DTM - Sportchefs spielen Gewichtseffekt herunter

Größerer Effekt durch Autos selbst

Erstmals in der Saison beträgt der Gewichtsunterschied mehr als 10 Kilogramm. Macht es auf dem Norisring etwas aus oder ist es eher ein Placeboeffekt?
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Motorsport-Magazin.com - Da sind sie plötzlich wieder, die Sternenkrieger. Mit den leichtesten Autos im Feld fahren sie auf dem Norisring der Konkurrenz um die Ohren - im Vergleich zu beispielsweise Marco Wittmann sind sie 12 Kilo leichter. Haben also die Kompensationsgewichte ihren Zweck erfüllt? Die einhellige Meinung im Fahrerlager ist, dass der große Vorsprung nicht auf die Gewichte zurückzuführen ist: "Im Schnitt sind wir zehn Kilo schwerer als Mercedes. Das ist ungefähr eine Zehntelsekunde. Das erklärt aber nicht das gesamte Delta", führte Jens Marquardt aus.

Kein Effekt also? Die Fahrer sehen das anders: Vor allem die BMW-Piloten merken nach eigenen Angaben den Zusatzballast: "Leider bin ich ja bei den schwersten Autos im Feld", nörgelt Martin Tomczyk im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. "Beim Bremsen und Beschleunigen merkt man es schon ein bisschen." Timo Glock ergänzt: "Mercedes ist hier zwölf Kilo leichter und das macht auf einer Strecke wie hier, wo man um Hundertstel und Tausendstel kämpft, schon etwas aus." Dem gegenüber erklärt Wolfgang Schattling, der DTM-Verantwortliche bei Mercedes-Benz: "Zehn Kilo machen hier so gut wie gar nichts aus."

Beim Bremsen und Beschleunigen merkt man es schon ein bisschen.
Martin Tomczyk

Glock stellt klar, dass BMW auf dem ungewöhnlichen Kurs in Nürnberg ganz einfach Schwierigkeiten habe: "Ich bin hinter einem Audi hinterhergefahren. Die sind stark auf der Bremse, beim Kurveneingang bis -mitte in Turn 1 [Grundigkehre] und 4 [Dutzendteichkehre] fahren sie uns auf und davon. Die können so spitz reinfahren und so viel Speed mitnehmen, während wir zu viel untersteuern haben."

Extraportion Wasser für die Bremsen

Unterm Strich ist die Mercedes-Performance also nicht auf die zehn Kilogramm zurückzuführen, einen kleinen Negativeffekt kann man bei BMW schon beobachten, doch das eigentliche Problem ist der M4 selbst. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet Ingenieuren das Thema Bremsen. Selbst Schattling, dessen Fahrer die leichtesten Fahrzeuge pilotieren, erklärt: "Das spielt hier eine ganz große Rolle. Deshalb haben wir wassergekühlte Bremsen. Die Fahrer können vom Cockpit aus in die Bremsscheibe sprühen. Normalerweise haben wir einen 2-Liter-Behälter, aber hier haben wir deren fünf."

Audi-DTM-Leiter Dieter Gass glaubt nicht, dass sich die Zusatzgewichte negativ auf die Haltbarkeit der Bremsen auswirken: "Es hat jeder darauf hin gearbeitet, hier über die Distanz eine gute Bremse zu haben. Die zehn Kilo mehr oder weniger bringen einen nicht aus der Balance."


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