DTM - BMW: Langsam, schwer, Norisring

Noch ein Ass im Ärmel?

Auf dem Norisring tat sich BMW schon immer etwas schwer. Die schwache Teamleistung im heutigen Qualifying kam dennoch überraschen. Woran lag es?

Motorsport-Magazin.com - Nur ein Auto im dritten Qualifying, am Ende zwei Fahrer unter den besten Zehn. Nach bisher starken Leistungen und zwei Siegen in drei Rennen war BMW auf dem Norisring nur Mittelmaß. Platz acht für Marco Wittmann und Platz elf für Maxime Martin waren das ernüchternde Ergebnis nach dem Zeittraining auf der kürzesten und spektakulärsten Strecke im DTM-Kalender. Nur nach einer Strafe gegen Mattias Ekström rückten die beiden schnellsten BMW-Piloten jeweils eine Position auf. Aber warum lief es für den Münchner Hersteller heute so durchwachsen?

Auf einer so kurzen Strecke, die auch extrem auf die Gewichtsverteilung abzieht, da wirkt es sich gleich doppelt aus.
Jens Marquardt

Die Symptome waren jedenfalls schnell gefunden, nicht dagegen aber die Ursachen. Der M4 lahmte auf den Geraden, von denen es am Norisring sehr viele gibt. Hinzu kamen viele andere Kleinigkeiten, die auf einer so kurzen Strecke mit den geringen Abständen schnell eine Menge ausmachen können. Wie eng? Im ersten Qualifying fuhr Bruno Spengler auf den dritten Platz, nur 0,005 Sekunden hinter der Spitze. Gleichzeitig verpasste Martin Tomczyk den Einzug in Q2 um nur 0,001 Sekunden.

BMW macht nur einen Schritt

Ein Problem der BMW waren die Erfolgsgewichte. Im Vergleich zu den schnellsten Mercedes-Piloten waren Wittmann oder Spengler zehn Kilogramm schwerer. "Das macht ungefähr eine Zehntelsekunde aus", erläutert BMW-Motorsport-Direktor Jens Maquardt den Nachteil. "Aber das soll das Handicap-Gewicht ja auch ausmachen. Auf einer so kurzen Strecke, die auch extrem auf die Gewichtsverteilung abzieht, da wirkt es sich gleich doppelt aus."

Marco Wittmann ist BMWs Speerspitze - Foto: DTM

Ebenfalls auffällig: Abgesehen von Wittmann war der Rückstand aller BMW-Piloten im zweiten Qualifying-Abschnitt größer als noch in der ersten Runde. Die reine Rundenzeit war in den meisten Fällen zwar besser, doch während man bei BMW nur einen Schritt machte, machte die Konkurrenz zwei Schritte - innerhalb von nur wenigen Minuten. "Dann ist plötzlich die Sonne verschwunden und es ging gar nichts mehr", klagte Timo Glock. "Ich war auf dem zweiten Reifensatz zwei Zehntel langsamer unterwegs, ich denke das war auch bei allen anderen so."

Quasi zufällig stellte Glock aber auch fest, dass BMW nicht nur auf den Geraden Zeit verliert, sondern auch in den Kurven. "Ich bin hinter einem Audi gefahren, sie sind sehr stark auf der Bremse. Von der Mitte der ersten Kurve bis zur vierten Kurve fahren sie uns auf und davon." Anders als die Audi könnte Glock nicht so spitz in die Kurven hinein fahren, da er sonst mit extremen Untersteuern zu kämpfen hätte. "Und dann können wir auch nicht so viel Geschwindigkeit aus den Kurven mitnehmen."

Poker mit Wetter & Setup?

Letztlich hat auch diese Kleinigkeit dafür gesorgt, dass Marco Wittmann nach dem Qualifying nur sagen konnte: "Für uns war klar, dass das Qualifying hart wird. Wir haben schon im Training gesehen, dass uns der Topspeed fehlt."

Wir werden dann sehen, ob der Kompromiss beim Setup so funktioniert, wie wir uns das erhoffen.
Jens Marquardt

Hat man vielleicht noch ein Ass im Ärmel? Immerhin sagte Jens Marquardt im Hinblick auf das Wetter: "Wir müssen schauen, wie es sich morgen verhält, wenn es nass ist. Bisher ist das alles reine Makulatur. Wir werden dann sehen, ob der Kompromiss beim Setup so funktioniert, wie wir uns das erhoffen." Sollte BMW tatsächlich alle Fahrer mit einem reinen Regen-Setup in das Qualifying geschickt haben, wäre das allerdings eine mehr als mutige Entscheidung. Schließlich weiß auch Wittmann: "Alle Wetterberichte sagen Regen voraus, wir können uns darauf einstellen. Allerdings hat man schon gesehen, dass auch Wetterberichte nicht immer zuverlässig sind."

Geht der Poker für BMW auf und haben sie tatsächlich noch ein Ass im Ärmel? Die Regenwahrscheinlichkeit für Sonntag, 14:00 Uhr, liegt bei 75 Prozent.


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