzielen können. So enttäuschend diese unverschuldeten Positionsverluste für uns sind, so zufrieden können wir mit dem Ergebnis sein", war Wolfgang Schattling, Leiter DTM-Marketing-Kommunikation bei Mercedes-Benz, hinsichtlich des Wickens-Erfolgs dann doch noch positiv gestimmt.

Wieso bekamen Green und Tambay eine Strafe?

Kurz vor dem Start kollidierte Green mit Di Resta - Foto: DTM

Auch wenn er direkt eine Position gewinnen konnte, hat sich Jamie Green den Start in das Rennen sicher anders vorgestellt. "Es begann mit einem Zwischenfall mit Paul di Resta nach dem Start hinter dem Safety-Car. Seine Linie und sein Speed haben mich überrascht. Wir beide sind gute Freunde, deshalb war das ein Alptraum für mich. Ich habe später eine Strafe dafür bekommen, die mich Zeit gekostet hat", berichtet Green, der vor seinem Reifenwechsel fünf zusätzliche Sekunden anhalten musste.

Di Resta verlor durch den leichten Kontakt neun Positionen. Nicht ganz so schlimm traf es Pascal Wehrlein, der von Adrien Tambay getroffen wurde und zwei Plätze zurückfiel. Tambay, der auf dem fünften Platz ins Ziel kam, wurde dennoch mit einer deutlich härteren Strafe belastet - er bekam nach Rennende 30 Strafsekunden und fiel bis auf den neunten Platz zurück. "Wir hatten einen kleinen Zwischenfall mit Pascal, das tut mir leid. Es war schwierig auf der feuchten Strecke mit Slicks zu fahren", lautete der knappe Kommentar von Tambay.

Wie kam Mattias Ekström auf das Podium?

Der Norisring und Mattias Ekström, das passte zuletzt nicht zusammen. 2013 wurde dem Schweden der regulär erfahrene Sieg aberkannt, gestern gab es nach einer angeblichen Behinderungen im Qualifying eine Strafversetzung um fünf Plätze für das heutige Rennen. Von der zwölften Position brannte Ekström dann ein kleines Feuerwerk ab, das ihn bis auf den dritten Platz nach vorne brachte, nur zwei Sekunden hinter Green.

Das war ein gutes Rennen, hat Spaß gemacht!
Mattias Ekström

"Das war ein gutes Rennen, hat Spaß gemacht", sagte Ekström. "Es war ein guter Tag, ich habe das Fahren genossen, das Auto war im Trockenen und im Nassen gut. Ich feiere den dritten Platz nicht wie einen Sieg, aber wir haben Punkte für die Meisterschaft und die schnellste Rennrunde. Leider müssen wir ein ganzes Jahr warten, bis wir hier wieder antreten."

Warum kam BMW nicht in Fahrt?

Bereits im Qualifying blieb BMW deutlich hinter den gewohnten Möglichkeiten. Motorsportdirektor Jens Marquardt machte den Fans am Samstag noch Hoffnung, als er von Kompromissen beim Setup sprach. Wirklich attackieren konnte man im Rennen allerdings nicht - mit Glück reichte es für Marco Wittmann und Joey Hand auf den Positionen sechs und sieben immerhin für ein paar Punkte.

"In der Breite sind wir natürlich nicht zufrieden. Hier auf dieser Strecke mit ihren sehr speziellen Anforderungen waren wir im Gesamtpaket letztlich nicht gut genug", musste Marquardt eingestehen. Neben der Performance auf der Strecke ließ aber auch die Arbeit in der Boxengasse zu Wünschen übrig. So stoppte zum Beispiel in Runde sechs und pokerte. "Aber leider ist der Plan nicht aufgegangen", so der Brasilianer. Noch kurioser war allerdings die Boxen-Romanze zwischen Timo Glock und Maxime Martin.

Was war mit Timo Glock los?

Timo Glock konnte nur am Anfang mithalten - Foto: DTM

Eigentlich lief es für den ehemaligen Formel-1-Piloten gar nicht so schlecht. Immerhin fuhr er in der Anfangsphase des Rennens vom 13. Startplatz bis in die Punkteränge nach vorne - bis ihn das Glück verließ. "Dann hatte ich generell viel weniger Grip als alle anderen, auch etwas Untersteuern am Kurvenausgang. Vielleicht war der Reifendruck nicht ganz richtig. So bin ich etwas durchgereicht worden", so Glock über die ersten Probleme. Gerade beim Anbremsen bekam er immer mehr Schwierigkeiten, die Hinterräder blockierten und daraus resultierte irgendwann ein Dreher.

"Das Auto brauchte unheimlich lang, bis es wieder anging. Dann hatte ich noch ein Problem in der Box mit Maxime, wo man mich hat losfahren lassen und ich in ihn reingefahren bin." Die Folge war eine Durchfahrtsstrafe, die Glock endgültig zurückwarf. Statt mögliche Punkte zu holen, reichte es am Ende mit zwei Runden Rückstand nur für den 16. Platz. Glocks Fazit fiel entsprechend nüchtern aus: "Das war heute nicht ganz mein Tag, es hat nicht so zusammen gepasst."

Wieso stoppten einige Fahrer bereits nach sechs Runden?

Mit einem frühen Stopp kann man sich gegen ein mögliches Safety-Car schützen.
Dieter Gass

Schon vor dem Start deklarierte die Rennleitung den vierten Lauf auf dem Norisring als Regenrennen. Damit war auch klar, dass es kein Boxenstoppfenster gibt und die Fahrer ihren Pflichtboxenstopp frei einplanen können. Bereits nach sechs Runden stoppten Martin Tomczyk, Augusto Farfus, Miguel Molina und Antonio Felix da Costa, zwei Runden später folgten Nico Müller und Vitaly Petrov. Alle blieben auf Regenreifen und mussten im letzten Renndrittel ein weiteres mal in die Boxengasse abbiegen, um auf Slicks zu wechseln.

"Mit einem frühen Stopp kann man sich gegen ein mögliches Safety-Car schützen", erklärt Dieter Gass, Leiter DTM bei Audi. "Heute Morgen hätte es wenige Leute gegeben, die bei nassen Bedingungen auf ein Rennen ohne Safety-Car gewettet hätten. Wir haben die Entscheidung gefällt und Miguel früh reingeholt. Wenn dann das Safety-Car gekommen wäre, hätte er davon deutlich profitieren können und wäre nach vorne gekommen."


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